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05.09.2012 12:12:36
Die Tragik des (Ab-) Lebens (#62826)
dead Rabbit
Ein Ruf war es, der Lhoorn dazu brachte seine Schritte zu verlangsam und sich umzudrehen. [color=#0000bb][i]"Priester... Priester..!"[/i][/color] Eine Frau eilte rufend durch die kleine Gasse. Das harte Leben des Nordviertels hatte sie altern lassen, doch schien sie noch recht jung. Jedenfalls vermutete er dies. [color=#0000bb][i]"Ehrwürdiger Priester...",[/i][/color] ein wenig außer Atem hielt sie vor ihm an. [color=#0000bb][i]"[url=http://www.amdir.de/index.php?option=com_kunena&func=view&catid=14&id=62291&limit=6&limitstart=6&Itemid=128#62769]der Puppenmacher...[/url] neben dem Haus meiner Tante. Er ist.. er hat sich.."[/i][/color] Nach Worten suchend stammelte sie vor sich hin, ehe Lhoorn sich bereit erklärte ihr zu folgen.

Die Kate an die sie kamen war schon von außen in schlechter Verfassung: die alte Farbe blätterte von den Balken, die kleinen Fenster waren zugig und das Dach mit Sicherheit undicht. Eine kleine Traube Neugieriger hatte sich unweit der windschiefen Tür versammelt und trat respektvoll Beiseite als der Priester sich dem Eingang näherte.

Der Gestank im inneren war beißend. In den süßlichen Geruch der Leiche mischten sich der Gestank von altem Rauch, Unrat und Alkohol. Die beiden jungen Burschen, offensichtlich Fischer aus der Gegend, welche den armen Kerl von dem Deckenbalken schnitten schienen mehr als froh als sie den toten auf dem abgelegt hatten, was einmal sein Bett gewesen sein mochte.
Eine ältere Frau stand nahe des toten und nur mit Mühe unterdrückte sie ein leises Wimmern als der Priester hinzu trat.

[color=#0000bb][i]"Ehrwürdige Stimme Hoars, seid bedankt für euer kommen. Der arme... er war stets ein guter Kerl, doch hatte er es schwer in letzter Zeit."[/i][/color] Ein halb unterdrücktes Schniefen unterbrach sie. [color=#0000bb][i]"Ich will ihn begraben, das hat er verdient. Er war immer so freundlich, hat nur selten geklagt und nie etwas unrechtes getan",[/i][/color] mit leicht glänzenden Augen sah sie zu Lhoorn auf, [color=#0000bb][i]"würdet ihr ihm den letzten Segen erteilen? Auf das seine Seele den Frieden findet, den er schon im Leben verdiente?"[/i][/color]

Mit einem stillen Nicken gab er ihrer Bitte statt und trat an den toten heran. Drang bis eben noch leises Getuschel der Schaulustigen in das innere, wurde es jetzt still.
Lhoorns Blick glitt über den Leib des Mannes, über die schmutzigen Kleider, den Hals mit dem dunklen Mal des Strickes über das talgige, blasse Gesicht und das unordentliche, schüttere Haar.
Es war nicht der erste, dem er den letzten Segen mit auf den Weg ins Jenseits geben wollte, doch etwas lies ihn zögern. Das Galgenmal des Strickes... es sah anders aus als jene, welche er bei erhängten übeltätern gesehen hatte. Auch die dunkle Verfäbrung im Gesicht. War er vor seinem Tode gestürzt? War er in Ärger geraten, gar eine Schlägerei?

Sein Blick glitt zu der Frau, welche Abseits neben der umgestürzten Kiepe stand.
[color=#000000][i]"Verlasst die Kate, gute Frau, ich muss mich hier ein wenig umsehen."[/i][/color]

So sah er sich in dem kleinen Raum um. Betrachtete die halb ausgelaufene Flasche Rum, den schmutzigen Fußboden und schließlich wieder den toten. Wieder fiel ihm die Verfärbung um Mund und Nase auf.
Eine Kupfermünze legte er auf jeweils auf die geschlossenen Augen des Toten, dann streute er eine Prise Salz über ihn. Der [url=http://www.d20srd.org/srd/spells/gentleRepose.htm]Zauber[/url], welchen er dann sprach, war noch nicht der Segen, aber er würde den Körper vor dem weiteren Verfall schützen, ganz so als wäre er in Glas gehüllt von der Welt getrennt.
[color=#000000][i]"Gute Frau, schickt nach der Dame Seonaid, seid so gut."[/i][/color]
Er Hatte einen Verdacht, doch würde jemand dies sehen müssen, der sich besser auf den Körper verstand.
Während draußen das Mädchen, welches schon ihn rief, zum Tempel eilte machte er sich erneut daran die Kate zu untersuchen.

