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04.03.2013 15:25:53
Bauer wird Läufer - Von Waffenmeistern und Keksen (#68567)
Amari
[i][b]Fianchetto[/b] - Bei diesem flankierenden Manöver im Spiel der roten Ritterin, wird ein Läufer auf eine der großen Diagonalen entwickelt. Dadurch übt der Läufer starken Druck auf das Zentrum aus und bei freier Bahn wird er zu einer gewaltigen Macht, die auf den gegenüberliegenden Flügel gerichtet ist.[/i]

[center]*** - *** - *** - *** - *** - *** - *** - *** - ***[/center]

[b][i]"Deftig!"
"Eher versalzen!"
"Ob unser Koch verliebt ist?"[/i][/b]

Doch ungeachtet des folgenden Gelächters war es nicht der Koch Torstor, der für den deftigen Eintopf verantwortlich war - zumindest nicht ganz. Seit der Zeremonie der Winterwächter hatte der Koche von Winterrache noch eine Unterstützung; zumindest hin und wieder.

Isabelle nahm die [url=http://www.amdir.de/index.php?option=com_kunena&func=view&catid=29&id=68463&Itemid=128#68517]Bitte des Haushofmeisters[/url] ernst. Auch wenn sie durch ihre Arbeit als Stadtwache in Mirhaven stark eingespannt war, wollte sie sich nicht davon abbringen lassen, Winterrache in dieser schwierigen Zeit beizustehen.

[b][i]"In der Küche helfen? Ihr?"[/i][/b], das Lachen war nicht böse gemeint - zumindest dachte Isabelle das, als der Mann vor ihr sich den Bauch hielt.
[b][i]"Aye, ich!"
"Und wie wollt Ihr das machen? Den Kessel anbrüllen? Oder wollt Ihr nur an die Pfanne rankommen, um sie jemandem über den Schädel zu ziehen?"[/i][/b]
Isabelle schnaubte: [b][i]"Ich bin viel herumgekommen! Und um über die Runden zu kommen und ein Dach über dem Kopf zu haben, habe ich in den Tavernen oder Bäckereien hier und da ausgeholfen."[/i][/b]
[b][i]"Ihr wollt mir jetzt also ernsthaft weiß machen, dass Ihr in der Küche gestanden habt?"
"Ja, das will ich!"
"Aber meint Ihr nicht, dass Ihr auf den Zinnen besser aufgehoben seid? Ich meine: Eine Waffenmeisterin in der Küche?"[/i][/b]

Isabelle brummte. Damit hatte der Kerl wirklich einen Punkt. Aber es bedeutete ja nicht, dass sie nicht beim Wachdienst aushalf. Außerdem: Sie [i]wollte[/i] das! Nie würde sie es zugeben, genauso wie sie immer die Herkunft ihrer Kekse verschwieg oder leugnete - soweit das eben ging.

[b][i]"Ich werde auch auf den Zinnen patrouillieren. Die Waffenkammer werde ich mir auch als nächstes ansehen. Ich will mal sehen, ob die Waffen und Rüstungen dort noch in Ordnung sind."
"Aber übernehmt Euch nicht."
"Das passiert nicht so schnell!"
"Schneller als einem lieb ist, glaubt mir. Ich bin sicherlich nicht böse, wenn Ihr in der Küche helft. Ist schließlich gut gemeint. Mich wundert es nur."
"Ich werde Euch zeigen, dass Ihr Euch umsonst wundert!"[/i][/b]

So ganz unrecht hatte er sich jedoch nicht gewundert. Isabelle war alles andere als eine gute Köchin. Wo ihre Kekse mittlerweile durchaus essbar waren, so schnitt und schnibbelte sie zwar mit viel Engagement Salat, Karotten und andere Gemüse, aber da hatte sie wohl noch einen langen Weg vor sich.

