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12.10.2017 16:36:53
[SL Nutmeg] Die erste Regel der Arena (#121838)
Durgarnkuld
... ist bekanntlich kein Wort über die Arena zu verlieren.
Aber Regeln sind ebenso nachweislich da, um gebrochen zu werden, was Seamus' Lebensweise zumindest betraf.

Damit ging es die nächste Zeit öfters in die Arena. Das einfachste war sicher die Stoßzeiten mit einigen Besuchen auszumachen. Galt der Grundsatz je später, desto härter?
Ziel war jedenfalls zu den größten Kämpfen, die am meisten Aufmerksamkeit auf sich zogen, anwesend zu sein. Dabei ließ es sich der Tethyri auch kaum nehmen, fleißig mit zu wetten, wenn auch nicht auffallend hohe Summen. Wann immer es ging, kämpfte er sich in die ersten Reihen, feuerte fleißig die Kontrahenten an, heizte die Stimmung - in moderatem Maße - noch mit an.
Viel Rauchen, viel Alkohol, viele Tränen bei Verlust, großer Jubel bei dem Sieg. Auf diese Weise, Tag um Tag oder eben auch Nacht um Nacht, wieselte sich der Rotbärtige mehr in das Gefüge der Arena-Szene, um die Gemütslage einmal unterschwellig zu ertasten. Wer die häufigsten Besucher waren, wer schon lange dabei war, wer eher neu wie er selbst. Welche Kämpfe am meisten Interesse auf sich zogen ... vielleicht, ob es noch [i]mehr[/i] Angebot gab, wenn man es härter und dreckiger wollte.

Abgesehen von den üblichen Besuchern, teils vielleicht auch wiederkehrenden Kämpfern, war natürlich der Schankwirt eine stetige Anlaufstelle. Die erste Zeit gab es da nur den üblichen Plausch, den einfachen Rum. Falls sich Seamus mit langsam dahin rieselnder Zeit zum festen Kern zählen konnte, war eben der Schankwirt derjenige, den er mehr und mehr als Bekannten gewinnen wollte, schließlich sehen und hören die am mit am meisten.
Wie es denn derzeit läuft, sind's bessere Zeiten? Arbeitete der gute Mann da schon länger und war mit dem Laden vertrauter?

Aber gut Ding will Weile haben. Seamus konnte - überraschend! - geduldig sein und ließ sich auch die nötige Zeit, wartete die Momente ab, wo sich natürliche Gespräche ergaben. Ganz organisch, ganz geschmeidig.
19.10.2017 20:20:48
Aw: [SL Nutmeg] Die erste Regel der Arena (#122033)
Nutmeg
Seamus würde bei seinen Besuchen in der Arena feststellen, dass es gar nicht so schwierig war, dort als Stammgast Fuß zu fassen. Die Arena stand per se erstmal jedem offen, der es sich nicht mit dem Personal verscherzt hatte.

Abends war eindeutig am besten besucht, bis spät in die Nacht ging das Treiben dann.
Mittags, wenn Seamus auch mal zu dieser Zeit aufschlug, wären nur ein paar einsame Trinker im Schankraum der Arena zu finden.
Ab den frühen Abendstunden wurde der Laden stets voller und voller, es gab jeden zweiten Abend offizielle Faustkämpfe, die von der Arena veranstaltet wurden. Ansonsten wurde die Arena auch als Übungsplatz derer genutzt, die sich im Faustkampf üben wollten. Auch mit Waffen wurde gekämpft, jedoch waren dies stets stumpfe und gesicherte Exemplare. Stabkampf konnte Seamus sogar auch einmal beobachten.

Er würde mit der Zeit feststellen, dass es richtige Gruppen gab, die jeweils einen Kämpfer unterstützten, als wäre es deren persönlicher Held. Einer der beliebtesten Kämpfer war der "Stramme Max", ein hünenhafter Kerl, der bei keinem offiziellen Faustkampf der Arena fehlte und auch oft den Sieg davontrug.
Max teilte sich das Krönchen, was den Publikumsliebling anging, mit Bernd dem Blitz. Auch dieser hatte seine eigene Anhängerschaft, auch dieser war ein "offizieller" Kämpfer der Arena, der dies von Berufs wegen tat. So sich Seamus für eine "Seite" entscheiden wollte, so fand er es bestimmt auch nicht schwierig, wenn er laut genug jubelte, Zugang zu der entsprechenden Gruppe der Heldenverehrung zu finden und sich mit diesen auszutauschen.

