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01.03.2021 23:36:47
[SL Durgarnkuld] Nachts auf dem Pestfriedhof... (#128963)
citlali
Ferdinand hatte die Gruppe von Jugendlichen, die leider in die Fänge von Velsharoon geraten waren, aber vielleicht mit etwas weniger Rauschkraut und besseren Gedichten von ihm fortgebracht werden konnten, nicht vergessen. Zuletzt hatte er Korrespondenz mit ihnen gehalten um zu erfahren, wie es für sie weiterging. Zum Glück war ihnen ja nichts passiert. Was ihn aber auch ärgerte, immerhin hatten sie gar keine Strafe erhalten. Seine Lesung auf dem Friedhof hatte er aber immer wieder gegenüber ihnen verschieben müssen, es gab zu viel anderes zu tun und er musste sich erst vorbereiten. Schriften über Jergal waren gewiss im Tempel aufzutreiben, das alte Pergament schier so trocken und rau wie der Gott selbst. Um genug zu haben kontaktierte er auch Bekannte aus Tiefwasser und ließ sich mehr zusenden, postalisch oder per magischer Botschaft. Schriften und Gedichte, die das Leben verdammten oder als etwas wirklich Schlechtes darstellten schloss er lieber aus. Aber auch Jergal wollte ja nicht, dass jemand den Tod früher als für ihn bestimmt suchte. Schriftstücke, welche Melancholie ausstrahlten und betonten, dass der unvermeidliche Tod alle gleich macht, waren ihm recht. Der Tod als "dunkler" Herrscher über alles, als ewige Ordnung und in manchen Fällen Befreiung von der Komplexität des Lebens. Und Jergal als uralter, mystischer Gott, der für diese Ordnung sorgte.

Als kein Schnee mehr lag machte er sich mit Ludwig und einem der Tempelwächter auf um nach dem Rechten auf dem Pestfriedhof zu sehen. Sie räumten auf, richteten Grabsteine, vertrieben oder töteten Goblins. Besonders viel war vermutlich nicht zu tun, das Mondfest war ja nicht so lange her und schon da hatten sie sich um den Ort gekümmert. Danach kontaktierte er die Truppe wieder für ein Treffen zu Vollmond. Sollten sie zusagen, stellte er diverse Laternen an den Grabsteinen auf, ließ ordentlich Weihrauch dort glühen und mischte das ein oder andere Duftöl und Kräuter unter um noch eine speziellere Wirkung zu entfalten. Einen schönen Buchständer aufgestellt, der ebenso beleuchtet wurde und Ferdinand von unten anstrahlte, dazu sein Kettenhemd mit einem langen, dunklen Wappenrock, eine Kapuze das Haupt bedeckend erwartete er sie, zusammen mit Ludwig, der ja eher in ihrem Alter war. Falls Ludwig so gar keine Lust drauf hatte, konnte er auch der ersten Lesung fern bleiben.
Nach Vorträgen von, mit und über Jergal, schlich er noch ein Gebet an Kelemvor hinein und versuchte er sofern möglich die Jugendlichen auch per Zauber "[url=https://dndtools.net/spells/book-of-exalted-deeds--52/elation--45/]aufzumuntern[/url]", ganz ohne Rauschkraut.
Unter anderem folgende Gedichte hatte er vorbereitet und trug sie mit tragender Stimme vor:
[quote]Jergal steht schon am Orte,
Wo sich ein Leben regt.
Jergal steht an der Pforte,
Wo man zu Grabe trägt.
Er geht im Leidgefolge
Ungesehen mit,
Wie er dabei gewesen
Im Leben Schritt für Schritt.
Zum König wie zum Bettler
Sagt er sein letztes Du
Und schließt mit stummen Händen
Die dunkle Pforte zu.
Und geht mit uns nachhause
Und ißt das Abendbrot
Und schweigt und weiß doch alles,
Der Herr der Welt, der Tod.
[spoiler]Matthias Claudius (1740 - 1815)[/spoiler]

Der schnellste Reiter ist der Tod,
Er überreitet des Morgenroth,
Des Wetters rasches Blitzen;
Sein Roß ist fahl und ungeschirrt,
Die Senne schwirrt, der Pfeil erklirrt
Und muß im Herzen sitzen.

Durch Stadt und Dorf, über Berg und Thal,
Im Morgenroth, im Abendstrahl,
Geht's fort in wildem Jagen;
Und wo er floh im Ungestüm,
Da schallen Glocken hinter ihm
Und Grabeslieder klagen.

Er tritt herein in den Prunkpalast,
Da wird so blaß der stolze Gast,
Und läßt von Wein und Buhle.
Er tritt zum lustigen Hochzeitsschmaus,
Ein Windstoß löscht die Kerzen aus,
Bleich lehnt die Braut im Stuhle.

Dem Schöffen blickt er in's Gesicht,
Der just das weiße Stäblein bricht,
Da sinkt's ihm aus de Händen;
Ein Mägdlein windet Blüth' und Klee,
Er tritt heran – ihr wird so weh –
Wer mag den Strauß vollenden?

Drum sei nicht stolz, o Menschenkind!
Du bist dem Tod wie Spreu im Wind,
Und magst du Kronen tragen.
Der Sand verrinnt, die Stunde schlägt,
Und eh' ein Hauch dies Blatt bewegt,
Kann auch die deine schlagen.
[spoiler]Emanuel Geibel (1815 - 1884)[/spoiler]

Immer enger, leise, leise
Ziehen sich die Lebenskreise,
Schwindet hin, was prahlt und prunkt,
Schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
Und ist nichts in Sicht geblieben
Als der letzte dunkle Punkt.
[spoiler]Theodor Fontane[/spoiler][/quote]
04.03.2021 15:02:43
Aw: [SL Durgarnkuld] Nachts auf dem Pestfriedhof... (#128970)
Durgarnkuld
Und sie kamen.
Kinder einer gebrochenen Ordnung, die dem Tod zugeneigt waren, dem Dunklen, dem … Rauchkraut.
In fast komischer Fasson kamen sie an in schwärzer als schwarzer Tracht und Kleid, Nachtschleiern über den Häuptern teilweise, als ginge man zur Beerdigung – des Lebens?
Die Anführerin und Studienabbrecherin Lukrezia Fambelle setzte sich auf einen der Grabsteine und im Kreise setzten sich die anderen Jugendlichen hinzu, um Ferdinands Worten zu lauschen. Aus Kelchen, die Schädeln nachempfunden waren, tranken sie Glühwein und waren auf ihre Art sicher äußerst rebellisch.
Vielleicht überraschend war, dass der Halbork und Tierfreund Drogvish einen zerknitterten Zettel hervorzog und zwischen den Gedichten ein eigenes vortrug.

[i]Ach Rose, du krankst -
der verborgene Wurm,
der auszieht des Nachts
im Geheul des Sturms,

hat entdeckt dein Bett,
die Knospe rot:
was er Dunkles dir tut,
bringt dir Leid und Tod.[/i]
[spoiler]William Blake[/spoiler]

Insgesamt war natürlich kein Enthusiasmus zu spüren – aber mit tonloser Stimme bekam der Totenpriester ein [i]»Ja, man«[/i] des Lobes und die Sprösslinge würden daraus eine monatliche Regelmäßigkeit machen wollen. Mehr Gedichte, mehr alte Schriften, vielleicht etwas schaurige Musik.