15.05.2017 00:58:08 | [SL Nutmeg|Mael] Sinnessuche (#118345) |
Amilcare | Es dämmerte bereits, als Mael sich auf den Weg machte. Die Sonne berührte das Meer und tauchte alles in ein rotes Glühen. Goldene Wolken erstreckten sich am Himmel und zogen sich bis in die aufkommende Dunkelheit, dort, wo Selûne ihr Haupt erhob. Wäre Mael poetisch gewesen, hätte er vielleicht eine Verbindung zu sich gesehen, eine Ähnlichkeit in den sehnsüchtigen Blicken von Sonne und Mond, die sich nie erreichten und sich nur sahen, wenn die Welt verbrannte, oder in Finsternis versank. Doch Mael war kein Poet, er war nicht einmal ein besonders gefühlvolles Wesen. Zumindest äußerlich. Er hatte auf den Stab verzichtet und bot so ein seltsames Bild, mehr einem verhüllten Mönch gleich, als einem Magier. Seine dunkle Robe berührte fast den Boden und erweckte den Anschein, als würde der Mann schweben. Seine Kapuze verbarg das hübsche, halbelfische Gesicht vor den neugierigen und misstrauischen Blicken, die er wahrscheinlich so oder so auf sich zog. Aber darum kümmerte er sich nicht. Auch unterdrückte er das Gefühl, das Städte stets in ihm auslösten. Es war, anders als manche erwartet hätten, keine Abscheu. Besonders zu Zeiten, da die Menschen erwachten, oder sich den Dingen zuwenden konnten, die ihre kleinen Herzen begehrten, spürte er die Energie all dessen, was ihn umgab. Ein Kribbeln, das süchtig machen konnte. Solche Gefühle waren ihm verboten, denn sie waren tückisch. Allgemein hatte er sich übermäßig emotionales Verhalten verboten, was seinen Absichten an diesem Abend etwas Ruchloses verlieh. Es hätte seinen Geist beruhigt, wären ihm zumindest seine Schritte schwer gefallen. Und so glitt er dahin, kaum etwas von sich selbst preisgebend. Selbst die feinen Hände waren, wie immer, unter den engen, ledernen Handschuhen verborgen. Er hielt nicht einmal an, als er vor dem Gebäude stand. Mit einer beiläufigen Bewegung, die all die andersartige, unbewusste Eleganz inne hatte, für die das Volk seiner Mutter von anderen so bewundert wurde, öffnete er die Tür zu dem Gebäude, dass die Menschen den Lotus nannten, dem Bordell im Hafen, wo sie sich Liebe und Zweisamkeit erkauften. Einige wenige schwebende Schritte weniger stand er wohl in dem Etablissement, ließ seine Kapuze fallen und sah sich um. Er war vielleicht weit ansehnlicher als das, was die Dirnen für gewöhnlich an Kunden ertragen mussten und auch seine Bewegungen, das Hinfortstreichen seiner schwarzen Haare aus seinem Gesicht, die Art, wie dort stand, all das hätte wohl auch einem Suniten zur Ehre gereicht. Doch all das war unbewusst, seine kalten, suchenden Augen konnten davon Zeugnis ablegen. Und er suchte. Er suchte unter den sich hier feilbietenden oder feilgebotenen Damen. Er suchte schwarze Haare, blasse Haut und hellgrüne Augen. Hellgrüne Augen, für die er einen großen Beutel Münzen bereit hielt. |
15.05.2017 20:08:16 | Aw: [SL Nutmeg|Mael] Sinnessuche (#118382) |