[i]Würde er mehr sehen als eine umgestürzte Kiepe und eine halbe Flasche Rum? Gab es irgenwelche Spuren?[/i]
05.09.2012 12:41:34
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#62828)
Grauherz
Vorsichtig und einen jeden den sie kannte und auch jene die sie nicht kannte freundlich grüßend, bewegte sie sich durch die Menge von Neugierigen vor der Kate des Puppenmachers. Er war eine vage Gestalt in ihrem Gedächtnis. Wann immer sie ihn gesehen hatte bei der Armenspeisung hatte sie Worte mit ihm gewechselt und einmal hatte er ihr sogar eine seiner Puppen geschenkt. Um so erschreckter und auch erstaunter wart sie gewesen als der Bote sie erreicht hatte und berichtete, das er Tod war und Lhoorn sie dorthin bat.
Schließlich trat sie in die Kate hinein, in der Tür innehaltend um erst ihren Blick schweifen zu lassen.

Die Unordnung.

Der Hocker am Boden.

Der Geruch nach Rum.

Der tote Puppenmacher.

Bedauern erwachte in ihrem Inneren und sie trat zu Lhoorn hinüber, welcher sich über den Toten beugte auf dem was einst das Bett des Puppenmachers gewesen war.

[i]"Selune zum Gruße, Lhoorn. Was ist hier geschehen?"[/i]

Stil lauschte sie den bisherigen Gedanken Lhoorns, welcher leise sprach damit seine Worte nur Ainslee erreichten. Sachte nickte sie schlussendlich, ihre Stirn gerunzelt und vorsichtig zog sie das Hemd des Toten hinauf.

[i]"Seht....blaue Flecken am Oberkörper. Recht waagerecht verlaufend über seinen Brustkorb."[/i]

Leise bat sie Lhoorn auch die Ärmel des Verstorbenen aufzurollen und sie seufzte wie sie jene blauen Flecken auch an den Oberarmen erblickte. Die Haut alter Leute bildete rasch jene Spuren, wenn man sie zu grob anfasste. Meist reichte schon ein zu fester Griff.
Still untersuchte sie weiter den Toten, während Lhoorn sich dem Raum zuwandte...
06.09.2012 12:49:41
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#62860)
Morna
Die blauen Flecken waren nicht sehr ausgeprägt, viel Kraft war wohl gar nicht nötig gewesen, war er doch ohnehin benommen. Seine Hemd roch auch nach diesen Tagen noch nach billigem Alkohol, doch musste man dazu inzwischen recht dicht herangehen.

In der Kate selber war nichts angefasst worden, nichts wurde durchwühlt oder fehlte etwa. Einzig Mäuse hatten sich in der Zwischenzeit ein Nest gebaut in den weichen Puppen, doch waren die wohl sicher auch vorher schon "Gäste" dort gewesen. Das einzig seltsame war, das die Tür nicht verschlossen, sondern nur angelehnt war. Der hölzerne Stift, der ansonsten die Tür des Nachts von innen verriegelte, baumelte an seiner Schnur am Holzrahmen.
06.09.2012 13:19:40
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#62863)
dead Rabbit
Gemeinsam mit der Priesterin untersuchte Lhoorn die kleine Kate des Puppenmachers sowie den Körper des verstorbenen selber.

Die Hinweise an der Leiche selbst waren spärlich, doch die Verfärbungen seiner Haut durch leichte Quetschungen zeigten den beiden das er vor seinem Ableben gröber angefasst worden sein musste. Besonders im Gesicht schien es als sei er mit einem groben Tuch sehr fest geknebelt worden, oder man hatte ihm eine Hand darauf gedrückt um einen Schrei zu dämmen....