[b][i]"Hört mir mal zu: Ihr dürft mir helfen. Ich will Euren Eifer nicht bremsen. Wer wäre ich in dieser Zeit? Aber: Zunächst helft Ihr mir nur beim Schnibbeln und kochen dürft Ihr nur bei Eintöpfen."[/i][/b]
Da konnte Isabelle schließlich am wenigsten falsch machen.
[b][i]"Also gut!"[/i][/b], Isabelle schnaufte missmutig. [b][i]"Und Kekse mache ich!"[/i][/b]
[b][i]"Kekse? Ähm ..."[/i][/b], es gab da so ein kleines Problem. [b][i]"Wir haben eine Küche, wir haben Feuerstellen, aber einen richtigen Backofen für Kekse? Wir sind hier auf Burg Winterrache. Kekse sind nicht gerade das, was wir uns hier oben gönnen. Wenn es mal etwas in der Richtung gibt, dann lassen wir etwas aus Mirhaven liefern."[/i][/b]
Isabelle brummte: [b][i]"Gut, dann werde ich mir das alles einmal anschauen und dann werde ich mich darum kümmern."[/i][/b]
[b][i]"Worum?"
"Die Kekse!"
"Aber, Mädchen, ich habe doch gesagt, wir haben keinen geeigneten Back..."
"Nennt mich nicht Mädchen! Und aye, ich weiß, was Ihr gesagt habt. Darum werde ich mich dann ja kümmern! Ich schaue mir das an. Jedenfalls habe ich nicht vor, dass die Winterwächter denken, dass es bergab geht, nur weil Sir Pakusch ausgezogen ist. Dagegen werde ich etwas unternehmen!"
"Mit ... Keksen ...?"[/i][/b]
Isabelle nickte fest: [b][i]"Unter anderem! Kekse sind gut für die Moral! Daher werde ich mit denen helfen!"
"Und womit noch?"
"Das werdet Ihr sehen!"[/i][/b]

So kam es, dass Isabelle mehr als genug zu tun hatte - Schnibbeln, Kochen, Patrouillieren und immer wieder die Rüstkammer inspizieren und eine Bestandsaufnahme machen. Sicherlich konnte sich auch Isabelle nicht teilen. Aber immer wieder, wenn sie keinen Wachdienst in Mirhaven hatte, reiste sie los, um dann in dieser Zeit auf der Burg zu unterstützen.

Isabelle war sich nicht zu schade, Hand an zu legen, wenn es etwas zu schleppen gab. Sir Pakusch sollte stolz auf sie sein! Er sollte im Nachhinein zufrieden über seine Entscheidung sein! Isabelle hatte fest entschlossen, dass sie sich des Vertrauens würdig erweisen würde - und wenn sich die junge Kriegerin etwas in ihren Dickschädel gesetzt hatte, dann war es nur schwer dort wieder herauszubekommen.

Viel hatte die junge Waffenmeisterin vor - fast schon zu viel. Doch davon ließ sie sich nicht einschüchtern. Erst würde sie schauen, was sie mit der Küche machen konnte. Keine Kekse? Pah! Sowas gab es doch nicht! Dann die Rüstkammer - da würde sie auch einmal groß angelegt alles in Ordnung bringen. Und als Nächstes?

Patrouillen? Wachgänge? Die Leuchtfeuer aus der Zinne und dem Dach kontrollieren? Vielleicht sogar eine Botschaft in Mirhaven oder eine Kutschenroute? Darüber machte sie sich noch keine Gedanken. Zunächst einmal die Aufgaben direkt vor ihr - alles Andere konnte später dann kommen. Ein Schritt nach dem anderen! Vielleicht würden sich auch Andere finden, denen sie ein paar der Aufgaben übergeben konnte.

Ah, das war eine gute Idee, die sich Isabelle sogleich in ihr Notizbüchlein kritzelte, das stets an ihrem Gürtel befestigt war. Genau, nächste Tafelrunde. Mal schauen, wer sich bei was fand, um zu helfen.

Die Frau Yien'daxx hatte recht: Das war es dann wohl mit dem Schachbauern. So ganz gefiel Isabelle diese Tatsache nicht - ein wenig aber schon. Es war für sie an der Zeit, ein wenig umzudenken. Sie war kein Bauer mehr. Rasch notierte sie sich noch in ihr Notizbüchlein, ein neues Siegel in Mirhaven herstellen zu lassen, sobald sie zurück war.

[b][i]"Also ich weiß nicht, was ihr habt: Mir schmeckt's!"
"Na, ich bin froh, dass Waffenmeisterin nicht all zu häufig kocht. Die ist doch echt besser auf den Zinnen und beim Wachdienst aufgehoben. Zum Glück konnte Torstor sie da ein wenig bremsen."
"Ja, finde ich auch."
"Ich sagte: Mir schmeckt's!"
"Uns aber nicht!"
"Was sucht die eigentlich immer wieder im Stall?"
"Keine Ahnung, ein Pferd hat sie jedenfalls nicht, wie mir scheint."
"Ich glaube aber, die tritt wie eines!"
"Aber jetzt wo du es sagst: Das würde den Geschmack des Eintopfes erklären."
"Wieso?"
"Na, Pferdefleisch meint er bestimmt."
"Edgar!"
"Nein, meinte ich nicht."
"Was dann?"
"Sei still und iss dein Pferdegulasch."[/i][/b]
02.04.2013 12:31:26
Aw: Bauer wird Läufer - Von Waffenmeistern und Keksen (#69168)
Amari
[i][b]Drohung[/b] - Eine Idee allein kann bereits Macht über die feindliche Armee verleihen und den Gegner zu Fehlern verleiten. Denn man sollte immer bedenken: Die Drohung ist häufig stärker als die Ausführung.[/i]

