24.04.2014 13:06:50 | [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76414) |
Varulfen | Quietsch fidel rannte das kleine Mädchen den Steg entlang, auf das Boot zu, das grade anlegte. Das Segel an dem kleinen Mast war eingezogen und ein paar Männer machten sich daran, das Schiff, das man kaum als solches bezeichnen konnte, mit Rudern langsam an den Steg zu bringen, den man im Dorf so optimistisch Hafen nannte. Taue flogen durch die Luft und wurden von Männern auf dem Steg aufgefangen, während das kleine Mädchen auf einer nassen Stelle ausrutschte, einen Moment lang haltlos durch die Luft flog und mit einem dumpfen Geräusch auf das Holz aufprallte. *Rumms* Da lag sie nun flach am Boden, das einfache Leinengewand, ihr Kleidchen wie Mutter es nannte, dreckig vom Algenbewuchs der Bretter. Doch es dauerte keinen Augenblick, da rappelte sie sich wieder auf, schüttelte kurz den Kopf und rannte ohne eine Tränke in den Augen weiter auf das Boot zu, während die Männer die Taue festknoteten. Irgendwo hinterdrein lief eine Frau mittleren Alters dem Kind hinterher. „Annemarie! Kommst du wohl zurück?“, rief sie mit einem fast verzweifelten Unterton. „Am Hafen hast du nichts verloren, Kind!“ Doch es war klar, dass die knapp Dreijährige mal wieder nicht auf sie hören wollte. Sie war mindestens genau so rebellisch, wie ihre Schwester es schon immer war… |
25.04.2014 07:54:35 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76439) |
Varulfen | Sturm tobte. Wind riss an den Brettern des Daches, an Fensterläden und pfiff eiskalt durch Ritzen und Spalten im Holz hindurch. Ein helles Blitzen erhellte die Umgebung, danach war es wieder finster, als wäre es Nacht. Kurz darauf der Donner, als würden eintausend Pferde das Dach entlang trampeln. Laut, nah, gefährlich nah! Eingewickelt in eine Decke saß das kleine Mädchen da, in Mutters Arm. Sie hatte schon vor einer Weile aufgehört zu schreien, hatte es irgendwann aufgegeben, als Mutter nicht reagierte und nur noch leise vor sich hin flüsternd betete. Zu Akadi betet sie, zu Umberlee, zu Talos, Istishia, Selûne und zu Valkur. Es wurde kaum jemand ausgelassen, auch wenn die Kerze auf dem Tisch schon lange durch den Wind erloschen war. Den Tag und auch die ganze Nacht lang tobte der Sturm, bis er endlich im Laufe des nächsten morgens abebbte. Noch immer lagen die Wolken schwer und grau wie Blei am Himmel. Das Meer, wenn sich die Wellen auch gelegt hatten, trug die selbe Farbe. Und mehr als die Hälfte der Schiffe fehlten im Hafen. Am Nachmittag kam der Dorfälteste zu Besuch. Dass er keine guten Nachrichten brachte, verstand selbst die dreijährige Annemarie. Vater kam nach dem Sturm nicht mehr zurück nach Hause. Mutter sagte, er wäre weit, weit mit dem Schiff fortgefahren. Sie wollte auch mal mit einem Schiff weit weg fahren und Vater suchen, nahm sich das kleine Mädchen vor. Mutter nahm sie in die Arme und drückte sie fest. Ach, natürlich würde sie Mutter nicht einfach so alleine lassen! |
26.04.2014 09:24:53 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76456) |