Alles vage Theorien, doch ein Umstand schien ihm seinen Vorahnung zu bestätigen: die Tür. Und tausend Schwüren bestätigte die alte Frau, welchen den unglücklichen Gefunden hatte, das die Tür offen gewesen war und leicht zu öffnen. Außerdem war das Holz zum verriegeln unversehrt (und die gute hätte nie im Leben die Kraft gehabt die verschlossene Tür aufzureißen). So blieb nur ein Schluss übrig: wer immer die Kate zuletzt verlassen hatte, konnte sie von außen nicht mehr verschließen. Und der Puppenmacher war entweder bereits tot, oder nicht mehr in der Lage es selber zu tun.
Kurz dachte er über die Umstände nach, dann sah er zurück zu Ainslee.
[color=#000000][i]"Ich glaube wir sollten Rivan bescheid sagen. Vielleicht war alles eine Kette ungewöhnlicher Umstände, aber wissen sollte er es."[/i][/color]
07.09.2012 16:11:03
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#62912)
Elster
[i]Vielleicht war es ein Fehler.
Priester in der Wache...sie waren wie Magier,nur schlimmer.[/i]
Nur matt viel das Licht in die schäbige kleine Hütte, in der sich viel zu viele Menschen tummelten.
Die Gedanken dort oben stammten von einem der Menschen, der abseits schweigend an dem lehnte, was man nur mit viel guten Glauben Holzwand nennen können würde.
Das Schattenspiel des Zwielichtes ließ die Mimik des Korporals undurchsichtig werden.

Der Wechsel von Licht und Schatten wurde noch verstärkt durch den den Federhut, den er wie immer tief in der Stirn trug.
[i]Es war immer das Selbe, wenn man Amateure, Zivilisten, an der Büttelarbeit teilnehmen ließ.
Sie sahen überall Verbrechen. An sich war daran nichts falsch, dass wusste auch Rivan. Es gab überall Verbrechen. Aber bei Tymora, es waren selten die großen Verschwörungen oder geheimnissvolle und spektakuläre Morde, wie sie von schäbigen Groschenauthoren in ihren fleckigen Schmonzetten verbreitet wurden.
[/i]

Rivan verlagerte sein Gewicht von einem Bein aufs andere. Schweigend musterte er die Szenerie vor sich. Trauernde. Menschen, die sich ein Leben lang kannten. Die das Leben kannten und für die gerade in dieser elenden Gegend auch die gewaltsamen Enden nicht fremd waren. Fischer, Stauer...Männer und Frauen, die in ihrer Breite selbst einen großen Saal hätten füllen können. Für diese kleine Kammer reichten vier von ihnen aus, dass man sich kaum noch drehen konnte.

Wieviele aus dem Viertel draussen warteten, konnte er nur schätzen.
Aus Gesprächsfetzen hörte er heraus, dass der Tote keine Verwandten mehr hatte, doch viele kannten ihn. Hatten als Kinder selbst Spielzeug von ihm geschenkt bekommen.
Der Bastler hatte über dreckige Köpfe gewuschelt, war einer von ihnen gewesen.
Mehr als eine Generation der Mirhavener Docks hatte er mit seinen Puppen erfreut.
Viel zu schnell vergaß man doch, dass Mirhaven nicht viel mehr war, als ein besonders schlammiges und noch verwirrendes Dorf.
5000 Einwohner...nicht jeder kannte jeden, aber jeder kannte jemanden, der jeden kannte.

Klirren und Rufe alá: "Geht weiter, hier gibt es nichts zu sehen! Macht jaaa keinen Ärger!"
Sie kündeten davon, dass Rivans Kameraden alle Hände voll zu tun hatten.

Es wurde Zeit die Leute hier rauszuwerfen und sich die Sache anzusehen. Der Hoarit war wohl etwas, dass man gutmütig Freund nennen könnte.
Weniger gutmütig müsste man sagen, das Rivan ihm einiges schuldete.
Vieles sogar. Wahrscheinlich....alles.
Dennoch war der Korporal nicht ohne Zweifel, was diesen "Fall" betraf.

Selbstmord. Eine Sache, über die man nicht sprach. Wie oft hatte er schon erlebt, dass man es versuchte zu vertuschen, dass die Verwandten den Baumler fanden, abschnitten und zurecht machten. Man rief bei sowas nicht die Wache.
Ja, gerade die Alten taten es. Taten es wohl schon immer, weil sie aus falscher Fürsorge oder noch falscherem Stolz niemandem zur Last fallen wollten.
Und die Familie? Jene, die von dieser Tat den Nutzen tragen sollten?
Sie schämten sich. Vielleicht sogar zu recht.