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[b][i]"Ist das Salz ausgegangen?"
"Wieso?"
"Ist so wenig drin in der Suppe. Das schmeckt schon fast ... normal."
"Normal? Unsinn! Das kann doch gar nicht sein!"
"Ich habe gehört, Rugar hat der Waffenmeisterin einen Tipp gegeben."
"Den Göttern sei Dank!"[/i][/b]

Viel gab es zu tun, daher waren die letzten Tage auf der Winterrache alles andere als langweilig für Isabelle. Dennoch genoss sie es, ein paar Tage länger hier zu sein. Sonst hatte sie ständig zwischen Winterrache und Mirhaven pendeln müssen. Für die Tafelrunde hatte sie sich aber die Zeit genommen, ihren Dienst bei der Stadtwache so gelegt, dass es passte, und entsprechend vorgearbeitet - das war auch gut so.

Es war ganz anders auf der Burg als in Winterrache. Es war weniger geschäftig, weniger laut, aber auch weniger warm. Doch immerhin regnete es hier nicht so häufig, auch wenn ihr das recht egal war. Isabelle hatte das Gefühl, dass sich hier alles normalisierte. Am Anfang hatte sie noch unangenehme Befürchtungen gehabt, als Sir Pakusch aufbrach. Doch jetzt? Rugar, Davek, Xynthia und natürlich sie selbst schienen gut aufgenommen worden zu sein - und mit nicht wenig Stolz fand Isabelle, dass das nicht zu unrecht war.

Doch während Isabelle durch die Waffenkammer blickte, seufzte sie leicht auf. Hoffentlich würde sich das bald ändern, wenn die neue Schmiede aufgebaut war. Dann konnte man den ganzen alten Krempel vielleicht einschmelzen und was Vernünftiges daraus bauen. Aber das da vor ihr? Das war vielleicht notdürftig für das kommende Manöver zu gebrauchen, aber mehr auch nicht.

Dieses Manöver lag Isabelle immer noch ein wenig schwer im Magen - und sie hatte kein gutes Gefühl dabei, dass die Zwerge auch dabei sein sollten. Aber gut: Sie hatte ihre Bedenken geäußert, wenn es Schwierigkeiten geben würde, war es nicht ihre Schuld - sie hatte gewarnt. Und wenn es reibungslos verläuft, soll es ihr nur auch recht sein.

Immerhin hatte Isabelle sich jetzt auch einen ungefähren Schlachtplan überlegt. Einfach nur Taktiken bereden? Nein, der Herr Davek hatte recht! Es musste was Greifbares her - Gefahr. Sicherlich nicht zu viel.

Isabelle wollte niemanden in ernsthafte Gefahr bringen. Das Leben auf der Burg war hart und das wusste eigentlich jeder, der hier oben war - und ein Riese schlug auch nicht weniger heftig zu, nur weil da ein noch unerfahrener Rekrut vor ihm stand. Das Leben war nun einmal nicht so zimperlich, wie sie es selbst gerne wäre. Aber sie waren nun einmal Winterwächter - und keine Sommersänger oder Frühlingsfreunde.

Etwas Handfestes - das brauchten sie. Etwas, wo es gar keine Diskussionen darüber gab, ob das nicht doch ganz arme und missverstandene Goblins wären - Goblins, diese Drecksviecher! Klar, missverstanden. Bei dem Gekreische und Gezetere? Schon klar. Kleine, dreckige, grüne Banditen waren das! Aber gut, Gedanken konzentrieren, Isabelle!

Skelette! Genau. Das war eindeutig. Untote. Das war ebenso eindeutig. Niemand mochte Wiedergänger. Das war ein gemeinsamer Feind, den alle haben konnten - Winterwächter, Stadtwache, Elfen und Zwerge. Das sollte genug Möglichkeiten bieten, auf dem Schlachtfeld sich kennenzulernen und das auch mit möglichst wenig Gefahr.