Kurioserweise schien es nicht so, dass es, je später der Abend, desto härter wurde. Es blieb gleichbleibend brutal, ob das nun zu wenig oder zu viel Blut war, war wohl persönlicher Geschmack. Der, für den es eindeutig zu wenig flüssiges Rot auf dem Arenasand war, konnte seinen Kummer darüber mit anderen Flüssigkeiten vom Ausschank wegspülen. So gab es auch eine gleichbleibend gute Stimmung, Ausschreitungen kamen erstaunlich selten vor für den Hafen.
Die, die sich stritten - auch das konnte Seamus einmal gut beobachten - wurden von ihren Freunden so eingeregelt, dass sie sich nervös umblickten. Als fürchteten sie, wegen ihrer Unruhe gleich bestraft zu werden von irgendwem. Dieser vermutliche Irgendwer, das würde Seamus einmal aus dem Augenwinkel sehen können, saß in der hintersten Reihe der Arena eines Zehntags, als mal wieder Bernd der Blitz gegen den Strammen Max antrat.
Cosimo putzte sich die Brille und saß still dort, in der Masse untergehend. Die Zuschauer beobachtend, aber mit keinem direkt interagierend. Neben ihm, brav wie ein Hund, saß ein riesenhafter, grobschlächtiger Kerl, als wäre er an einer Leine.

Der Kontakt zum Schankwirt Otto, einem drahtigen Mann in den späten Dreißigern, erwies sich nicht als schwierig. Er sei schon seit einigen Monden hier, die Zeiten wären nun eindeutig besser geworden.
Die Atmosphäre wäre ein bisschen anders, wäre nun irgendwie geordneter als noch damals, als er angefangen hatte.
Und die Tierkämpfe waren verschwunden. Irgendwann kam der Lorne einfach mal rein und meinte, das gäb's jetzt nicht mehr. Und scharfe Waffen gab es auch nicht mehr. Zumindest nicht oben. Oh, hatte er oben gesagt? Er meinte hier, in der Arena, natürlich.
Dann polierte er ein Glas mit einem Seitenblick gen Seamus und erzählte diesem von seiner Verlobten, Fanny. Prachtmädel.
21.10.2017 13:28:32
Aw: [SL Nutmeg] Die erste Regel der Arena (#122085)
Durgarnkuld
So fiel es Seamus wahrlich nicht schwer, sich dort einzuleben. Freude musste man ja nicht vorspielen, wenn sie ehrlich war. Gegen etwas Blut, etwas Enthusiasmus und Gegröle hatte er freilich nichts einzuwenden. Mit jedem Besuch machte er sich etwas mehr mit den hiesigen Personal vertraut, wie groß der Stab etwa war, was für Tätigkeiten abgedeckt waren. Neben der gut besuchten Schanknische sicherlich auch Aufpasser und Rausschmeißer, Wettbüro und Betreuer der Kämpfer. Wer von denen aufgeschlossener war - oder einfach nicht sonderlich helle - würde er mit zunehmenden Eintritten auch näher kennenlernen wollen. Wie es so lief, was das Frauchen machte. Wo es das beste Kraut zum Rauchen gab. Übliche Kleinsorgen, die das Leben eben so betraf. Schaden konnte es nicht, wenn man eher auf der positiv besetzten Seite stand, falls es doch einmal zu Ausschreitungen kommen sollte.

Selbst zu den kaum belebten Zeiten, wo nur die Säufer sich dort tummelten, suchte er den Kontakt, ein paar festere Trinkkumpane. Es gab immer irgendwelche Sorgen und Verluste, die man so ertränkte. Vielleicht waren ja ein paar interessante dabei. Da ließ es sich Seamus auch nicht nehmen über seine, unbenannte, Arbeitgeberin zu klagen, die eher wie eine Valvecc'sche Loviatari auftrat und den Hausdrachen, die der eine oder andere sicherlich hatte, damit in nichts nachstand.