"Na los, meine Fürsten. Bitte wartet draussen." Rivan sprach ruhig, hatte die Augen auf niemanden bestimmtes gerichtet.
"Ich brauch etwas Platz. Luft zum Atmen...bei Tymora."
Er beugte sich und zog den Dolch in der Form einer lechzenden Wolfszunge hervor, als sich die Leute langsam nach draussen drängten.
"Serge, bring mir ein paar Lampen...Die Priester können drin bleiben! Bitte...und einen Schnaps."Sprach er durch die offene Tür zu einem der draussen wartenden Wächter.

Diesen Teil der Arbeit hasste er wirklich. Rivan schlenderte zum Bett, hockte sich neben dem Leichnam. Nun,so dicht an dem ehemaligen Spielzeugmacher weiteten sich seine Augen überrascht, als er die Klinge anlegte.
08.09.2012 11:17:13
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#62937)
Elster
Romantisch gestimmte Geister könnten nun daran denken, dass Rivan bei dem Erscheinen seiner schönen Fürstin Mondenschein Erleichterung empfunden hätte.
Das sich sein Gesicht aufhellen würde und irgendwo in der Ferne die Melodie einer Harfe erklungen wäre.
Sein Gesicht erhellte sich tatsächlich. Ein kurzes Lächeln zeigte sich.
Es lag vor allem an den Öllampen, die die Dienerin Selunes und der Hoarit bei sich trugen.
Der Ort eines Selbstmordes war selten romantisch.

Die beiden Priester positionierten die Lampen wie gewünscht. Die erste baumelte in Kopfhöhe an einem Strick über dem Bett, dass nun als Bahre benutzt wurde, die zweite nahm der Korporal in die linke Hand.

Zu erst führte der Blick des geschulten Auges des Wächters auf die Füße des vor ihm liegenden. Sie glänzten hellrot von dem vielen Blut, dass sich gestaut hatte.
Als das Herz des Alten seinen Dienst versagte, hörte auch die Zirkulation des Lebenssaftes auf. Alles floß herab zu der tiefsten Stelle des Körpers. Man konnte erkennen, dass auch die Beine noch in diesem viel zu hellen Rot schimmerten.
Es passte zu diesem typischen Erhängen.

Mit dem Wolfsdolch flippte Rivan die Münzen von den Augen des toten Spielmachers. Ein kurzer Blick mit schmalen Lippen zum Hoariten, dann ließ er die Klinge unter eines der leblosen Lider gleiten, hob es an.
Ein regungsloses Auge blickte zu den Dreien empor.
Im milchigen weiß um das Rund der hellblauen Pupille herum war ein unregelmäßiger Kreis kleiner roter Punkte zu erkennen.
Jemand mit Ahnung hätte dieses Phänomen Petechien genannt. Kleine, nicht einmal nadelkopfgroße Punktblutungen. Ein Zeichen von großer Anstrengung des Körpers.
Egal, wie betrunken, wie wehrlos man war, sie erschienen immer in einer ganz besonderen Art des Todeskampfes.
Sie waren ein deutliches Anzeichen dafür, dass das Opfer erstickte.
[i]"Das...sollte nicht so sein. Ihr seht die roten Pünktlein?"[/i] Es war eine rethorische Frage, die der Korporal mit einem kurzen Blick über die Schulter stellte. Mit nur wenigen Worten erläuterte er ihnen dennoch die Feststellung.

Das Auge starrte weiter tot empor, das Lid schnellte nicht zurück, als Rivan die Klinge abzog.
Nun glitt sie behutsamm zwischen die Lippen, die matt unterlegt waren von dem bläulichen Stauungsblutungen unter der dünnen, hellen Haut des Spielzeugmachers.
[i]"Komm...etwas näher, schönste Fürstin Mondenschein."[/i]
Rivan reichte seiner Frau die Lampe.
[i]Erstaunlich, wie sie sich schlägt[/i], ging es ihm durch den Kopf.
Der Umgang mit toten, mit Alten...er hatte ihm nie Gefallen, auch wenn ihm Berührungsängste fremd waren. Und das obwohl der Tod und seine Begleiterscheinungen ein alter Bekannter waren. Sie dutzten sich sogar bei Gelegenheit.