Nutmeg | Mael würde, als er den Lotus betrat, wohl erst einmal der Geruch von Alkohol, Schweiß und Rauch entgegenwehen. Es war die beste Zeit, zumindest für die Arbeiterinnen und deren Goldbeutel hier. Die Männer waren noch nicht zu betrunken, der Rauch war noch angenehm und nicht "kalt" und der Schweiß hielt sich in Grenzen. Mael wurde von der Frau an der Rezeption kritisch gemustert. Sie war schon älter, hatte ihre beste Zeit wohl eindeutig hinter sich. Dennoch hatte sie sich in ein Kleidchen gezwängt, das nicht viel verbarg, und gar nichts der Fantasie so wirklich offen ließ. Die Leute, die hier arbeiteten und die sich hier öfters als Gast aufhielten, pflegten zu der "Empfangsdame" ein freundschaftliches Verhältnis. Colette, so sagte man im Hafen, die kümmerte sich um ihre Gäste. Und um ihre Mädchen. Kaum einer traute es sich hier ein krummes Ding zu drehen mit den Prostituierten, und wenn, dann bekam er es sofort zu spüren. Notfalls vom Hafen selbst, der die seinen auf "besondere" Art und Weise schützte. Mael würde ungehindert seines Weges gehen dürfen, sobald klar war, dass er keine Waffen bei sich trug. Trug er welche, musste er sie abgeben. Oder gehen. Da war man knallhart. Das hier war ein Ort der Freude. Flöte und Trommel würden aus dem Hauptraum eine Tänzerin begleiten, mit einer schmissigen Melodie, zu der es sich leicht ausziehen ließ. Die Männer jubelten. Die Bardamen hatten alle Hände voll zu tun. Und Mael suchte nach der Frau, für die er viel Geld hinlegen würde. Irgendwann, nach ein paar Mal eine Runde im Hauptraum drehen, begegnete er dem Objekt seiner Begierde. Oder zumindest war sie so nahe dran, wie es ging. Sie hatte weiße Porzellanhaut, rabenschwarzes Haar...und leider keine grünen Augen. Wache braune Augen schauten ihn aus ihrem schmalen Gesicht an, etwas lauernd vielleicht, nachdem er seine letzte Suchrunde gedreht hatte. Eva hieß sie, sagte man ihm. Ob das ihr wirklicher Name oder ein "Künstlername" war, wer wusste das schon. Es war keinem wichtig. Hier war sie eben Eva. Und sie war teuer. Aber vielleicht interessierte sie Mael auch nicht mehr, nachdem er festgestellt hatte, dass sie gar nicht die "richtige" Augenfarbe besaß? |
16.05.2017 02:14:39 | Aw: [SL Nutmeg|Mael] Sinnessuche (#118393) |
Amilcare | Die kühlen Blicke des Halbblutes wanderten und sein Geist versuchte die Fülle an Eindrücken, die seine Sinne aufnahmen, abzumildern. Hinfort in eine dunkle Kammer des dunklen Hauses, in dem er stets stand, so er sich zu erinnern suchte. Nur kurz überkamen ihn Gefühle von Abscheu und Verachtung, als sich die Eindrücke mit Zeichnungen aus einem Buch verbanden, das er vor kurzem gelesen hatte und das wohl für die meisten nur noch aus Höflichkeit zum Bereich 'Erotik' gezählt werden konnte. All diese Körperausdünstungen, der Rauch und das Gelärme, sie mochten für menschliche Verhältnisse angenehm sein. Für ihn? Jedoch kam die Abscheu und Verachtung nur kurz, ehe sie verschwand. Nur kurz, begleitet von Verlangen und dem albernen Wunsch an diesem Chaos teilzuhaben. Er schloss kurz die Lider und fuhr mit den Fingern des rechten Handschuhs über die Schläfe eben jener Seite. Langsam vermochte er eine Duftspur in all dem Wirrwarr zu isolieren, diesen Geruch über alle anderen zu lagern. Es war vielleicht der angenehmste von denen, die er wahr nahm. Zumindest entzündete er eine Flamme in einem verbotenen, dunklen Raum des dunklen Hauses, den er viel zu oft betreten hatte. Es brauchte etwas mehr Arbeit, um all die anderen Dinge auszublenden. Er betrachtete die zuckenden Leiber beim Tanz, die albernen, in seinen Augen fast kindlich wirkenden Annäherungsversuche der Gäste und der Angstellten. Wie lange wären sie wohl noch hier? Bereits in hundert Wintern würden die meisten von ihnen verottend in der Erde liegen, niemals