Varulfen | Hätte die kleine Annemarie sich in ihrem Alter für Kalender interessiert, hätte sie bemerkt, dass etwa drei Monde vergangen waren, seit der Sturm getobt und Vater gegangen war. Aber mit drei Jahren hat man noch eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge und es war ewig her, seit sie Vaters Gesicht gesehen hatte. So lange, dass es schwierig war, sich genau daran zu erinnern. Doch auch viele andere Dinge hatten sich geändert im Haus. Viel öfter kamen Frauen, besonders ältere Frauen, zu Besuch und brachten Dinge mit, die sonst Vater gebracht hatte. Mehr und mehr blieben sie auch länger, halfen Mutter bei der Arbeit und manchmal musste sie nicht mal mehr aufstehen. Als diese drei Monde fast vergangen waren, stand Mutter gar nicht mehr aus dem Bett auf. Und es zog jemand Neues mit ins Haus ein. Annemarie mochte die lustige Frau sofort, die zwar noch ganz jung war (für einen Erwachsenen), aber trotzdem schon silberne Haare hatte, wie eine alte Oma. Die Frau, die ihre große Schwester war, wie man ihr erzählte, und Sara hieß, schaffte es sogar mit Annemaries Temperament mitzuhalten. Sie war zwar manchmal recht ernst, aber niemals so schlecht gelaunt und säuerlich wie die alten Frauen. Außerdem gefiel es Annemarie, wie Sara überall Chaos hinterließ und die Alten trotzdem noch immer wieder vorbeikommen mussten, um aufzuräumen. Sara ließ die Alten auch weiter das Essen machen, warum das so war, würde Annemarie erst in naher Zukunft erfahren… |
27.04.2014 08:54:09 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76472) |
Varulfen | Und so verging noch ein Mond, oder eine Ewigkeit aus Sicht des kleinen Mädchens, während Sara mit im Haus wohnte. Sie wäre jetzt dreieinhalb Jahre alt, versuchte ihr die silberhaarige Frau beizubringen. Drei Jahre und ein halbes dazu. Annemarie versuchte es mit ihren Fingern nachzuzählen, aber die Sache gestaltete sich schwierig. Entweder war der Finger ausgestreckt oder eingezogen. Entweder war das Jahr um oder eben nicht. Sara war zwar eine ganz lustige Frau, aber manchmal war sie auch ein bisschen dumm, fand Annemarie. Veränderungen sind die Würze des Lebens, heißt es. Natürlich hatte die Dreieinhalb jährige noch niemals von diesem Sprichwort gehört. In diesem Fall schmeckte die Veränderung salzig und feucht, nach Tränen. Viele Leute weinten, alle sogar, die sie im Haus besuchten und zu Mutter an das Bett gingen. Sogar Sara, die sonst immer fröhlich war. Mutter störte es zum Glück nicht, dass die Leute so traurig waren, sie schlief einfach tief und fest weiter. Bei der Stimmung im Haus war das auch verständlich. Annemarie dachte selbst darüber nach einfach einzuschlafen und wieder aufzuwachen, wenn das alles vorbei war. Andererseits wollte sie nicht früh ins Bett gehen. |
28.04.2014 11:51:57 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76498) |
Varulfen | Einen Tag später wurde Mutter auf ein tragbares Bett gelegt und damit aus dem Haus gebracht. „Wo bringen sie Mama hin?“, fragte das Mädchen, doch sie bekam keine Antwort. Aber schon am nächsten Tag sah sie Mutter wieder, ganz vorne in der Kapelle, in einem schönen neuen Bett, das mit vielen Blumen und Gestecken verziert war. Darüber würde sie sich freuen, wenn sie wieder aufwachte! Dann wurde viel gebetet und gesessen. Langweilige Dinge wurden gemacht, dass Annemarie gar nicht mehr richtig zuhörte und als sie irgendwann wieder aufwachte, lag sie schon im Schlafgewand in ihrem Bett. Nur recht so, sie war sich sicher, nicht viel verpasst zu haben. Als sie dann am nächsten Tag wach wurde, war schon viel los in der Küche. Nicht nur ein paar alte Frauen waren da, auch Mama war wieder aufgewacht! Sie stand am Herd und warf den Frauen ein paar von den Blicken zu, die auch Annemarie immer bekam, wenn sie nicht gehört hatte. „Ihr lasst Mama ja gar keinen Platz in der Küche.