Mit zwei Fingern strich er durch die Mundhöhle des Toten. Eine eklige Angelegenheit, selbst wenn die betreffende Person noch gelebt hätte.
Zähne waren nur in Ansätzen von gelblich-schwarzen Stummeln noch vorhanden.
Die Zunge, die er für einen Moment hervorzog war wie der Schatten auf dem Gesicht des Opfers bläulich, wies sogar eine unnatürliche Schwellung auf. Gespickt war sie wieder mit den lustigen roten Nadelköpfen.

Rivan zog die Finger hervor. Schaumige, hellrote Flüssigkeit hatte sich um sie gelegt.
Blut, hervorgewürgt aus den geplatzten Lungenbläschen als sie vergeblich um Atem bettelten.
Er zeigte es Ainslee und Lhoorn, wischte sie dann ohne viel Federlesen an der Kleidung des Toten ab.

Dicht schob er seine markante Nase an den Leichenmund, schnupperte.
Er bereute es sofort, verzog aber keine Mine. Zähneputzen gehörte nicht zu den alltäglichen Pflichten des Spielzeugmachers.
Saufen allerdings ebenso wenig, wenn seine Nase ihn nicht täuschte.
Der Geruch nach Schnaps, für den Korporal so vertraut wie der von Zahnpasta, war im Mundraum so gut wie gar nicht vorhanden.
"Lhoorn....verdammt, ich glaube, Du hattest recht."

Neugier und Tatendrang hatten den Silberwächter gepackt.
Diese Art des Erstickens passte nicht zum Erhängen am Strick.
Das Erdrosseln war eine saubere Angelegenheit, wenn man von den geruchsintensiven Umständen absah, die sich mit gewissen Muskelkontraktionen ergaben von denen der Korporal keine Ahnung hatte.
Er wusste nur das es stank. Und das hier stank zum Himmel.

Rivans nackte Hand glitt unter den Leib des Toten, fuhr den Rücken hinauf bis zum Hals.
Die narbigen Finger betasteten die Rückenwirbel.
Die Stirn in Falten, die Zunge auf den Ansätzen des Oberlippenbardes und das ganze umspielt von einer Prise Ekel, machte er kein allzu schlaues Gesicht dabei.
Es wurde um einiges schlauer, als die Finger fanden, was sie suchten.
Unter der pergamentartigen, vom Strang aufgerissenen Haut, erfüllte er den gebrochenen Wirbel.

Ein kurzer Blick in den Raum.
Schemel.
Balken.
Strick.
Dann zu dem Toten, unter dem noch immer seine Hand lag.
Alte Menschen hatten schwache Knochen. Keine neuzeitliche Erkenntnis.
Aber der Spielzeugmacher hätte sehr hoch springen müssen, damit in dieser kleinen Kate, von diesem Schemel sein Genick brach.
Die einzige andere Möglichkeit war, dass jemand an seinem Körper zog, während er am Strick baumelte.
Kräftig zog, bei Tymora.

Der Bruch des Halswirbels war der letzte Hinweis, den der Silberwächter brauchte.
Er erhob sich und ließ den Wolfsdolch wieder im Schaft seines Stiefels verschwinden.
[i]"Da hat sich jemand sehr viel Mühe gegeben, schöne Fürstin Mondenschein, Meister Advokat."[/i]
Mit der Linken strich er sich über das Gesicht, ließ die Finger über den Augen ruhen.
[i]
"Aber nicht genug...es passt vorne und hinten nicht.
Der arme Wicht ist erstickt...ein Tod, den man seinem ärgsten Feind kaum wünscht, verdammt. Es dauert Ewigkeiten...oder auch nur zwei Minuten, bis man das Bewusstsein verliert und das Schlimmste damit vorbei ist. Zeit ist in so einem Fall wohl eine ziemlich persönliche Angelegenheit."[/i]

Ein blinder Deut in den Raum hinein zu Balken und Schemel. Langsam schüttelte Rivan den Kopf.
[i]"Erhängen schnürrt die dicken Adern im Hals ab. Es geht viel schneller, der Körper hat nicht die Zeit, sich groß zu wehren. Du blinzelst zweimal, dann ist es vorbei. Und bei diesem, bei Tymora, ist auch noch das Genick gebrochen. Wäre das vorher passiert, er hätte einfach keine Gelegenheit gehabt, zu ersticken."[/i]