ihres Potentials bewusst geworden und dann denen als Nahrung dienend, vor denen sie bereits im Leben wie Ungeziefer im Dreck gekuscht hatten. Ja, das half. Ihm war eine gewisse Zeitlosigkeit gegönnt, eine kleine Ewigkeit. Aber er konnte diese Ewigkeit nicht aus seinen Bewegungen, aus seinem Augenaufschlag oder seinen Zügen wischen. Manchmal wünschte er, er könnte dies. Viele der Menschen, aber auch andere, beluden diese Dinge an ihm oft mit ihren Erwartungen. Nicht selten Wünsche nach Nähe, gar romantische Albernheiten oder künstlerisches Verlangen. Und wenn er dann wahr sprach, da er nicht fähig war all das von vornherein zu bannen, so schlugen diese Dinge um. Zorn, Hass, Ablehnung. Nicht dass es ihn kümmerte. Er vermochte den Hafen nicht mehr niederzubrennen, nur weil er ein falsches Wort an die alte Frau, die wohl über ihre Waren wachte, verlor. Man hatte ihm das genommen, so wie vieles andere. Manches würde er sich wiederholen. Die Flamme wurde heller, eine andere, in einem anderen Raum, erstarb. Er strich weiter, einem Raubtier unter Schafen gleich. Und es fehlte nicht viel, da hätten seine Züge auch eben jenen Ausdruck vollends angenommen, da er das Mädchen, deren Name ihm im Vorbeigehen zugeraunt wurde, erblickte. Der Geruch, auf den er sich konzentriert hatte, vermischte sich nun mit ihrem Bild. Die Flamme flackerte und er stand vor der Tür. Das dunkle Haus. Erinnerungen konnten so schwächlich sein, so unzuverlässig. Dafür hatte er es erbaut. Auf einem dürftigen Fundament, in dem es chaotisch brannte. Er hatte Ordnung im Chaos geschaffen, das Feuer gebändigt und auch nun ließ er die Flamme auf ein erträgliches Maß schrumpfen. Das Wölfische, das Seltsame, das sich im Antlitz der Bestie im Nebenzimmer des erhellten Raumes wiederfand, verschwand sorgsam schnell aus seinen Zügen. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Augen. Er wollte sich bereits abwenden, sein kühler Verstand verbot ihm durch die Tür zu gehen. Die Augen waren Lüge. Und Lüge war... Aber dann sprach jemand zu ihm. Er sprach davon, dass er genau das suchte. Und er suchte es an einem Ort, der auf eben diesem erbaut worden war. Der nur so funktionierte. Das Lauernde in ihrem Blick konterte er zunächst mit der Kälte Canias in seinem. Es war vielleicht auch ein Anstoß. Immerhin ließ er kurz den Gedanken zu, was er mit ihr machen würde, wenn er nicht ausgebrannt wäre. Wenn er all die Macht noch einmal hätte und die Flamme zu einem tosenden Sturm auflodern lassen könnte. Was würde er mit einer kleinen Menschenfrau machen, die ihn so unverfroren mit Blicken herausforderte? Ihre Seele, ihr hübscher Leib, sie würden in seinem Feuer vergehen, zunächst qualvoll nach ihren Göttern schreiend, nur um dann die ersehnte Erlösung in eben jener Qual zu finden. Erschrocken wischte er diesen Gedanken hinfort, öffnete die Tür und ging hinein. Lügen waren einfach. Fast jedes sterbliche Konstrukt war einfach zu erbauen. Das machte sie so effektiv. Er suchte hier keine Ewigkeit. Und so blickte er zu Eva, milder, und sah jemand anderen, dort in dem Raum stehend. Der Geruch, der so ähnlich war und... Jemand, der ihn beobachtete, mochte meinen, eine Art Incubus hätte sich unter die Leute dort geschlichen, als er wieder mit einer Handbewegung eine Haarsträhne aus seinen Zügen strich. Dieses mal nutzte er die zunächst unbewusste Bewegung und schloss