06.06.2015 15:50:43 | Die Memoiren des E. Goldwyn (#92876) |
Mr.Hypello | Mit ausgestreckten Beinen flätzte Euphimeus im Akademiegarten auf einer Bank und blickte zufrieden auf das Meer. Mit seiner Rechten kraulte er seinen pelzigen Begleiter. Der gut betagte Kater hatte längst nicht mehr das schillerndste Fell. Die einst dunklen Leopardenähnlichen Flecke waren ausgeblichen und auch das sonst so kräftig orange Fell sah man nur noch trüb, wie eine langsam nebelig werdende Erinnerung von dem was es einmal war. Über seinem linken Auge lag ein milchiger Schleier doch im rechten blitzte stets eine gewisse Schärfe. Selbst während er gekrault wird, scheint es eher so als gestatte er es nur etwas widerwillig. "Dies ist nun also Mirhaven, Leopold." Der Kater wandte leise brummend den Blick von den Zinnen des Gartenzauns und schloss die Augen. "Du wirst schon sehen, so übel wird es hier gar nicht." Mit diesen Worten nahm er seine Hand zurück und zückte ein kleines braunes Buch, mit güldenen Stickereien an den Rändern, sowie eine Feder. Dieses Büchlein war ein steter Begleiter. Es war überfüllt mit Texten und kleinen Skizzen. Es glich einem Wunder, das der Alte darin überhaupt noch Platz fand. [quote]Nun bin ich endlich hier. Amdir, Insel der Hoffnung. Nun, die Überfahrt war beschwerlich und kaum peinlicher zu gestalten. Die Schmach mein Grimoire verloren zu haben ist schon ein wenig ärgerlich. Gerade dann, wenn es stimmt was sich die Matrosen so erzählt haben. Nunja, den Weg zur Akademie habe ich dennoch gefunden. Da ihre Statuten es so gebieten, bekleide ich zunächst den Rang eines Novizen. Ich bemerke da einen kleinen Hauch von Ironie. Mein Nachtlager teile ich mir in einem Gemeinschaftsraum in Doppelstockbetten. Ich hätte nicht erwartet, dass mir das in dem Alter nochmal passiert. Ich muss jedoch sagen, dass ich darin durchaus Humor sehe. Sagt man nicht auch, man ist so alt wie man sich fühlt? Ich denke diesen Scherz leiste ich mir. Die obere Hälfte des Bettes benutzen zu müssen, deutet jedoch jetzt schon darauf hin, dass mir dieser Scherz an die Knochen gehen wird. Alles in allem lässt es sich jedoch leben. Höchst interessant sind allerdings die Kollegen. In den Gängen hörte ich sogar davon tuscheln, dass es Ebenenberührte an der Akademie geben soll. Nachdem ich jedoch einen kurzen Blick auf den Erzmagus werfen konnte, wird mich hier wohl kaum noch etwas wundern können. Höchst beeindruckend. Mächtig. Allerdings schwer unterkühlt. Großmeister Grey, welcher mich auch aufnahm, scheint mindestens kompetent. Auch bei ihm spürt man, dass der Titel nicht von ungefähr kommt. Doch noch stehen da die autoritären Mauern dazwischen. Doch bisher hört man auch nur Gutes. Sehr spannend ist jedoch eine meiner Mitnovizinnen. Wenn ich so darüber nachdenke, frage ich mich wie sie es erträgt Novizin zu sein. Sie ist meiner Schule verbunden, was wohl zum Teil Glück zum anderen Pech bedeutet. Diese Dame scheint ihre Faszination aus ihrer Exotik zu ziehen. Sie scheint so fremd in alle dem. Herrisch. Auf eine aristokratische Art Görenhaft, würde ich sagen. Der Pöbel würde wohl behaupten, sie hätte schlicht eine Macke. Doch ich sehe durchaus mitunter Wahrheit in dem was sie verkörpert. Nur kennt sie keinerlei Maß. Sie ist ein Extrem, welches in ihrem Dasein so destruktiv ist, dass es schier unerklärlich scheint, wie diese Person hier überhaupt existieren kann. Ihre Reaktionen für diese andere Maga könnten auf einen Puffer hindeuten. Es bleibt abzuwarten ob weitere Ambivalenzen auftauchen. Dann gab es noch diesen Kale. Seine Art sich zu verwandeln übertrifft alles was ich bisher gesehen habe. Es wirkte so natürlich. So als würde er nicht eine beliebige Form annehmen, es wirkte eher als sei dies ein Teil von ihm. Wie sein Verstand das vereinbart, wäre interessant herauszufinden. Aber nun, wo ist die Zeit hin? Ich muss ja zum Unterricht. Grundkurs Alchemie. Es bleibt spannend. PS: Vielleicht versuche ich ein Papierschiff zu fertigen [/quote] Er pustete noch einmal über die frische Tinte, legte dann die Feder ab und klappte das Buch zu. |