Der Korporal blinzelt zwischen den Fingern zu den beiden Priestern und presste die Lippen zusammen.
[i]"Ich sage es gern, aber hätte man nicht versucht, dass so zu vertuschen...wäre ich von einem Unfall oder dem Alter ausgegangen. Jetzt ist es eindeutig. Es war Mord."[/i]

Die letzten Worte klangen weit weniger dramatisch, als man es denken würde. Es war mehr ein resignierendes Schnaufen, denn nun begann die wirkliche Arbeit erst.
Und viel hatte man nicht in der Hand.
[i]"Ich brauche ein Bad...und ein Bier. Wir müssen uns umhören, ob irgendwer etwas gegen den guten Mann hatte. Tymora, ich kann es mir kaum vorstellen. Ansonsten sollten wir zusammenfassen, was wir haben."[/i]
09.09.2012 09:34:05
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#62988)
Grauherz
Bedacht nickte Ainslee zu Rivans Worten, wie sie ebenso am Bett stehend beobachtete was er tat und wie er vorging. Als Korporal und langes Mitglied der Wache hatte er vermutlich schon mehr Tote gesehen und untersucht als sie. Ihre Aufgabe im Lazarett war es ja auch ihre Patienten am Leben zu erhalten, wenn es auch durchaus vorkam das einer es nicht schaffte. Aber dort wußte man dann woran er gestorben war und es mußte nichts untersucht werden.
Sie unterdrückte ein Seufzen und lehnte sich leicht nach vorne wie Rivan ihr die Mundhöhle des Toten zeigte und die blutige Flüssigkeit auf seinen Fingern. Sie unterdrückte ihre Bewunderung rasch.

Was es alles gab um zu sehen wie jemand gestorben war...

Wenn man nur den Handabdruck auf dem Gesicht des Toten besser erkennen könnte. Einfach nur um zu sehen wie groß die Hand war, die sich auf Mund und Nase gedrückt hatte.

Vielleicht...
Sie warf einen Blick auf die schweigsame Gestalt des Hoarpriesters neben sich. Er hatte einen Zauber auf den Toten gewirkt, damit nichts weiter mit dem Körper geschah, was Beweise vernichten könnte. Vielleicht hatte er dadurch aber auch verhindert das sich der blaue Fleck im Gesicht des Toten weiter ausformen konnte.

Ihr Selune Amulett in die Rechte nehmend führte sie eine Hand über den toten Körper des Puppenmachers und löste den Zauber, der die Zeit stehen bleiben ließ. Eigentlich müßte nun der Handabdruck im Gesicht deutlicher werden, wenn das restliche Blut nach unten sackte, der Schwerkraft folgend. Und nur das bereits getrocknete Blut, was ein blauer Fleck ja vermutlich war, würde bleiben und die Blässe im Gesicht würde es deutlicher zu Tage treten lassen...
12.09.2012 11:08:26
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#63064)
dead Rabbit
Auch der Hoarit hatte sich nachdem er den Raum untersucht hatte wieder Leiche und Rivans untersuchungen an jeder verfolgt. [i][color=#000000]"Natürlich hatte ich recht. Ich fummel zwar weniger an toten rum als du, aber dafür habe ich meine priesterliche Intuition auf meiner Seite."[/color][/i]

Ein wenig verwundert sah er dann Ainslee an als diese die "sanfte Ruhe" von dem Leichnam löste, warum sie den Körper nun wieder dem Verfall preisgab war ihm im ersten Moment unklar, im zweiten sah er die langsame Veränderung der Flecken im Gesicht und es ging ihm ein kleines Licht auf. [i][color=#000000]"Meine Güte, täusch ich mich oder muss derjenige der ihm Mund und Nase zu hielt eine regelrechte Pranke von einer Hand besitzen?"

