17.02.2008 17:44:16 | Anekdoten des Slik Totendieb (#6808) |
Gekko | [b]Der Schwächling[/b] [i]Nimm das und friss, du Wurm![/i] Schallendes Gelächter ertönt aus dem einfachen Zelt am Rande der Schwertküste. Grulk, der stärkste der drei Orks wirft einem recht klein geratenen Mischling ein Stück Knochen zu, an dem noch die restlichen verkümmerten Überbleibsel eines einst saftigen Stücks Fleisch hängen. Flankiert von Slushnik und Kraagh, seinen beiden Brüdern, sitzt er auf einem Schemel, während er sich grunzend ein neues Stück Braten ins Maul schiebt. Slik, halb Mensch halb Ork, grapscht gierig nach dem Knochen und nagt die spärlichen Reste hungrig ab. Er war die Schande des kleinen Orkrudels: klein, längst nicht so kräftig wie die anderen, untalentiert im Umgang mit Waffen, ja nicht einmal mächtige Hauer hatte er vorzuweisen. Der einzige Grund, warum man ihn nicht längst getötet hatte, war die Tatsache, dass es einfach zuviel Spaß machte den Halbork zu quälen. Schnaps und Rum. Slik liebte das Gesöff. Eine ganze Ladung Fässer hatten die Götter dem Rudel geschenkt. Warum sonst hatten sie das flüssige Feuerwasser am Strand gefunden. Niemand würde die Fässer einfach so am Strand platzieren oder vom Schiff über Bord werfen. Heimlich hatte er sich ein Fass geschnappt und den Rum in Lederschläuche abgefüllt und vor den anderen versteckt. Jedesmal wenn sie ihn wieder gequält hatte, was eingentlich täglich vorkam, griff er nach dem Schlauch und ertränkte seinen Schmerz in Rum. So kam es, dass er mit der Zeit trunksüchtig wurde. |
17.02.2008 18:13:57 | Anekdoten des Slik Totendieb (#6811) |
Gekko | [b]Die Seuche[/b] Fäulnis und Verderbnis herrschten im Lager des Orkrudels. Vielleicht hätten sie sich nicht in der Nähe des Schlachtfeldes niederlassen sollen. Hunderte toter Körper, einheimische Menschen und ein kriegerisches Volk der Nordländer hatten sich gegenseitig abgeschlachtet. Dann war das Rudel gekommen. Und mit ihr die Gier nach den Habseligkeiten der Toten. Glitzernde Ringe, Goldmünzen, Rum, schwere Waffen. Es wurde geplündert nach Herzenslust. Niemand achtete auf das verwelkte Gras, die toten Bäume, die Stille. Und dann kam sie. Es begann damit, dass Grulk gen Abend einen Würgereiz bekam und sämtliche Essensreste seines Magens an die Wand aus Häuten in seinem Zelt verteilte. Seine Kräfte begannen rasch zu schwinden. Bald erwischte es die anderen. Der Schamane Vagrnak flehte Yurtrus um Gnade. Yurtrus, der Fürst der Maden, die weiße Hand. Doch Yurtrus erhörte sein Flehen nicht. Vielleicht hatte Vagrnak zu selten zu ihm gebetet, vielleicht hatte er ihn erzürnt. Yurtrus gehörte zu den ersten die an der Seuche starben. Doch was war mit Slik? Er, der schwächste, ihr Spielzeug, wieso starb er nicht? Wieso zeigte er nicht einmal das kleinste Anzeichen von Mattigkeit oder Übelkeit? Unbehagen breitete sich in dem Rudel aus. Und Slik? Er fing zum ersten Mal an über sein Schicksal nachzudenken und sah die Möglichkeit sein altes Leben hinter sich zu lassen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass seine Leber vom vielen Rum längst hätte zerfressen sein sollen, doch fühlte er sich nicht im mindesten krank. Auch die Seuche schien ihm nichts anhaben zu können. War Yurtrus sein Schicksal? Wollte die weiße Hand ihm eine Chance geben? Slik wusste es nicht, doch handelte er. Er