“, warf das Mädchen ein und erntete verwunderte, trübe Blicke. Auch Mutter blickte sich um zu ihr, doch ihr Gesicht zierte ein belustigtes Lächeln. Sie hob den Finger an die Lippen: „Pschht!“ Annemarie gluckste vergnügt, aber sie sagte nichts mehr. |
29.04.2014 08:25:40 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76524) |
Varulfen | Mutter blieb bei ihr. Sie saß mit ihnen am Tisch, wenn sie aßen. Sie lief durch das Haus, versuchte hier und da zu helfen, wo die alten Frauen aber auch Sara Arbeit erledigten, doch schnell gab sie diese Versuche immer wieder auf. Stattdessen kümmerte sie sich mehr um Annemarie. Sie schnitt Grimassen, erzählte leise flüsternd Geschichten. Nie wurde sie laut und die anderen im Haus schienen sie gar nicht richtig zu bemerken. Aber dem kleinen Mädchen machte das nichts aus. Nur gelegentlich war Mutter mal nicht da. Sie blieb nie lange weg und höchstens für ein paar Stunden. Wenn sie zurück kam, wirkte sie ein wenig trauriger, aber sobald sie Annemarie erblickte, fing sie wieder an zu lächeln. Und das Mädchen lernte schnell, dass sie den anderen Frauen im Haus nichts von alledem sagen sollte. Doch einer Dreijährigen fiel sowas gar nicht unbedingt einfach. Mehr als einmal rutschte ihr etwas heraus, das ihr einen tadelnden Blick von Mutter einbrachte. Und die seltsam fragenden Blicke der Alten, vor allem aber Saras. |
30.04.2014 07:52:30 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76549) |
Varulfen | „Annemarie, wir gehen auf eine kleine Reise!“, erzählte Sara ihr fröhlich. „Als ich ein Kind war, waren wir ständig auf Reisen, Mutter, mein Vater und ich. Ich hab so viele Orte gesehen und neue Dinge kennengelernt!“ Annemarie sah sie skeptisch an. Eine Reise? Aus dem Dorf raus? Weg von Mutter? Mutter hatte ihr immer verboten aus dem Dorf zu gehen. Das einzige Verbot, an das sie sich so wirklich gehalten hatte. Und nun sollten sie rausgehen? Sara war anscheinend gut darin, ihren Blick zu deuten. „Keine Angst, ich bin bei dir und ich weiß, wie man richtig auf Reisen geht. Ich bin auch schon eine lange, lange Zeit alleine herumgereist und ich passe auf uns beide auf.“ So ganz überzeugt war Annemarie immer noch nicht. „Gehen wir dann auch Papa suchen?“, fragte sie? |
01.05.2014 10:05:30 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76573) |
Varulfen | Hätte Sara gleich gesagt, dass sie ein Pony mitnehmen, wären ihr Annemaries skeptische Blicke sicher erspart geblieben. Das kleine Mädchen liebte das Tier abgöttisch! Der kleine, aber dafür umso stämmigere, gescheckte Wallach war ausdauernd, ruhig und so geduldig und gutmütig, dass er das Gezappel der Kleinen ohne Gegenwehr ertrug. Aber er kam nicht nur als Reittier für Annemarie mit. Seine eigentliche Aufgabe war das Tragen des Gepäcks. Sara hielt das Tier die Reise entlang locker an den Zügeln, es war gar nicht mehr nötig um ihn vom Mitkommen zu überzeugen und der Blick seiner treuen Augen zeigten nichts als Zufriedenheit, trotz der harten Arbeit. Mutter lief hinterdrein. Sie war mitgekommen, was vielleicht auch ein Grund dafür war, dass Annemarie die Reise so gefiel. Sie musste Mutter nicht mit den alten Frauen alleine lassen und sie hatten jetzt noch mehr Zeit, um zusammen zu spielen, während Sara rätselte, ob sie wohl immer noch auf dem richtigen Weg waren. Ab und zu tuschelten Annemarie und Mutter vorsichtig miteinander, aber sie wurden beide schnell wieder still, wenn Sara in ihre Richtung sah. |