Begeistert feuerte der Rotbart die Kontrahenten an, je nachdem, wer gerade kämpfte. Dabei stets bedacht nicht zu auffällig zu sein, eben in einem gemäßigten, aber nicht leblosen Grade sich einfügend. Vorerst blieb er die nächsten Zehntage noch recht neutral, erkundigte sich aber, sobald sich die festen Träubchen um ihre Favoriten gebildet hatten, warum gerade ihr Faustkämpfer der beste sein mochte. Es half sicherlich, dass er Interesse da nicht heucheln musste, sondern wirklich neugierig war auf die Statistiken und Markenzeichen der Kämpfer.
Früher oder später schloss er sich dann aber doch der Anhängerschaft von Bernd an, der zumindest dem Titel nach mehr seinem eigenen Kampfstil entsprach. Die - meist eher freundschaftlich gehaltene - Rivalität zum Tross der Max'ler befeuerte er dann stets mit lauten Rufen und Gebärden, ohne dabei unnötig zu übertreiben und den ungern gesehenen Zwist heraufzuschwören, vor dem hier jeder offenbar Angst hatte.
Das sollte aber eine hilfreiche Stütze sein, um mit den Bernd's anschließend einige Biere zu bechern, die Kämpfe auszudiskutieren und auch hier einmal das Milieu auszukundschaften, welche Hafenleute sich da tummelten. Wo entlud sich, abseits von den Gelegenheiten beim Mob, der Frust auf die Obrigkeit schon besser als in Einrichtungen wie diesen. Da sich das hart arbeitende Volk hier zusammenfand, erkundigte er sich auch, natürlich unter den Brüdern des Blitz-Bernd, ob einige da gute Handwerker waren und was von Häuserbau verstanden. Gäbe da ein paar gute Beutel Gold - natürlich für künftige Arena wetten - zu holen derzeit.

Als der Schwarze Barde eines Abends dann Cosimo mit seiner Abscheu erregenden Durchschnittlichkeit durchaus bemerkte, hielt er sich bewusst bedeckter und versuchte trotz der Sune geküssten Haarpracht nicht unnötig auf das Radar des Sembiers zu gelangen. Zweifellos wusste der über mehr bescheid, als Seamus lieb war, aber man musste es ja nicht drauf anlegen. Den kräftigen Wachhund neben ihm, beäugte er jedoch länger und würde beiläufig einen der Bernd'ler anstoßen und fragen, wer das sei. Ob das der Lorne wäre, von dem man immer mal hört. Auf Cosimo machte er da nicht weiter aufmerksam und stellte auch keine Fragen. Vorerst.

Zu Otto würde sich bald ein guter Draht aufbauen - schon allein, weil Seamus gern und viel trank und mit dem Trinkgeld nicht geizig, aber auch nicht kritisch königlich war.
Die Nachfragen verteilte er auch bedächtig auf verschiedene Abende, um nicht unnötig zu neugierig dem Schankwirt auf den Wecker zu fallen. Aber hier und da, wann immer es sich anbot, hakte er nach dem guten Lorne etwas nach. Wie der vorher denn so gewesen wäre und wann dieser eigentümliche Sinneswandel stattgefunden habe. Und die Tiere ... die mussten ja irgendwohin gekommen sein?
Bei einem guten Humpen, sicherlich schon dem vierten, ließ Seamus das mit der "unteren" Arena vorerst so durchschlüpfen, als wäre ihm das gar nicht so aufgefallen. Lieber plauderte er dann über das Prachtmädel, welchen Typus Mann die denn bediente. Gut kochen war natürlich eine der besten Eigenschaften, wie jeder Kerl wusste. Falls der gute Otto noch einen Ring brauchte, kannte Seamus da auch einige Kanäle, um ihn einen recht preiswert, aber angemessen zuzuspielen, sofern Interesse bestand. Sollte ja was vernünftiges sein.

Erst nach etwa zwei Zehntagen kam er dann, einen hitzigen Kampf zwischen den Lieblingen Bernd und Max später, murrend zum Ausschank und ließ sich auf einen einsamen Stuhl fallen. Klar, war er ein brennender Anhänger des guten Bernd, aber irgendwie hatten die Kämpfe nicht genug ... Biss, wie er zu Otto meinte. Damals, in Zaz, wo er herkam, was er mal zwischendrin auch fallen gelassen hatte, schließlich kannte man sich mittlerweile etwas, da gab es auch Ecken, wo es richtig dreckig zuging. Irgendwie vermisste er das ... Schade, dass das "hier oben" nicht geboten wurde. So ein Vergnügen wäre ja auch ein Säckchen Gold mehr wert, als das, was sonst zu sehen war.
25.10.2017 16:48:08
Aw: [SL Nutmeg] Die erste Regel der Arena (#122166)
Nutmeg
Und je mehr sich Seamus mit der Welt der Arena vertraut machte, umso mehr Personal lernte er auch kennen.
Viele waren es nicht, die dort arbeiteten. Der Schankwirt Otto, den kannte er ja immer besser. Wenn dieser keine Schicht hatte, war Klaas da. Älter und grummliger, und eindeutig der Boss hinter dem Tresen. Dann den Buchmacher Mikael, der die Wetten entgegen nahm. Ein wuchtiger Rausschmeißer, der fast nie zu tun hatte. Sowie einen etwas fehl am Platze wirkenden älteren Heiler, der allerdings nicht immer anwesend war.

