29.03.2012 09:40:06 | Der Weg (#58276) |
Morna | Philomena ging hinauf in die Bibliothek der Verbotenen Schulen. Inmitten des Raumes dort atmete sie förmlich die uralten Geschichten, spürte die Magie um sich herum mit allen Sinnen. Wissen. Jahrhunderte alt. Die Lehren vom Formen des Gewebes. Ihre Blicke zogen über die vielen abgegriffenen Buchrücken. Folianten, die ihr Freunde wurden und sind. Und es bleiben werden. Sie wusste, dass die Änderung einschneidend würde. Würde sie scheitern, wäre ihr diese Welt, die sie kannte, für immer verschlossen. Viele Welten für immer verschlossen. Kein klarer Geist mehr. Ein paar Minuten - sie hatte längst kein Zeitgefühl mehr - vergingen, ehe ein entschlossener Ruck durch sie ging. Und Philomena strebte der Treppe zu, die sie hinab führte. In den Raum des Altars. |
29.03.2012 11:17:18 | Aw: Der Weg (#58282) |
Morna | Die Akolythen dort kannten die Laienhelferin, die sich so häufig dort aufhielt. Doch heute würde sie keinen Dienst tun. Heute würde sie beten. Und so schritt Philomena vor das Symbols Shars, verharrte davor und neigte sich schliesslich in Demut. Die Göttin brauchte keine laut gesprochenen Worte, zog sie doch selber die Stille vor. Aber das stumme Gebet war eindringlich und intensiv. Sie verharrte noch eine Weile, als warte sie auf Antwort.... die aber nicht kam. |
29.03.2012 14:48:20 | Aw: Der Weg (#58292) |
Morna | Das Gewebe - greifbar gemacht durch Mystra. Oder nicht? Die Helle Seite - die dunkle Seite? Das Gewebe, ein Netz, aber... was ist dazwischen? Philomena ging auf und ab, sie fand keine Ruhe, sie zermarterte sich den Kopf. Ein Netz besteht aus dem, was man sieht, und was man nicht sieht, aus Fäden und Löchern. Sonst wäre es kein Netz. Wieder einmal griff sie zu dem alten Folianten, benetzte ihre Fingerkuppe und blätterte, suchte, bis sie fand: die erste Inkarnation - das Gewebe der Magie. Sie versenkte sich vollends in den Text, vergass alles um sich her: Sie hatte es hundertfach gelesen, aber erst jetzt begann sie zu verstehen: Die Zwillingsgöttinnen im Kampf, der Verlust göttlicher Essenz, das Entstehen des Gewebes. Mystril. |
29.03.2012 17:26:08 | Aw: Der Weg (#58297) |
Morna | Ihr Kopf ist auf das Buch gesunken, Schlaf hat sie nach stundenlangem Lesen der immer wiedergleichen Seiten übermannt und gönnt ihrem Geist die nötige Ruhe, die er braucht, um zu erstarken. Oder doch nicht? Sie träumt.... [quote].... träumt davon, wie die Löcher im Netz zu leben beginnen, wabern, tiefdunkel und quellend, die hellen dünnen Fäden des Netzes verdrängen, sie an manchen Stellen zum Reißen bringen. Das ganze Gefüge ist greifbar, so greifbar nahe, die Löcher, die so schwarz sind, das sie Schatten gleichen. Schatten, die zum Leben erweckt werden. Wenige Fäden des Gewebes leisten noch Widerstand, bis zum Reißen gespannt. Sie sieht sich selber die Hand ausstrecken, es muss ihre sein: so weiß und schmal, doch greift sie ins Leere, das, was einmal ein Netz war fällt in sich zusammen. Und sie hört eine Stimme in ihrem Kopf, die Stimme einer Frau, die verlockend und fordernd zugleich klang: Brich mit ihr![/quote] Sie schreckte hoch. Im ersten Moment wusste sie nicht einmal, wo sie war. Erst als sie sich aufrichtete, das Buch vor sich sah und die mittlerweile erloschene Kerze fiel es ihr ein. Und sie glaubte zu wissen, was erwartet wurde. |
30.03.2012 07:25:22 | Aw: Der Weg (#58302) |