02.05.2014 11:25:20 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76585) |
Varulfen | Ein paar Tage lang waren sie schon unterwegs, zelteten zwischendurch und wanderten sowohl bei Sonne wie auch bei Regen. Zumindest war Sara gut vorbereitet gewesen, was den Regen anging. In dem Fischerdorf hatte es selbstverständlich die beste wasserfeste Kleidung gegeben, die man finden konnte. Was den Proviant anging... Sara beim Kochen zuzusehen brachte Mutter wohl fast um den Verstand. Annemarie sah den beiden gerne zu, wie eine verzweifelt versuchte Fleisch oder Eintöpfe nicht vollkommen verbrennen zu lassen, während die andere wild den Kopf schüttelte und gestikulierte. Doch leider wollte Sara noch immer nicht auf Mutter hören und so wurden die Essenspausen auf der Reise zu den schlimmsten Erlebnissen, die Annemarie bisher in ihrem Leben gehabt hatte. Wenn Sara doch so viel alleine gereist war, warum hatte sie dann nie kochen gelernt? Irgendwann war es Annemarie einfach zu viel. Mit einem altklugen Grinsen trat sie mit an die Feuerstelle und begann einfach den Anweisungen zu folgen, die Mutter ihr ins Ohr flüsterte. Saras ungläubiger Blick, als das kleine Mädchen einen ganz passablen Eintopf kochte, war die Krönung der gesamten Reise. |
03.05.2014 09:21:06 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76604) |
Varulfen | Weder Annemarie noch Mutter hatten so recht daran gedacht, wie man Sara erklären konnte, wo ein dreijähriges Mädchen so kochen gelernt hatte. Die Wahrheit war…schwierig. Sara konnte nicht sehen, wie Mutter hinter Annemarie gestanden hatte, ihre Hände führte und ihr zuflüsterte, was sie tun sollte. Mutter wollte nicht, dass das Mädchen von ihr sprach. Und Sara ließ sich nicht mit halbherzigen Antworten abspeisen. „Sag mir die Wahrheit, Annemarie! Ich will die Wahrheit aus deinem Mund hören, hast du mich verstanden?“ Irgendwann gab es kein Drumherum reden mehr. Anne würde ihr die Wahrheit sagen müssen und so flüsterte sie leise, schuldbewusst: „Mama hat es mir gezeigt.“ Die nächsten Minuten wurden umso schlimmer, als Annemarie zu erklären versuchte, dass Mutter noch immer bei ihr war. Und auf Saras Erklärung, warum Mutter nicht mehr da sein konnte, wollte sie gar nicht hören. Schließlich stand Mutter doch da, neben ihnen am Feuer. Und sie sah gar nicht begeistert aus…Hätte Anne gewusst, was eine Zwickmühle ist, hätte sie nun direkt in einer gesteckt. |
04.05.2014 09:57:20 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76620) |
