04.09.2008 15:03:06 | Glück in den Schatten (#15793) |
Grauherz | Leise klingelte das Glöckchen als Melui es behutsam aus ihren Haaren nahm und es zu den anderen in die kleine Schachtel legte. Das Silber schimmerte dabei leicht im Licht der Kerze, die einsam auf dem Tisch stand und alleine die Dunkelheit in einer kleinen Insel um sie herum fernhielt. Dahinter wartete weich und still die Schwärze der Schatten - in welche sie alsbald eintauchen würde um ihren Weg durch die schlafenden Strassen der kleinen Stadt zu führen, in welcher die Gruppe ihres Vaters halt gemacht hatte. Heute würde es mit ihre Aufgabe sein Informationen zu sammeln - das letzte Mal. Ein genervter Seufzer entwich ihren Lippen und sie erhob sich von dem einfachen Schemel um ihr dunkles Oberteil aufzunehmen vom ebenso schmalen Bett daneben. Das Leben in einem Gauklerwagen war eng, doch sie kannte es nicht anders und die meiste Zeit verbrachte sie sowieso außerhalb an der frischen Luft. Und deshalb würde sie dies vermissen. Wieso mußte gerade sie auf diese kleine Insel reisen...Amdir. Sie war sicher das es dort nicht viel geben mochte was interessant war. Andererseits....genau konnte sie es nicht wissen. Ihre Hand hielt über dem Oberteil inne und schwenkte mit einem taldenden Laut zu der schimmernden Münze daneben, halb verdeckt vom schwarzen Stoff. Beinahe hätte sie ihren Glücksbringer vergessen. Warm fühlte sich das goldene Metall an ihren Fingern an als sie die Münze aufnahm und sie spürte ein Lächeln auf ihre Lippen gleiten sobald ihre Augen auf die Prägung fielen. Eine lächelnde Dame schien ihren Blick zu erwidern, kunstvoll in das Gold geritzt. "Sei mit mir heute Nacht," wisperte sie und hob die Münze an ihre Lippen um ihr einen Kuss zu geben. "Glück in den Schatten." Rasch verstaute sie die Münze danach nahe an ihrer Haut und zog sich das Oberteil über, und in einer leichten Bewegung beugte sie sich sodann vor und blies das Licht der Kerze behutsam aus, so das sich Dunkelheit über den Wagen senkte. |
06.09.2008 13:25:32 | Aw: Glück in den Schatten (#15870) |
Grauherz | Kühl wehte ihr der Wind ins Gesicht und eher abwesend hob sie eine Hand um sich die Kapuze tiefer ins Gesicht zu ziehen, während ihr Blick auf den grauen Wellen lag durch welche das Schiff in schneller Fahrt pflügte. Das Festland war bereits einige Stunde außer Sicht nun, doch sie verharrte noch immer an der Reling als könnte sie den letzten Anblick des schmalen Landstreifens am Horizont noch erblicken. Ihr Herz schmerzte hin und wieder bei dem Gedanken an ihre Heimat-doch wann immer dies geschah runzelte sie leicht die Stirn und fragte sich ob es wirklich ihre Heimat war. Sie war nie wirklich an einem bestimmten Ort lange gewesen. Immer waren sie umher gereist. Und dann wußte sie immer - ihre Heimat war das ganze Land und die bunt bemalten Wagen ihrer Gruppe, keine Stadt, kein Dorf. Sie atmete tief die Meeresluft ein und das Salz auf ihrer Zunge schmeckend wandte sie sich langsam herum und sah über das Schiff hinweg hin zur anderen Reling. Dort hinten irgendwo würde in einiger Zeit das neue Land zu sehen sein, die Insel Amdir. Ihre neue Heimat für eine unbestimmte Zukunft. Solange wie es nötig war oder solange bis ihr Vater sie zurück rief. Wie lange dies dauern würde wußte sie nicht. Ihre Gedanken schweiften bei dem Gedanken an ihren Vater zurück zu ihrer Familie und sie rümpfte die Nase mißmutig als ihr eine bestimmte letzte Begegnung einfiel. Er war dort gewesen mit ihrer "Lehrerin", seiner neuen großen Liebe. Ein bitterer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus wenn sie an die Beiden dachte. An seine Schwüre der großen Liebe zu ihr, an seine Worte das er ihr sie immer beschützen würde und das er nichts für ihre Lehrerin empfinden würde. Blind war sie gewesen, hatte nicht sehen wollen was andere sahen. Doch irgendwann war sie wach geworden und hatte erkannt welches Spiel mit ihr gespielt worden war. Man konnte wohl sagen besser spät als niemals. Wer wußte schon wie lange sie sie weiter betrogen hätten. Ein amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen und sie stieß sich von der Reling ab um zur anderen Seite hinüberzuschlendern, ihre Laune sich hebend als sie an das Abschiedsgeschenk dachte das sie den Beiden hinterlassen hatte. Ein Haufen stinkender Rattenkadaver in ihrem gemeinsamen Bett sollte ihnen zeigen was sie von ihnen hielt... |
08.10.2008 12:13:48 | Aw: Glück in den Schatten (#17032) |
Grauherz | Erleichtert drehte sie ihr Gesicht in den Wind der vom Meer herüberwehte, kühl sich auf ihre erhitzten Wangen legend. Vielleicht war es doch noch zu früh gewesen wieder die Reise nach Amdir anzutreten nachdem sie für soviele Tage im Fieber gelegen hatte. Sie war zu ihrer Familie zurück kehrt um dort gesund zu werden und ihre Mutter hätte sie noch für länger dort behalten. Aber ....sie mußte schmunzeln...sobald sie wieder auf den Füßen hatte stehen können hatte die Reiselust wieder von ihr Besitz ergriffen. Und so war sie auch gegen den Rat ihrer Mutter wieder aufs Schiff gestiegen. Sie wandte ihr Gesicht wieder dem in der Ferne zu erkennenden Landstrich zu, ihre Gedanken zu jenen Tagen schweifend als sie mehr von Fieberträumen geschüttelt da gelegen hatte als wirklich wach und wahrnehmungsfähig zu sein. Manchmal war sie nicht sicher gewesen ob das was sie sah und hörte Wirklichkeit gewesen war oder Teil ihrer Träume. Und auch jetzt war sie immer noch unsicher was bestimmte Augenblicke anging. Was sich am tiefsten in ihr Gedächtnis gegraben hatte worin sie sich aber auch am unsichersten war war der Gesang gewesen. Ein leichtes Stirnrunzeln bildete sich und ihr Kopf senkte sich leicht bis ihre Augen auf dem Wasser lagen. Immer wenn sie erschöpft vom Fieber in Schlaf gefallen war hatte sie geglaubt sanften Gesang zu hören. Fern und nur zu vernehmen wenn sie sich nicht zu sehr darauf konzenrierte. Wie einen Stern den man nur aus dem Augenwinkel wahrzunehmen vermochte und der verschwand wenn man den Blick auf ihn richtete. Hatte sie den Gesang wirklich gehört? Vielleicht hatte einer der Spielmänner am Feuer seine Lieder gespielt und sie hatte es noch in ihren Träumen vernommen. Tief durchatmend lächelte sie als sie den salzigen Geschmack auf ihrer Zunge spürte. Sie sollte sich nicht zuviele Gedanken darum machen woher Gesang kam. Sie lebte in einer Schaustellergruppe, dort wurde oft gesungen. Jetzt sollte sie sich darauf konzentrieren nach Amdir zurückzukehren und all jene wiederzusehen die sie dort kennen gelernt hatte..... |