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26.11.2020 15:23:38
Unvergessen (#128491)
Lyraee
[...]Nun, da sich der Drow ganz auf ihn konzentrierte, hatte der Halbling keine Chance mehr. Mit einem Schlag des Schwertknaufs stieß er Buckelroff von sich weg, versetzte ihm einen schrecklichen Hieb quer über die Brust und macht einen Sprung nach vorne um der Elfe nach zu hechten. Der aufgeschlitzte und Blut überströmte Buckelroff konnte ihn aber noch bei den Füßen packen und ließ erst los, als ihn ein Schwertstich auf die Bretter des Holzstegs nagelte. Doch diese wenigen Herzschläge Verzögerung genügten. Damian Buckelroff sah sie noch, wie sie sich an die Planken des Schiffs klammerte. Wie ihr von der Reling zugerufen und ein Seil hinuntergelassen wurde.
Dann konnte er nichts mehr sehen. Nur den schwarzen Schemen, der am Rande des Stegs aufragte, sein schwarzer Mantel verdeckte alles, wilde, bösartige Worte hallten wütend und brüllend gezischt durch die Kaverne und über das Wasser, dem flüchtenden Elfenkind nach.[...]
[i]»Nein«[/i], dachte der sterbende Halbling, [i]»nein, sie gehört dir nicht. Sie gehörte dir nicht. Und wird es nie«[/i].

[i]Damian Buckelroff saß auf den Stufen zur Veranda, während sein Vater Wasyl Buckelroff auf die fremden Reiter zustapfte und schaute neugierig nach. Sie bekamen nicht so oft unerwarteten Besuch hier auf ihrem Hof. Nur ganz selten kamen ein paar Leute vom Wald, mit denen sie Tauschhandel betrieben. Felle, Holz und Wild gegen Früchte des Feldes, Milch, Butter und Eier. Ihre Mutter kam an die Schwelle der Hütte, zusammen mit Ruvena und Yasemina, seine Schwestern. Damian spürte die klebrigen Blicke des kleinen, bewaffneten Trupps und aus anfänglicher, kindlicher Neugier wurde Unwohlsein... wurde Furcht.
»Damian!« rief ihn seine Mutter. Sie klang beunruhigt. »Komm her zu mir.«
Er gehorchte sofort, ließ aber seinen Vater und die Fremden nicht aus den Augen.
»Na mach schon, du Winzling. Her mit den Abgaben. Gib den fürstlichen Truppen Geld - und was zu Fressen wollen wir auch. Wird's bald? Wir haben ja nicht ewig Zeit.«
»Ich habe unsere Abgaben schon bezahlt. Alles, wie es sich gehörte. Warum kommt ihr hier her und fordert schon wieder ein?«
»Ach na hört ihn euch an, den Schlauberger... hat schon bezahlt... und bildet sich ein das wäre alles!«
»Warum sollen wir noch einmal bezahlen und etwas geben? Wir haben den Zehnt bezahlt. Die Militärsteuer. Die Feudalabgaben. Die Landsteuer. Die weiß-der-Kuckuck-Steuer! Warum?« Wasyl Buckelroffs Stimme zitterte leicht, doch noch immer klangen darin Verwunderung und Widerspruch. Die wenigen Siedler von den anderen, dichter liegenden Gehöften waren aufmerksam geworden. Schauten beunruhigt hinter Zäunen und aus Häusern hervor.
»Du fragst warum?« zischte der Sprecher der Reiter, mit einem ausnehmend hässlichen Grinsen im Gesicht. Er beugte sich zu Wasyl herunter, aber Damian konnte jedes seiner hasserfüllten und vor Häme triefenden Worte hören.
»Ich sag dir warum. Darum, dass du ein lausiger Halbling bist, ein widerlicher Winzling. Und wer dich stinkenden Nichtmenschen ausnimmt, der macht den Göttern eine Freude. Wer dich kaltmacht, der tut sogar eine gute Tat. Weil ich was zum Fressen will von dem Land das du bewirtschaftest, auf dem du eh nichts verloren hast, du Dahergelaufener! Und weil es mich juckt, dein Nichtmenschennest hier abzufackeln und noch drei weitere Winzlingsiedlungen vor uns liegen, denen ich einen Besuch abstatten will. Weil wir hier fünf kräftige Kerle sind und ihr bloß eine Handvoll beschissene Knirpse. Hast du jetzt verstanden warum?!«
»Ja ich hab verstanden« antwortete Wasyl langsam und griff blitzschnell nach der Heugabel im Schubkarren vor ihm, er riss die Zinken hoch. »Weil ihr nichtsnutzige Banditen und Schurken seid. Nichts bekommt ihr von hier! Fort, fort mit euch, räuberisches Pack!«
Damian verknotete sich der Magen, die Hand seiner Mutter auf seiner Schulter wurde klammernd wie ein Griff aus Eisen. Er war noch ein Kind und doch wusste er, dass das hier nicht gut enden konnte. Dass gleich Schreckliches geschehen würde.
Der hässliche Reiter fasste nach dem am Sattel hängenden Schwert, seine Mutter schrie auf »Wasyl!«. Doch der Bandit kam nicht dazu, sein Schwert zu ziehen und nach dem Vater zu schlagen. Beinahe lautloses Schwirren vom nahen Waldesrand und ihn ereilte der unsichtbare Tod eines grau gefiederten Pfeils, der ihm durch die Gurgel schlug und ihn röchelnd auf dem durchgehenden Ross zusammensacken ließ. Ein weiterer Pfeil fegte einen der Banditen glatt aus dem Sattel. Die übrigen drei begannen sich hektisch umzusehen, ihre Waffen zu ziehen und orientierungslos suchend umzublicken. Dann sah Damian sie. Sie waren nur zu dritt, wie sie mit wehenden tannengrünen Umhängen heranliefen. Schnell und geschmeidig wie Wölfe, mit blitzenden schlanken Elfenklingen. Etwas versetzt stand noch der Bogenschütze - nein, eine Bogenschützin! - den Bogen noch erhoben und eine Hand bereits wieder am Köcher, anmutig wie die lebendig gewordene Statue einer Waldgöttin.
»Yondalla sei Dank« rief seine Mutter auf. »Die Harfe! Sie kommen uns zu Hilfe...«[/i]

Später, als alles vorüber war, konnte er einen Blick erhaschen, auf die Spangen, die ihre drei Retter unter den Umhängen verborgen trugen – sie hatten die Form einer silbernen Harfe, umarmt von einem Halbmond und Sternen. Sein von Bewunderung glänzender Blick fand auch die gleichsam verschmitzt wie gutmütig funkelnden, goldgesprenkelten Augen der Halbelfenschützin.
An diesen überflutenden Glücksmoment der unerwarteten Rettung und Hoffnung, das wusste Damian Buckelroff schon damals, an diesen Moment würde er sich bis zu seinem Lebensende erinnern.
Dass dieser Augenblick der Beginn seiner Bestimmung war, das wusste der junge Halbling damals noch nicht.