Varulfen | „Weißt du, Annemarie“, eröffnete Sara ihr schließlich, „ich kann verstehen, wie schwierig das ist. Deine Mutter war auch meine Mutter und ich vermisse sie genauso wie du.“ Annemarie schüttelte den Kopf. „Ich vermisse sie ja gar nicht, weil sie bei mir ist!“ „Was das angeht…“, Sara wirkte ungewohnt nachdenklich und besorgt. Und sie sprach den Satz nicht zu ende. Erst nachdem sie eine Weile in das Feuer geschaut hatte, schickte sie das kleine Mädchen schlafen. Den nächsten Tag ging es weiter wie gewohnt, Sara sprach nicht mehr mit Annemarie über Mutter, aber sie blieb auch sonst sehr still. Im Laufe des Tages näherten sie sich einem großen Wald und während die Dreijährige auf dem Rücken des Ponys saß, hatte sie alle Zeit der Welt, die Bäume und ab und zu sogar die Tier dazwischen zu beobachten. Mutter lief neben Sara her und war ebenso nachdenklich. Das kannte Annemarie nun von keinem der beiden und es trübte nicht nur die Stimmung während der Reise. Das Mädchen begann, sich ernsthaft Sorgen zu machen. |
05.05.2014 09:53:41 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76675) |
Varulfen | Sie konnte nicht sagen, ob es ein Lied war, ein Gedicht, was Sara da lauthals dem Wald entgegen rief. Sie verstand kein Wort von dem, was Sara sagte. Aber sie hörte die sich reimenden Klänge, die einen lustig Eindruck machten! Nachdem der halbe Tag vergangen war und Sara immer noch weiter rief, ohne viele Pausen zwischendurch gemacht zu haben, musste selbst Annemarie zugeben, dass sie erstaunt war. So lange hielt selbst sie es nicht aus zu schreien, ohne heiser zu werden. Und sie war immer die beste Schreierin im Dorf gewesen! Doch noch immer geschah nichts und selbst als die Sonne sich langsam wieder hinter die Hügel verkroch, hatte Sara wohl nicht die Antwort bekommen, auf die sie gewartet hatte. „Morgen ziehen wir weiter.“, sagte sie. Sie aßen, sie gingen schlafen. Mutter wachte in der Nacht. |
06.05.2014 10:26:15 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76718) |
Varulfen | „Anne, du musst aufwachen!“ Das Mädchen rieb sich die Augen. Anne? Sara hatte ihren Namen noch nie so abgekürzt. Der kurze Spitzname gefiel ihr aber, war kürzer und weniger sperrig im Mund. „Anne, wach auf!“ Eine Hand schüttelte sie vorsichtig. Sara sah gar nicht zu ihr hinab, sondern in die Ferne, in die Richtung des dunklen Waldes. Es war noch Nacht, das Feuer glühte noch, Sterne glitzerten. Und Mutter war nicht da. „Ich glaube, sie haben mich doch gehört.“, sagte Sara, es klang aber nicht so, als würde sie deshalb vor Freude aus der Haut fahren. Es klang eher ein wenig besorgt. Dann trat ein Mann in aus der Dunkelheit der Nacht in den schwachen Schein der glühenden Holzscheite. Er sprach mit einem Akzent, den Annemarie nicht kannte: „Es ist selten, dass jemand die Worte der Fey in den Wald hinein ruft. Noch seltener, dass er es einen ganzen Tag lang tut. Und noch seltener, dass er ein Bhen ist!“ |
07.05.2014 08:20:30 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76749) |
Varulfen | Lange Gespräche wurden geführt, meist unter vier Augen zwischen Sara und dem einen oder anderen der Spitzohrigen aus dem Wald. Halbelfen, das hatte Annemarie schon gelernt, waren das. Im Wald lebten Halbelfen so, wie es ihre Vorfahren einst getan hatten. Doch richtige Elfenstädte gab es in Aglarond schon seit langer, langer Zeit nicht mehr. Wenn Sara mit einem der Spitzohren sprach, ließ sie Annemarie und das Pony bei einer freundlich aussehenden Frau zurück, die sich um sie kümmerte. Mutter blieb auch bei ihr, sie beobachtete die Fremde argwöhnisch und ließ sie niemals aus den Augen. So vergingen die nächsten Tage, während