"Rivan, ich glaube du kannst deinen Leuten sagen sie sollen rumfragen ob jemand einen Hühnen an oder in der Kate sah."[/color][/i], wandte er sich wieder an den Wächter. [i][color=#000000]"Sollten niemand etwas sagen können, wäre es noch einen Versuch wert sein den toten selbst zu befragen...[/color][/i]
12.09.2012 14:22:13
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#63071)
Morna
Und so nahm es wunder, was die Ermittlungen zutage brachten. [url=http://http://amdir.de/index.php?option=com_kunena&func=view&catid=14&id=62291&limit=6&limitstart=6&Itemid=128]Fliegen[/url]umschwirrten den Toten ja schon, als man ihn fand. Was bedeutete, dass schon einige Tage vergangen waren. Ob man doch etwas riechen konnte, ausser dem Beginn der Verwesung? Schon gar aus dem Munde? Ob da, wo die Fliegen schon ihre Eier legten, noch frisches Lungenblut zu finden war? ob man da, wo die Leichenstarre sich sogar schon wieder zu lösen begann, und die ohnehin dreckige Haut wächsern wirkte, überhaupt eine Hand erkennen konnte? Oder gar hellrotes Blut? Oder spielte da das schummrige Licht in der Kate und vor allem die Fantasie der Betrachter eine zu grosse Rolle? VIel Druck ist nicht ausgeübt worden, denn der Körper war ja benommen. Einzig des gebrochene Genick war wohl wirklich körperlich nachweisbar.
12.09.2012 14:38:18
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#63072)
Elster
Im halbdunkel strich die blutverschmierte Hand des Korporals über die leblosen Augen des Leichnams. Die Lider des Spielzeugmachers schloßen sich und dieses Mal wohl für immer.
Langsam schüttelte der Korporal den Kopf, seine Augen waren auch nicht mehr die besten.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse waren ebenso relativ in einer Welt von Feuerbällen, Drachen und gnomischen Wunderkugelschreibern.

"Wir packen ihn ein und bringen ihn in die Kaserne, wenn Ihr hier fertig seid."

Rivan blickte zu seiner Gefährtin und dem Hoariten neben sich.

"Ich denke...Ihr solltet ihm ein anständiges Begräbnis ermöglichen."

Als wäre es eine Bestätigung der Götter drangen die Geräusche der Schaulustigen und Nachbarn heran.

"Auch wenn er allein starb...so soll er die letzte Reise nicht allein beginnen.
Was die Gerechtigkeit betrifft..." langsam schüttelt er den Kopf und rieb sich über das Kinn.
"...ich weise meine Leute an, sich umzuhören...aber wenn Ihr den Leichnam nicht selbst zum reden bringt...sehe ich bei Tymora...keine große Chance."

Die letzten Worte hingen lang, trocken und entmutigend im Raum.
19.09.2012 11:06:30
Aw: Die Tragik des (Ab-) Lebens (#63311)
dead Rabbit
[b]Der letzte Gang[/b]

So kam es schließlich das zwei der Wächter die Trage mit dem Leichnahm des Puppenmachers zum Friedhof trugen und dort bei ihr Wachten.
Doch nicht lange standen sie dort allein, denn nur wenig später sammelten sich die ersten Nachbarn und Bekannten des alten, ein kleines Mädchen hatte gar ihre Puppe auf die Decke gelegt, welche den Körper verhüllte.
Das stille Tuscheln, Raunen und Schniefen verstummte als Lhoorn hinzu trat. Seine Rüstung hatte er hierfür abgelegt und trug stattdessen eine schlichte schwarze Robe, mit silbergrauen Stickereien Hoars. In der Hand hielt er einen kleinen Beutel, welchen er neben dem Toten ablegte und den beiden Wachen zunickte, welche daraufhin zurück traten.
Seine Rede war kurz und zurückhaltend. Auch wenn in den Gassen längst davon gesprochen wurde das beim Ableben des alten Mannes nicht alles seinen eigenen Weg ging, zu wenig wusste man über den oder die Täter und so verzichtete er entgegen seiner Gewohnheit darauf jemanden aufzuscheuchen.
Er wusste um die Wirkung der Worte und was sie anrichten konnten.

Kurz wurde es ruhig, nachdem er geendet hatte. Eine Ruhe die nur von dem einen oder anderen halb unterdrückten Schluchzen unterbrochen wurde. Lhoorn kniete sich neben die Leichte und zog die grobe Decke ein Stück zurück. Je eine Silbermünze legte er dem Toten auf die Augenlider, tröpfelte ihm etwas Weihwasser auf die Stirn und verstrich es zu einer unsichtbaren Rune. Dann zog er die Decke zurück über den Kopf und erhob sich.

Wie auf ein unsichtbares Zeichen hin traten zwei Messdiener des Kelemvorschreins heran und trugen den Puppenmacher ins Beinhaus. Dort sollte er seine letzte, ungestörte Ruhe finden.