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05.09.2015 12:16:50
Pele's Geschichte (#96677)
Pele
In dieser Nacht stürmte und donnerte es. Der Regen prasselte mit lautem Getöse auf das Dach des Tempels und sammelte sich zu Sturzbächen die die Wände hinab schossen. Es war nun schon der dritte Tag, an dem sie in den wehen lag. Am Abend hatte sie aufgehört zu schreien und blickte nur noch, von gelegentlichem Zittern unterbrochen, leer zur Zimmerdecke hinauf.

Ein Blitz hüllte den ansonsten nur von Kerzen erhellten Raum kurz in gleißendes Licht. Die Hebamme legte einige Tücher zur Seite und blickte sich traurig zum Priester um.

„Werte Herr Undrenkin“, begann sie leise, „Ihr dürft nicht länger warte. Eure heiligen Zauber halten ihren Körper am leben, doch der Schmerz wird ihre Seele töten. Drei Tage. Logrin! Seit drei Tagen. Ich bitte euch!“

Kalt blickte der Halbling die Hebamme an. Er wusste dass sie es nur gut meinte. Und er wusste auch dass sie recht hatte. Mit seinem Wissen war er am Ende. Yondalla wollte ihm offenbar dieses Kind nicht schenken. Würde er dem Vorschlag der Hebamme nicht zustimmen, dann würden in dieser Nacht seine Frau und sein ungeborenes Kind sterben.

„So sei es denn!“, presste der Priester schließlich heraus und also ob die Götterwelt diese Entscheidung missbilligte, zuckte ein greller Blitz über den dunklen von schwarzen Wolkentürmen verhangenen Himmel.

Und so geschah es, dass das erste und das letzte Mal ein Geistheiler seinen Fuß in die heiligen Hallen des Tempels zu Nostall setze. Schon alleine die Tatsache, dass es ein Mensch war, machte Logrin rasend vor Wut. Ausgerechnet ein Mensch, hier in Luiren, der seiner Frau und Tochter das Leben retten sollte. Doch er ließ sich nichts davon anmerken.

„Könnt ihr helfen?“, fragte er tonlos.

Der Schamane hatte nur einen kurzen Blick auf die im Sterben liegende Halblingsfrau geworfen. Dann blickte er entrückt aus dem Fenster in die Dunkelheit hinaus.

„Ihr werdet ein Opfer bringen müssen“, sprach er mit heiserer Stimme. Dann breitete sich in seinem faltigen Gesicht ein arglistiges Lächeln aus. „Und es wird euch nicht gefallen.“

[b]*20 Jahre später*[/b]

„Du willst uns also wirklich verlassen?“, flüsterte Mirigrie, die in die Tür zu Peles Zimmer getreten war. Pelenegrie, die gerade dabei war ihren Rucksack zu packen, blickte auf und lächelte: „Meine große Schwester ist zu Besuch!“ Die beiden jungen Frauen fielen sich in die Arme. Aber als sie da so standen, hatten beide einen Kloß im Hals.

„Ist es weil die Leute reden? Wegen der Schauergeschichten die sie erzählen?“, fragte Miri leise.

„Ich gehe nicht wegen der Geschichten“, meinte Pele überzeugt. „Ich gehe weil es wahr ist. Weil sie recht haben.“

„Pele! Wenn auch nur ein Funke Böses an dir wäre, so würde ich es als Paladin sofort erkennen. Du bist nicht böse und du bist auch nicht von bösen Geistern besessen.“ Miri blickte sie flehend an. Aber sie wusste, dass ihre Schwester genauso dickköpfig war, wie sie selbst. „Du .... Du kommst doch zurück? Schon bald! Nicht wahr?“

„Nachtürlich!“ Pele lächelte herzlich. „Ich werde dich und Paps so oft ich kann besuchen. Auch wenn sich die Leute dann nicht in den Tempel trauen, solange ich da bin.“

Der Abschied war tränenreich und lange lag man sich noch in den Armen. Doch dann brach die junge Hin auf und verließ ihre Heimatstadt. Sie blickte sich noch einmal um, einen letzten Blick auf die Tore der Stadt werfend und den beiden winkenden Hin ein leises „Lebt wohl“ zuflüstern. Dann wandte sie sich ab und setzte Schritt um Schritt in ein neues Leben.

Sie wusste nicht, dass sie weder ihre Heimat noch ihre Familie jemals wieder sehen sollte.