sie mit den Halbelfen durch den Wald reisten, an verschiedenen Orten manchmal rasteten und dann an einem anderen Ort wieder aus dem Wald herauskamen. Sara erklärte Annemarie, dass die Halbelfen jemanden kannten, der ihnen sagen konnte, was mit Mutter war. Was war mit Mutter? Sara war doch nur neidisch, dass sie sie nicht auch sehen konnte, aber Mutter war auf jeden Fall bei ihr! Aber Sara sagte nie alles, das war das Schlimmste an ihr. Sie redete viel, wenn sie gut gelaunt war, nur die wichtigen Sachen behielt sie immer für sich! |
08.05.2014 08:04:03 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#76784) |
Varulfen | „Bis hierher können wir euch führen..“, sagte der Anführer-Spitzohr. „Den Rest des Weges müsst ihr alleine gehen. Doch bin ich sicher, dass dein Blut dir den Weg eröffnen wird.“ Er betrachtete Sara mit einem nachdenklichen Blick, der Annemarie irgendwie daran zweifeln ließ, dass er sich so sicher war, wie er sagte. Dann drehten die Halbelfen gemeinsam wieder ab und gingen in den Wald zurück. Nur ein wenig Proviant hatten sie ihnen gelassen. Die Sonne stand noch hoch am Himmel, Annemarie wusste, dass das bedeutete, dass sie heute noch weiter gehen würden. Nach einer kurzen Pause gingen sie dann los. Die Halbelfen waren alle wieder spurlos um Wald verschwunden und sie selbst wanderten eine Weile nah am Waldrand entlang. Bis sie an eine Stelle kamen, an der die Bäume wie ein großes Tor geformt waren und ein Pfad, gesäumt von alten, knorrigen Bäumen, tief in den Wald hinein führte. In diesen Pfad gingen sie hinein und betraten den Wald abermals. |
10.06.2014 08:55:02 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#77426) |
Varulfen | Zuerst war das Blätterdach nur dünn, die Sonne schien hell hindurch, Vögel zwitscherten, eine leichte, warme Briese wehte ihnen den Waldgeruch entgegen. Doch nachdem sie eine Stunde, vielleicht auch zwei (oder nur zehn Minuten, Annemarie schätzte die Zeit auf ihre ganz eigene Weise ein) gewandert waren, wurde das Blattwerk dichter. Das wenige Licht, das noch durch die Bäume drang, tauchte den Weg in ein merkwürdiges Zwielicht. Vogelgesänge wurde immer leiser, bis sie ganz verstummten und es regte sich kein Lüftchen mehr. Sie alle vier, Annemarie, Sara, Mutter und sogar das Pony, sahen sich immer öfter um. Jeder schien die unheimliche, fremdartige Stimmung zu spüren. Dann war vor ihnen ein rötlicher Schein. Mit einem Schritt waren sie hinaus aus dem Wald und sahen die Sonne, die sich grade goldrot hinter einem Hügel hinab senkte. Mit ihren letzten Strahlen für diesen Tag erhellte sie noch den sich vor ihnen schlängelnden Pfad zu einem Dorf, nahe dem Wald und spiegelten sich in dem flachen Wasser eines Sees daneben. So unheimlich es eben noch gewesen war, so idyllisch wirkte es hier. Ein gemeinsames, erleichtertes Ausatmen später machten sie sich daran, die letzten Schritte zum Dorf zu gehen. So, oder so ähnlich behielt Annemarie diesen Augenblick zumindest in Erinnerung. [spoiler]((Der letzte Post des Kapitels hatte noch gefehlt, nachdem ich eine Zeit ohne Internet war. Jetzt ist es vollständig. Fortsetzung folgt bald mit Katpitel 2 "Das Dorf der Träume"))[/spoiler] |
23.06.2014 11:46:22 | Aw: [Annemarie] Das Dorf der Träume (#77698) |