Soll Valvec doch sehen, dass es Schwierigkeiten auf Amdir bekommt! Genau das war auch ein netter Nebeneffekt des Manövers - einfach eine kleine Heerschau. Isabelle nickte brummig, während sie sich aufmachte, um weitere Vorbereitungen zu treffen. Denn es mussten noch einige Dinge erledigt werden, bevor sie überhaupt daran denken konnte, die endgültigen Planungen für das Manöver einzuleiten. Doch das würde nicht lange auf sich warten lassen.

[b][i]"Was soll das sein?"
"Ein Keks."
"Ja, aber was soll das sein?"
"Keine Ahnung, vielleicht eine Hand?"
"Sieht mir eher nach einem Dreizack aus."
"Ich glaube, eher ein Turm."
"Seit wann haben wir denn Kekse hier auf der Burg?"
"Nicht schwatzen! Essen! Die Kekse hier sind eine Besonderheit! Gibt es nur zu diesem Essen von der Waffenmeisterin! Aber vielleicht gibt es bald mehr! Wenn die Küche umgebaut wurde ..."[/i][/b]
16.09.2013 13:09:21
Läufer wird Springer (#72624)
Amari
[i][b]Aljechin-Verteidigung[/b] - Der Springer (auch das Pferd genannt) hat den gleichen Wert wie der Läufer. Während der Läufer jedoch auf eine Felderfarbe festgelegt ist, wechselt der Springer mit jedem Zug die Farbe und ist somit vielseitig einsetzbar. Die taktischen Möglichkeiten für Springer scheinen daher komplexer als bei Läufern.

In der Aljechin-Verteidigung beispielsweise springt das mutige Pferd vor die gegnerischen Bauern und provoziert sie vorzurücken, um Schwächen in der feindlichen Stellung zu erzeugen. Dennoch verlässt der Springer dadurch den Königsflügel, was zu gefährlichen Situationen führen kann.[/i]

[center]*** - *** - *** - *** - *** - *** - *** - *** - ***[/center]

[b][i]"Ich finde ja, Dante hätte sie ans Bett fesseln sollen!"
"Dann wäre wenigstens mehr Ruhe im Lazarett gewesen und nicht ständig dieses Gebrumme."
"Aber wir müssen trotzdem sie dann immer wieder zurück ins Zimmer zwingen!"
"Die wird schon sehen, was sie davon hat, wenn die Wunden nicht heilen."
"Dann dürfen wir uns am Ende noch mehr Gebrumme anhören?"[/i][/b]

Isabelle durfte wieder laufen - endlich! Mit Noemies Hilfe hatte sie einige Dinge bereits vom Krankenbett aus erledigen können. Doch jetzt, da sie auch selbst wieder herumwirbeln konnte, wenn auch eher humpelnd, und sie all die Sachen abarbeiten konnte, wurde ihr wieder bewusst, was überhaupt die letzten Zehntage passiert war. Ihr wurde klar, wo sie angekommen war.

Sie hatte diesen Moment fast verdrängt und doch war er so wichtig für sie. Doch sie musste sich entscheiden und daher hatte sie das wohl während all der Hektik vor sich hergeschoben. Es gab schließlich Dringenderes zu tun und sie konnte und durfte nicht nur an sich denken.

Den Stolz spürte Isabelle immer noch, als sie an den Moment zurückdachte; aber auch die Scham. Stolz, weil sie nie gedacht hatte, dass sie mal an diesem Ort stehen würde. Sie kam aus einfachen Verhältnissen. Sie hatte immer von Rittern und Questen geträumt! Sie wollte immer das Richtige machen. Scham kam jedoch hinzu, weil sie nie gedacht hatte, dass sie dort stehen würde.

Immer war sie diesen Weg entlang marschiert. Egal ob Regen, ob Schnee, ob Lava, ob Türen oder Mauern - sie hatte ein Ziel und ging mit ihrem Dickkopf sogar durch die sprichwörtlichen Wände. Eigentlich hätte sie auf dem Weg straucheln sollen; so hatte sie gedacht. Ein Armbrustbolzen in all den Schlachten hätte genügt und ihr ein kurzes, wenn auch lautes Leben beschert. Doch es war so nicht passiert.

Isabelle hatte dort gestanden inmitten der Tafelrunde, nachdem sie von Sir Pakusch aufgerufen worden war und sie wurde geehrt. Sie wurde kleiner, als Zeugen für ihre guten Taten aufstehen sollten und sich Ainslee und Pavor gemeldet hatten. Es fühlte sich nicht richtig an. Sie machte diese Dinge ja nicht, um eine Gegenleistung zu erhalten. Sie machte dies, weil es richtig war! Das war es doch, worum es ging! Sie wollte nicht gefeiert werden! Und dennoch wollte sie es - insgeheim. Denn es war ein schönes Gefühl.