die Augen. Dabei glitten auch einige der Fingerspitzen über seine Lippen, womit Beobachter niemals ganz die Bewegungen selbiger zuordnen hätten können, noch die leisen Worte bei dem Lärm vernehmen. Als sich seine Augen öffneten, war sein Blick viel wärmer. Nicht freundlicher, sondern von einer stetig wachsenden Flamme im dunklen Raum entfacht. Manche mochten das Leidenschaft oder Verlangen nennen, für ihn war es eine gute Lüge. Vielleicht mehr. Sie hatte helle, grüne Augen, den seinen ebenbürtig. Es war viel Zorn in seinem Geist, als er in dem dunklen Raum vor sie trat. Und viel Verlangen. Sein Geist konnte gar nicht an der anderen Tür stehen und weiter über die Bestie wachen, nun, da er vor ihr stand. Jedes mal, wenn er ausatmete, hätte es auch Feuer sein können. Es brannte fürchterlich in ihm und er wollte sie zerstören, diese grünen Augen, das hübsche Gesicht, das seinem nicht unähnlich war, die Macht, die sie ausstrahlte. Aber er wollte sie anders zerstören, sich mit ihr in dem Feuer selbst vernichten, das durch all die Leidenschaft, die seinen unvorbereiteten Geist zu überfluten drohte, genährt wurde. Aber er hatte einen Grund so weit zu gehen. Also ging er weiter. Dann baute sich der dunkle Schöne vor Eva auf, der wohl einzigen, die aufgrund einer Lüge ihm im Blute ebenbürtig war. Dieses mal würde er nicht unterliegen. Sein Blick versprach ihr ungeheuerlich leidenschaftliche Dinge in dieser Nacht und hätte er sich selbst gesehen, hätte sein sonst rationaler, kalter Verstand wohl die Flucht ergriffen. [i]"Was ist dein Preis?"[/i] Fast hätte er noch [i]'Schwester'[/i] hinzugefügt, aber die Selbstbeherrschung ganzer Jahre konnte nicht völlig ausgemerzt werden. Seine Stimme war, wie immer, schmeichelnd für Zuhörer, vielleicht sogar etwas mehr, so wie eine sanfte Berührung, welche die Kopfhaut von manchen in ein angenehmes Prickeln tauchen konnte. Unbewusst, wie immer, war all das, aber nur er konnte das Kind dort in dem Raum sehen. Ein Kind das mit vielen Dingen gesegnet war, wie die Menschen sagen würden, und das diese Segnungen heute zum ersten mal seit langer Zeit wieder in Empfang nahm. Und erwartend blickte die Bestie durch seine Augen auf Eva, während sie dem kleinen Jungen eine Klaue auf die Schulter legte. |
11.06.2017 18:25:16 | Aw: [SL Nutmeg|Mael] Sinnessuche (#119099) |
Nutmeg | Evas voller, rosaroter Mund verzog sich zu einem fast schüchternen, gekonnten Lächeln. Schüchternheit gehörte nicht zu ihrem Berufsprofil. Aber sie konnte wirklich gut spielen, das musste man ihr zugestehen. Sie ging auf Mael zu und legte leicht eine Hand auf seine Schulter, streichelte diese durch den Stoff mit ihren langen, schlanken Fingern. Man musste es dem Etablissement wohl gut anrechnen, dass es Eva nicht in einen knappen Fummel oder Fetzen, der der Fantasie nichts mehr übrig gelassen hätte, gekleidet hatte. Sie trug stattdessen ein gelbes, luftiges Kleid, das nur den Ausschnitt und - dank Beinschlitz - die Beine betonte.Wenn sie schon teurer war, dann sollte der Kunde wohl Freude am Auspacken haben. Da dachte Colette auch ganz kulant und kundenorientiert. Eva ließ ihre Hand auf seiner Schulter ruhen und lachte auf seine Frage perlig. [i]Ich gehör' dir....für 500 Münzen die Nacht, mein dunkler Schöner.[/i] Und sie schaute ihn abwartend an, mit ihren dunklen Augen - als gäbe es nur ihn, als wäre er ihr Held. |