Dann arbeiteten noch zwei recht apart wirkende junge Frauen dort, die leicht bekleidet die Runden der von der Arena offiziell ausgerichteten Kämpfe anzeigten.
Manchmal servierten sie auch den Kämpfern Getränke und kümmerten sich um deren leibliches Wohl mit kleinen Speisen danach. Auch animierten sie ordentlich die Zuschauer zum trinken. Seamus kannte die beiden unter den Namen Anna und Anja. Ob das ihre richtigen Namen waren, war wohl zu bezweifeln. Sie wirkten offen und Seamus würde wohl recht schnell Kontakt zu ihnen aufbauen können. Jedoch würde ihm wohl auffallen, dass sie wenig von sich aus redeten, und wenn, dann eher unbestimmt blieben.
Und immer mal wieder tauchte auch der grobe, große Mann auf. Es war tatsächlich Lorne, soviel wusste Seamus irgendwann von einem der Mit-Bernd'ler. Was dieser hier noch tat, außer Marionette spielen und Befehle von Cosimo weitertragen und so tun, als wären es seine eigenen, war für Seamus jedoch eher rätselhaft.

In den unbelebten Mittagszeiten würde Seamus den Horsti kennenlernen. Ein Mann Ende 40, der eigentlich natürlich Horst hieß, aber schon seit seiner Kindheit Horsti genannt worden war. Hatte sich dann wohl im Hafen so eingebürgert. Horst ertrank die Gängeleien seiner Ehefrau Xanthippe zuhause in billigem Fusel in der Arena. Nach ein paar Gläsern wurde er auch gerne einmal zum Stammtischphilosophen. Bei Seamus' Erzählungen über die Loviatari als Valvec, für die er arbeitete, nickte Horst. Kannte er alles. Nur hatte er die Loviatari geheiratet. Frauen. Wie die Welt wohl ohne sie wäre? In die Arena kam Horst ganz gerne. Da war die Atmosphäre ganz nett...viel netter als noch vor einiger Zeit. Da war der Lorne echt teilweise zum Kotzen gewesen. Hat Gästen auch einfach mal früher die Fresse poliert wenn sie ihn schief anguckten. Und mit seltsamen Leuten hing der auch ab, erzählte man sich. Nun war's besser, das konnte Seamus ihm glauben.

Dass es nun besser war, das sagten ihm auch seine Mit-Bernd'ler. Die hatten Bernd als ihren Helden auserkoren, weil der einfach saugut war. Wie er so schnell mit seinen Fäusten war...der Max, der ging ja eher auf Stärke. Der war auch gut, aber der war halt ohne Finesse. Ganz anders eben als Bernd. Der wusste, wie man beim Prügeln noch elegant aussah. Angeblich hatte der Bernd ja auch was mit der Anja, aber konnte man ihm ja nicht verdenken. Früher, da wär' sowas wie Max und Bernd auch nicht möglich gewesen. Da ging es irgendwie eher um verbissene Kämpfe mit scharfen Waffen, Hundekämpfe, Hahnenkämpfe...war eine blöde Stimmung teilweise gewesen. Da fühlte man sich als Durchschnittsmann nicht wohl. Das war was für Kanaillen gewesen.