Auf eine Quest sollte sie gehen für die Winterrache? Sie sollte sich ein Ziel stecken - ein hohes Ziel. War ihr bisheriges Ziel nicht sowieso schon hoch genug und auch außerhalb ihrer eigentlichen Reichweite gewesen? Jetzt war es aber in greifbare Nähe gerückt, also brauchte sie ein neues Ziel - noch höher, noch unerreichbarer. Sie sollte nach den Sternen greifen auf der Suche nach Licht - in sich und in Anderen.

Doch konnte sie das? Durfte sie das? Es gab so viele Pflichten, die sie hier hatte. Nicht nur auf der Winterrache fühlte sie sich unentbehrbar, auch in der Stadtwache in Mirhaven wurde sie gebraucht. Sie konnte und durfte all diese Leute nicht im Stich lassen. Und wofür? In einer selbstsüchtigen Quest, in der sie das Zentrum war? In der sie sich selbst finden sollte und etwas Gutes dort draußen?

Isabelle schnaufte, als sie mit Hilfe ihres Gehstocks auf dem Dach der Winterrache angekommen war und der eisige Wind ihr entgegenschlug, aber ebenso auch die Wärme des Leuchtfeuers vor ihr. Seitdem sie es damals entzündet hatten und sowohl Xynthia, als auch Davek als auch Isabelle in ihre neuen Posten gehoben wurden, hatte es gebrannt und war nie verloschen. Doch selten war sie hier oben seitdem gewesen, denn in diesem Moment hatten alle Pflichten und Aufgaben auch immens zugenommen und sie hatte aus den Augen verloren, dass es um mehr ging, als den Alltag auf der Burg.

Winterrache war nicht nur eine Burg, Winterrache war ein Bollwerk der Tugend, das in die Jahre gekommen war. Genau wie die Mauern der Burg, genau wie manches Holz war nicht mehr alles so fest und sicher, wie damals als die Burg erbaut wurde. Viele Ritter hatte die Burg seitdem gesehen und viel war von den Tugenden der Winterrache in Vergessenheit geraten. Da hatte Rugar recht gehabt und Isabelle wurde es klar, während sie in das Leuchtfeuer blickte.

Die Burg brauchte dieses Leuchtfeuer - sowohl das vor, als auch ein symbolisches. Die Burg brauchte wieder etwas, das leuchtet. Vielleicht war es gar nicht selbstsüchtig? Vielleicht war es einfach der Weg, der gegangen werden musste? Es war nicht nur eine Quest für sie - es war auch eine Quest für die Burg. Denn wenn Isabelle mehr zu sich finden würde, dann würde sie vielleicht auch diese Tugenden mehr entdecken und vielleicht konnte sie dann im übertragenen Sinne das Leuchtfeuer sein, das sie vor mittlerweile einigen Monaten entzündet hatten.

Hoffentlich würden in dieser Zeit nur keine Probleme auftreten. Denn wenn sie auf ihrer Quest war, auf der Suche, dann würde jemand fehlen hier auf der Winterrache - und auch in Mirhaven. Sicherlich würde sie immer wieder aushelfen, so es ihr möglich war, doch es ginge eben nicht wie sonst. Sie wäre dann nicht mehr verfügbar wie sonst. Aber wenn sie das alles überstehen würde, wenn ihre Quest erfolgreich wäre, wenn dieser kurze Moment der Schwäche überstanden war, dann könnte daraus neue Stärke entstehen.

Isabelle atmete tief durch und zog ihren Winterumhang enger um sich, als der Wind noch eisiger um sie wehte. Es waren kalte Zeiten, es waren schwere Zeiten. Es wurde Zeit für mehr Wärme - und mehr Licht.

[b][i]"Wie kann man eigentlich so stur sein und keine Rücksicht auf sich selbst nehmen?"
"Stolz. Ich denke, es ist stolz."
"Glaube ich nicht. Du kennst sie doch. Ja, sie ist schon stolz, aber ich glaube, sie macht das nicht, weil sie zu stolz ist."
"Warum dann?"
"Weil sie keine Rücksicht auf sich nimmt und denkt, dass Andere wichtiger sind - mehr wert wären."
"Damit bringt sie sich noch ins Grab."
"Hoffentlich nicht."[/i][/b]