Varulfen | [b]Das Dorf der Träume[/b] Später war es seltsam für Anne, sich daran zu erinnern, wie es im Dorf gewesen war. Ja, sie hatte fast 15 Jahre dort verbracht, bis sie volljährig geworden war. Zumindest vermutete sie das. Und da fing die ganze Verwirrung ja auch schon an. Sie konnte sich hinterher nicht mehr erinnern, ob es einen Jahreszyklus gegeben hatte. Auch nicht, ob es in Aglarond überhaupt viele verschiedene Jahreszeiten gab. Zugegeben, als Halbinsel am Meer war das Wetter immer irgendwie mild gewesen, aber sie hatte auch das Spielen im Schnee in Erinnerung, doch ob es vor oder nach der Ankunft im Dorf gewesen war, das konnte sie nicht mehr sagen. Und damit ging es ja nur los. Wenn sie sich zu erinnern versuchte, dann hatte sie das Gefühl, dass so unglaublich viele sonderbare und wundervolle Ereignisse stattgefunden hatten, an die sie sich nicht mehr richtig erinnern konnte. Und auch das fing bei kleinen Dingen an, wie dem Geschmack des Weines, der dort um so vieles süßer gewesen war als sie ihn irgendwo sonst geschmeckt hatte. Und es endete noch nicht bei den berauschenden Festen, die ab und zu gefeiert wurden, bei denen immer so viel mehr Leute im Dorf gewesen zu sein schienen als sonst. Nur war selten ein Fremder dabei. An verschiedene Dinge und Ereignisse, gewöhnliche wie ungewöhnliche, erinnerte sich Anne aber doch… |
25.06.2014 12:46:13 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#77771) |
Varulfen | Es war ein warmer Sommertag gewesen, wie immer, wenn sie draußen spielen wollte. Irgendwie war sie sich dessen noch sicher, obwohl sie weder Sommer noch Winter dort jemals unterschieden oder gar erkannt hätte. Doch der Himmel war wolkenlos gewesen, die Sonne schien hell auf das grüne Laub der Bäume am Waldrand, eine erfrischende Briese wiegte das Gras auf den sanften Hügeln um das Dorf. Das Leben blühte und Anne war mittendrin. Sie folgt dem Gesang eines Vogels Richtung Wald. Sie erinnerte sich, dass sie damals noch ein kleines Mädchen gewesen sein musste. Und sie war von Zuhause weggelaufen, vorläufig. Natürlich war sie am Abend zurück gekehrt, müde, schmutzig und hungrig, aber für den Moment war sie fort, frei. Den Gesang des Vogels hatte sie zuvor noch nie gehört, das war es, was sie so sehr daran faszinierte. Sie brachte die ersten Baumreihen hinter sich, bevor sie einen kleinen Fels sah, auf den durch das Blätterdach ein Strahl hellen Lichtes schien. Und auf dem Fels saß eine junge Frau, in Blättern gekleidet, die den vermeintlichen Gesang des Vogels auf einer kleinen Holzflöte spielte. Vollkommen furchtlos war sie zu der Frau heran geschritten. „Meine Schwester bringt mir das Flöte spielen auch bei!“, hatte sie gesagt. |
27.06.2014 14:56:26 | Aw: [Annemarie] Das Dorf der Träume (#77804) |
Varulfen | Etwas, an das sie sich gerne erinnerte, waren ihre Spiele als Kind auf dem Dorfplatz. Hier hatte es keine Stände gegeben, so wie auf dem Markt im Dorf, wo sie früher gelebt hatte. Niemand musste etwas verkaufen, denn jeder teilte seine Dinge mit den anderen. Nicht alle Dinge natürlich, aber der Jäger brachte Fleisch, von dem alle essen konnten. Der Bauer hatte genug Getreide gesäht, dass es für jeden reichte und auch sonst schien es nie an etwas zu mangeln. Dass das so gewesen war, fiel ihr erst später auf, als sie noch einmal darüber nachdachte. Als kleines Kind hätte