Morna | Sie nahm ein neues, unbenutztes Pergament und tauchte die Feder in Tinte. Wie oft hatte sie diese Formel gesprochen und geschrieben. Und doch war es noch nie so bedeutsam wie heute. In die Mitte der Rolle schrieb sie den Spruch zum Wirken von Licht. Sie unterzeichnete mit ihrer Rune, die ihre Rollen und Sprüche und Zauber unverwechselbar macht. Und dann sprach sie die Formel und zerrieb dabei ein Flöckchen phosphorizierendes Moos zwischen den Fingern. Sofort wurde das Blatt in sanftschimmerndes, bläuliches Licht gehüllt - und sie wickelte das Pergament zu einer Rolle auf, die sie siegelte. Und machte sich auf den Weg. Dieses Mal führte ihr Weg nicht in den Tempel, sondern hinaus. Der Eingang einer versteckten Höhle war ihr Ziel, dort, wo das Sonnenlicht nicht hinkam und es selbst am Tage dunkel und kühl war. |
31.03.2012 19:48:09 | Aw: Der Weg (#58389) |
Morna | Nein, diese Höhle war nicht richtig. Zuviel Licht drang herein, wo doch Dunkelheit herrschen sollte. Sie war enttäuscht, aber es musste perfekt sein, und das war es hier nicht. So ging sie unverrichteter Dinge zurück. Es gab einen Ort absoluter Finsternis. Dort, wo noch niemals ein winziger Funke der Sonne hingefallen war, wo auch keine Fackel das Auge reizt. Er hatte ihr davon erzählt. Eine lange Reise voller Gefahren – aber der Drachenbarde würde sie führen. Wie er es so oft tat. Und sie traten den langen Weg an. Sie waren vorbereitet. Und Philomena war sogar vorbereitet, niemals wieder zurückzukehren. Ein abgeschiedenes Ende eines Ganges sollte der Ort sein. Angekommen nach einer Zeit, die nicht gemessen werden konnte, holte sie die mattleuchtende Rolle aus dem Lederbeutel heraus - sogar dieses Licht war hier unten eine Störung – und legte sie vor sich auf den Boden. Sie kniete sich davor, sammelte ihre Sinne: es war still. Nur ab und zu das Geräusch eines fallenden Tropfens, der in der Stille unnatürlich laut war. Ihr Herzschlag, und das Rauschen des Blutes in ihren Ohren. Der Atem von Kent, der irgendwo hinter ihr stand, sie ihrer Prüfung überlies und dessen Blicke sie auf sich spürte als wäre es taghell. Sie sah ihn nicht, aber sie wusste, er war da. Und sie wusste, er würde ihrer Bitte nachkommen und sie zurücklassen hier unten, wenn sie scheiterte. Wenn ihr Geist wahnsinnig wurde, hätte ein Leben keinen Sinn mehr. Und so betete sie lautlos. Lange. Lies die Göttin in ihr Herz sehen und ihre Seele. Und sie bat. Und sie bot an. Zwei Finger legten sich auf , die sich auf die Rolle legten. Eine kleine Geste, die so bedeutungsvoll war. Alles stand auf der Kippe: [quote]„Möge das Licht vergehen“ sagte sie mit rauher, aber fester Stimme. „Ich breche den Bund – Mystra. Das Netz aus Licht soll nicht mehr das meine sein.“[/quote] Ein Keuchen entrang sich ihr, ihre Finger zuckten zurück: Schmerz, unsäglicher Schmerz in ihrem Kopf, der sich steigerte, in dem Maße, wie das Licht der Rolle schwand. Es fühlte sich an, als würde sich etwas aus ihr zurückziehen – und etwas anderes Einzug halten. Es war dunkel, und sie drohte auf den harten Fels aufzuschlagen, wenn, ja, wenn nicht Kent zu ihrer Seite gewesen wäre und sie aufgefangen hätte. Er hielt sie einfach, bis der Schmerz nachließ. Sie weiß nicht, wie lange er sie hielt, wieviel Zeit verging. Aber irgendwann versuchte sie, die ersten Gedanken zu denken. Denken. Sie war Philomena. Sie hatte entsagt. Sie hatte gewonnen. Und so versuchte sie den ersten Zugriff auf das Gewebe, das ihr bis dahin verschlossen war. Und es gelang. |