Seamus würde vor allem Anschluss bei Frieder und Pavel finden. Die beiden waren in seinem Alter, begeisterte Bernd-Anhänger (sie hatten sogar kleine Fähnchen aus altem Stoff gemacht, die einem Blitz entfernt und mit viel Fantasie ähnelten) und tranken gerne nach den Kämpfen noch ein paar Biere. Um diese zu besprechen.
Tymora hatte Seamus wohl in diesem Moment auch geküsst, da Pavel zufällig ein Handwerker war, der sich mit Hausbau auskannte und wohl Geselle eines alten Maurermeisters war. Pavel würde sich gerne anhören, was Seamus ihm vorzutragen hatte. Gold für Wetten auf Bernd...und natürlich zum normalen Leben...brauchte doch jeder!
Hörte sich Seamus in der Arena dann auch noch nach der allgemeinen Stimmung im Hafen um, so zeigte sich oft, wenn auch etwas verdeckt, Ärger auf die Fürstin. Auf die Oberen. Unter Marco war alles besser gewesen, aber nun wurden ja die Jungs schon in den Krieg geschickt, weil so 'ne dumme Schlampe nicht wusste, wo man ausritt und wo nicht. Und dann noch das mit den Shariten...und wer wusste schon, was die noch alles in die Stadt gebracht hatte. Und immer hatten die Armen zu leiden. Nie die Reichen und Großen.

Einer, der weniger unzufrieden schien, war Otto. Der machte seine Arbeit im Schankraum und freute sich irgendwann immer sichtlich, wenn Seamus aufkreuzte.
Ja, der Lorne...der war einfach komisch. Als er hier angefangen hatte, da hatte der Lorne auf ihn - und da senkte er die Stimme - wie so'n wildes Tier gewirkt. Wahnsinn, der unter einer sehr feinen Oberfläche verborgen war. War manchmal gewalttätig geworden. Einige Gäste kamen einfach nicht mehr. Die Julika, die war vorher auch so ein Mädel gewesen wie Anja und Anna, die war mal mit ihm aneinander geraten, wegen Lohn. Da hatte er ihr die Nase gebrochen. Die kam dann nicht mehr.
Und mit so'nem Wächter, dem Hunkebein oder so, munkelte man zumindest, hatte er vor längerer Zeit auch Stress gehabt. Aber was genau da war...wusste er nicht so recht. Vielleicht hatte der einfach zuviel herumspioniert.
Jedenfalls hatte sich das alles geändert, als der Buchhalter kam. Der prüfte alle Einnahmen und so. Hatte ein kleines Büro, den feinsten Ort hier in der Abstiege. Blieb eher für sich, aber Otto hatte das Gefühl, dass Lorne Angst vor ihm hatte. Wieso auch immer. War irgendwie dem seine Ausstrahlung. So seelenruhig. Freundlich. Aber wie ein Reptil.
Kurz nach dessen Ankunft sind auch die Hundekämpfe verschwunden. Gab in dem Moment eh keine Hunde mehr hier, und dann hatte Lorne eben eines Tages gesagt, dass die Kämpfe wegfallen. Was ihm damals auch wieder komisch vorgekommen war, weil die eigentlich 'ne gute Einnahmequelle gewesen waren, soweit er wusste.
Aber naja...hach ja, die Fanny. Die kochte wie eine Göttin, genau. Und solche Brüste hatte die (Otto zeigte einen ordentlich Vorbau mit diesen Worten an).
Aber war auch einfach eine gute Seele. Half, wenn man sie brauchte. Guckte nach ihren alten Nachbarn, kochte für die und machte für die auch manchmal die Wäsche und alles. Badete sogar die ganz Alten, wenn sie keinen hatten.
Wenn Seamus wusste, wo man billig einen Ring herbekam, dann bitte nur her mit der Info! Immerhin wollte Otto aus Fanny ja auch bald mal eine ehrliche Frau machen.