sie sich niemals um sowas gekümmert. Sie hatte nur eines im Kopf gehabt: Sie wollte Spaß haben. Ob sie den Großen hinterher lief und sie mit Fragen löcherte, wild umher rannte oder sich bei Abenddämmerung versteckte, dass Sara im ganzen Dorf nach ihr suchen musste, sie fand immer etwas, das sie zum Lachen brachte. Der Dorfplatz selbst war direkt in der Mitte angelegt, umgeben von je zwei kleinen Häusern an jeder der vier Seiten. Er war nicht befestigt, nur ausgetreten, wie alle Pfade, die durch das Dorf und herum führten. Die Häuser waren klein gewesen, Hütten fast, mit nur zwei oder drei Zimmern in jedem Bauwerk. Aus Holz waren sie gewesen, das schon uralt aussah, aber trotzdem so stabil war, dass sie nie etwas daran tun mussten. Und an manchen von ihnen kletterten Schlingpflanzen fast bis an das Dach herauf. So hatte sie es schon als kleines Kind gekannt. Sie konnte nicht sagen, ob sich auch nur irgendetwas daran geändert hatte, bis zu ihrem Abschied aus dem Dorf. Zeit schien hier keine große Rolle gespielt zu haben. |
13.07.2014 07:12:38 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#78111) |
Varulfen | Es war erst kurz nach ihrer Ankunft, dass Sara und Anne den alten Mann kennen lernten, den jeder nur „Der Weise“ nannte. Er war sowas wie der Dorfälteste, hatte Sara ihr erzählt. Kein Anführer, der etwas zu sagen hatte, denn die meisten Dinge ergaben sich hier von selbst. Vielmehr war er einfach das, was sein Name schon sagte, er war der Weise des Dorfes. Wann immer man einen Rat brauchte, einen Vorschlag hatte oder einem einfach der Sinn stand, seinen weisen Worten zu lauschen, konnte man zu ihm kommen und mit ihm sprechen. Der Weise nahm jeden mit in sein Haus und bot einen leckeren Tee und dazu getrocknete Früchte an. Als sie älter wurde, durfte sie auch manches Mal von dem Kraut rauchen, das praktisch pausenlos in seiner Pfeife brannte. Doch an ihm war noch mehr gewesen, als nur bloße Weisheit. Schon kurz nachdem Anne ihn kennen gelernt hatte, stellte sich heraus, dass er bald ihr Lehrmeister werden würde. „Du bist ein besonderes Kind, kleine Annemarie.“, hatte er zu ihr gesagt, als sie sich kennen lernten. „Du besitzt eine Gabe, die nicht jedem zu Eigen ist. Nein, sie ist sogar äußerst selten. Und grade weil du sie besitzt, darfst du sie nicht ignorieren. Mein Kind, ich will dir helfen deine Gabe zu erkennen und sie einzusetzen, dass sie nicht dir, noch anderen schaden mag. Dazu hat dich dein Weg in dieses Dorf geführt.“ |
01.02.2015 21:30:33 | Aw: [Annemarie] Irgendwo in meinem Geiste (#87882) |
-emptySoul- | Sehr förmlich wirkte dieses Schreiben und wurde auch direkt an Anne übergeben werden, wenn der Bote sie persönlich traf: [quote][center][b][u][size=4]Vorladung[/size][/u][/b] [u]Fall: Exorzismuss in der Heilstube zu Mirhaven[/u] Frau Annemarie Ashalley wird hiermit aufgefordert sich am xx.xx.xxxxTZ im Kasernengebäuderder Silberwache zu Mirhaven ein zu finden. [size=2]gez. Jocasta Freiin zu Rothenfels, Schreiberin der Stadt Mirhaven [/size] [b]im Auftrag von Rekrut der Silberwache Vale Warden [/b] [img size=100px]http://s14.directupload.net/images/141021/a353v9wa.gif[/img] [/center][/quote] ((Irgs, ich seh gerade, dass der Postkasten und das hier zwei verschiedene Links waren.. Kann das hier wer verschieben?! Sorry!)) |