handelte indem er wartete. Lächelnd beobachtete er, wie der Stamm starb, einer nach dem anderen. Als auch das Lebenslicht des letzten Orks erloschen war, schlenderte Slik zum Zelt des Schamanen und nahm sich das lederne Buch der weißen Hand. Es enthielt vielerlei Aufzeichnungen und wertvolle Informationen über Krankheiten und den Fürsten der Maden. Er würde lernen. Wenn die Zeit reif war, würde er die Fäulnis kontrollieren können. Er brachte Yurtrus ein Opfer dar, dann machte er sich auf zum nächsten Hafen. |
17.02.2008 18:48:05 | Anekdoten des Slik Totendieb (#6814) |
Gekko | [b]Die Ratte[/b] Seitdem er auf der "Sturmbrecher" angeheuert hatte mauserte er sich von einer Landratte zu einem waschechten Piraten. Anfangs hatte man ihm nur eine Keule in die Hand gedrückt und gesagt, er solle einfach zuhauen, wenn man es ihm befehle. Dafür gäbe es Verpflegung, eine Koje zum schlafen und von Zeit zu Zeit einen Beutel Gold. Das er von dem Gold bis heute nichts gesehen hatte, lag wahrscheinlich daran, dass er kein so guter Kämpfer war, den man respektierte. Zur Sommermitte kam die Wende. Die "Sturmbrecher" war mitten auf See, meilenweit vom nächsten Hafen entfernt. Die Lebensmittel wurden knapp, langsam aber sicher suchte sich die Verderbnis ihren Weg, um das Schiff einzunehmen. Wieder einmal wurde Slik mit der siechenden Krankheit konfrontiert. Doch diesmal war es anders. Gut, er stand in der Gunst der Piraten nicht besonders hoch, aber sie quälten ihn nicht und ließen ihn auch sonst in Ruhe. Es war eine Gemeinschaft und auf dem Schiff hatte jeder seine Aufgabe zu erfüllen. Jeder wurde gebraucht. Es war an der Zeit, die von Yurtrus verliehenen Kräfte einzusetzen. Der erste den Slik von der Geißel befreite war Komborin, ein illsukischer Krieger. Slik's Talent zu heilen und die Seuche zu besiegen wurde rasch erkannt. Und so bewahrte er das Schiff und seine Crew vor dem Untergang. Und dann war da noch die kleine Schiffsratte. Eigentlich eine ganz normale Ratte, doch wie einst Slik überlebte sie die Seuche ganz ohne Hilfe. Slik fand sie im Laderaum der "Sturmbrecher". Inmitten von einem Dutzend toter Rattensaß sie und knabberte an einem Stück Pökelfleisch. Der Anblick war absurd und erinnerte Slik an das große Schlachtfeld voller Toter, er mittendrin als einziger Überlebender. Nachdenklich begutachtete er die Ratte. Sie schien keinerlei Furcht vor ihm zu haben. Vielleicht stand sie unter Yurtrus Schutz? Wie sonst konnte sie die aggressive Krankheit überleben. Grübelnd ging er zurück an Deck und lehnte sie an die Reling, den Blick auf's weite Meer gerichtet. Eine ganze Weile stand er einfach nur da und schaute den Wellen zu. Als er sich wieder an seine Arbeit machen wollte fiel sein Blick zu seinen Füßen. Die kleine Ratte war ihm gefolgt und hockte kaum einen Meter neben ihm auf Deck. Slik streckte seine Hand aus. Die kleine Ratte huschte an seiner Hand den Arm hinauf und klammerte sich auf seiner Schulter fest. Ein Schmunzeln fiel über Sliks Gesicht, dann zuckte er mit den Schultern und ging seiner Arbeit nach. Als der Tag zuende ging und die Nacht hereinbrach, saß die kleine Schiffsratte noch immer da. Offenbar hatte Yurtrus Slik einen Gefährten gesandt. Nicht gerade das, was er sich vorgestellt hatte, aber der Fürst der Maden würde schon seine Gründe dafür haben. So wie immer. |