Otto würde sich auch, als Seamus sich nach einem der laschen Kämpfe "oben" beklagte, dass alles so weichgespült sei, hinreißen lassen, Seamus im Gegenzug zu helfen.
Also, ja...da gab es was. Unten, im Keller. Wenn Seamus genug Gold hatte und richtig Blut sehen wollte, musste er nur Lorne ansprechen. Oder den Buchhalter. Die regelten das dann mit ihm. Er wusste nur, dass er solche Leute weiterleiten sollte....
Otto blickte Seamus da allerdings fragend und etwas nachdenklich danach an. Als wäre er fast enttäuscht, dass Seamus sich echte Gladiatorenkämpfe geben wollte.
29.11.2017 12:40:47
Aw: [SL Nutmeg] Die erste Regel der Arena (#122714)
Durgarnkuld
Umso besser, dass die Zahl des Personals überschaubar blieb. Bedeutete zumindest weniger Arbeit sich mit jedem vertraut genug zu machen. Da er Otto ja bereits besser kannte, beschränkte sich Seamus mehr auf einen oberflächlichen Kontakt mit dem Cheffe Klaas, ohne dabei notwendigerweise distanziert rüberzukommen. Eben das grunzende Nicken und Bestellen von Kunde und Schankmann. Auch auf den Rausschmeißer schoss er sich nicht wirklich ein. Er legte es ja nicht darauf an mit dem wirklich Bekannschaft zu machen, zumal mittlerweile klar war, dass der aufgrund des zweifelhaften Friedens, den der Komodowaran brachte, eben wenig gefragt war.
Anders verhielt es sich selbstredend mit Mikael. So von Buchmacher zu Buchhalter. Nach eigenem Gefühl setzte Seamus da auch munter immer mit - ohne die Zukunft Annabells jetzt wirklich auf‘s Spiel zu setzen. Eben kleine bis mittlere Beträge, wo er sich was rausnehmen konnte. Allerdings merkte sich der Tethyri durchaus wie die Wettergebnisse ausfielen über die Wochen hinweg, ob sich da seltsame Systeme und Gesetzmäßigkeiten fanden bei längerer Beobachtung.

Zu Anja und Anna versuchte er tatsächlich einen recht soliden Draht aufzubauen. Wenn beide ungern oder deutlich zögerlich nur über sich sprachen, blieb er eben bei den Kämpfen, bei ihrem Tagewerk oder eben dummen Geschichten, wie er sie gerne zum Besten gab, um zweifelhaften Erfolg in der Frauenwelt zu erzielen. Wichtig war ihm da nie wirklich zu drängen. Falls da eine je etwas Vertrauen fasste mit der Zeit, würde sie schon selber Signale senden, dass sie reden wollte, da war er sich sicher. Außerdem war er letztlich nicht hier, um ihr Leben unnötig aufzuwühlen, das war schon anstrengend genug.

Den Unmut über die herrische Oberschicht nahm er zur Kenntnis und pflichtete hier und da bei - teils aus eigener Überzeugung, teils auch einfach, um die Leute an ihrem Ort des Frustablasses nicht mit verqueren Idealen zu belästigen. War ja auch scheiße.

Mit Pavel und Frieder hatte er sicherlich feste Saufkumpane, wann immer er in der Arena war. Mit Hilfe von Sonjas Stickkünsten würde er auch einen eigenen Wimpel mitbringen, um die beiden zu unterstützen. Bernd brauchte immerhin hingebungsvolle Kerle wie sie!
Als sich der Maurergeselle auch interessiert zeigte an etwas Zusatzverdienst, schickte Seamus ihn zu Aidans Haus an den Höfen. Ohne natürlich zu sagen, dass das der elendige Webel war. Er deutete nur an, dass sich Pavel da nicht abschrecken lassen sollte, das war gute Arbeit für die Landeier, die‘s halt nötig hatten, dass ein Stadtbursche ihnen mal zeigt, wie man ein Haus baut, das nicht vom ersten Wind umgeschleudert wird. Hoffentlich war der Tormit auch behutsam in seinem adretten Auftreten ...

Seamus zeigte sich auch interessiert zu so ziemlich allem, was sein Kumpel Otto zu erzählen wusste. Natürlich war das zum Hunkebein, oder wie auch immer die Knalltüte hieß, interessanter, aber das ließ er nicht allzu deutlich über anderes Gelaber durchblicken.
Die Fanny, da musste der Rotbart schon lachen und deutete dem entgegen eine seiner alten Flammen an, die Donna, die hatte soooo einen Prachthintern gehabt! Ein tiefes, männliches Nicken erfolgte. Ja, Man(n) verstand sich eben.
Auf Ottos Verweis hin hob Seamus einen Mundwinkel deutlicher an mit einer ihm so typischen Zuversicht, die dazu neigte selbst derlei tiefgreifende Zweifel an seiner Person zu zerstreuen. Natürlich bedankte er sich für den Tipp und würde sich auch aufstemmen, um demnächst den Lorne aufzusuchen. Ein munteres Zwinkern verabschiedete den Schankwirt, als die Münzen neben dem geleerten Becher zurückblieben sowie — ein Paar matter, aber dennoch eben goldiger Goldringe, samt Gravur der Namen. Sie wirkten schon fast betont älter aufgemacht, als sollten sie ja nicht zu hübsch oder edel ins Auge fallen. Aber wenn das die Fanny nicht überzeugte, was dann?