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03.06.2016 14:34:28
Den Göttern zum Trotz (#108850)
Mr.Hypello
Der Weg zur Freiheit I.

Was war das für ein überwältigendes Gefühl?
In Jahrzehnten der Knechtschaft und des Kniens, des Förderns, des Forschens und des Kämpfens hatte er nie diese Unbeschwertheit gefühlt. Gejagt von den Geistern der Vergangenheit, hatte er nie inne gehalten und war stets nur nach vorn geprescht. Keinen einzigen Blick hatte er darauf verwandt zu sehen, wer er war, was er war und was ihn dazu werden ließ. Stattdessen hatte er sich in blinden Aktionismus gestürzt. Trunken von Verbitterung und Selbstmitleid, übertünchte er den Schmerz mit Zorn. Zwang die geschundene Seele zum Schweigen bis sie schließlich barst und er sie sich aus dem Leibe riss. Was hatten Gefühle ihm je gebracht außer Verlustempfinden und Gram? Genährt und verblendet von jenen alten Schriften, die Lösungen versprachen, schien die Welt einfacher, greifbarer – begreifbarer. Ein mal in Schwarz und Weiß eingeteilt, muss man nur noch Position beziehen und dafür streiten um zumindest die Hoffnung auf eine selbstsüchtige, ersponnene und doch nur leer versprochene Erlösung hin zu fiebern. In der Hoffnung auf einen befriedigenden Lohn am Ende aller Tage. In der Hoffnung nicht gänzlich bedeutungslos gewesen zu sein. In der Hoffnung das eigene Leid sei nicht zwecklos gewesen. Ein hehres Ziel. Ein Sinn. Soviel Schmerz durfte nicht sinnfrei bleiben – selbst wenn es bedeutete ihm einen Sinn aufzwingen zu müssen. Und das tat er.
Verzweiflung war sein Antrieb gewesen, Zorn das Mittel der Wahl und nur weiteres Leid die Konsequenz.
In den Lehren der schwarzen Faust lag kein Trost - für niemanden. Doch schenkten sie Sinn, Identifikation und einen Fokus, wenn die gebeutelte Seele aufschrie und aus dem schmerzgeborenen Zorn nach Gerechtigkeit, nach Ausgleich verlangte – oder einfach nach Kompensation.

Die Welt war nicht fair. Es gab keinen Heilsweg, der vor Unheil schützte. Keine Lehre, kein Dogma, keine Vergebung und erst Recht keine Hoffnung.
Als einfacher Mann hatte er die Geschicke der Welt hingenommen. Ein kleines Licht, dankbar für alle Geschenke, die ihm gemacht wurden. Frau, Kind, ein mühsames doch ehrliches Leben. Harte Arbeit für wenig Brot und die Dankbarkeit jener, die er stets zu schützen versucht und zu lieben geschworen hatte. Treu der Glücksmaid in unschuldiger Hoffnung darauf einfach existieren zu dürfen. In Frieden, in Familie, in Liebe.
Doch alle Demut und Bescheidenheit halfen nichts, als die Schlachthörner ertönten und man Leib und Leben setzen musste um als Bauern auf dem Spielfeld für jene zu fallen, die ein Schlachtfeld selbst nie gesehen hatten. Ihre Interessen, ihre Ränkespiele, ihre Selbstsucht nach Macht war es, die Tausende das Leben kostete. Schuld oder Unschuld waren probate Urteile für jene, die diese Kategorien ersannen und jene, die da an den Toren der Festung der Freiheit klopften, waren definitiv schuldig. Wofür auch immer ist für den Mann mit dem Stahl in der Hand zweitrangig, denn er hat seine eigenen Gründe. Die Welt in Schwarz und Weiß. Im irrigen Glauben für das Gute einzustehen, zu verteidigen was Freiheit bedeute, ließ er Frau und Kind zurück. Ihr Leben, ihre Freiheit sollten unangetastet bleiben, dafür erhob er sich um zu streiten.
Doch als das Geklirr der stählernen Klingen verhallte, der blutgeschwängerte Schlamm getrocknet und der miefige Gestank eisenhaltiger Luft verweht war, war da nichts mehr.
Die ohnehin schon schäbige Behausung zertrümmert, die Lieben darin – geschunden und leblos.
Was also fühlt ein Mann, der nie viel begehrte, nichts verlangte, sich stets fügte, nur um letztlich alles zu verlieren was ihm in dieser Welt wahrhaft teuer schien? Schmerz und Ohnmacht.

Nie hatte er sich um die Geschicke der Welt geschert. Das war die Aufgabe der hohen Herren, jene, die sie alle doch zu schützen vorgaben. Jene, die im Auftrag der höchsten Göttlichen handelten. Jene, die wussten was Recht und Unrecht ist. Wer Schuld trug und wer nicht.
All das blinde Vertrauen hatte einen hohen Preis verlangt. Als er dort in den Trümmern kauerte, die leblosen Leiber seiner Familie fest in seinen Armen umschlungen hielt und immer und immer wieder die Glücksmaid nach dem Warum anwimmerte, war bereits etwas in ihm zerbrochen – gestorben.
Mit eiserner Mine hatte er sie zu Grabe getragen. Dort an jenem einst so blühenden Hügel mit dem Apfelbaum, an dem sie so oft gesessen, gelegen, gelacht und gelebt hatten. Dort wo nur noch verbrannte Erde und ein rußschwarzer Stumpf des Baumes stand.
Mit dem letzten Spatenstich blickte er hinauf in den durch schwere schwarze Wolken verhangenen Himmel, gegen den die Sonne an diesem Tag keinen Stich sehen würde und leistete einen Schwur.
Er würde sie suchen, sie finden, zu einer Antwort zwingen und zahlen lassen.

Von Rachsucht erfüllt, verließ er die Lande seiner Heimat auf der Suche nach jener Göttin, die ihm so ungerechter Weise dieses Schicksal zugedacht hatte. Doch was er finden sollte, war gewiss nicht die lächelnde Dame.
Sein Weg führte ihn auf eine ferne von Asche verhangene Insel, hinab in ein längst vergessenes Königreich. Allein, bewaffnet mit der Torheit der Narren und einem rostigen Zweihänder. Die Dunkelheit der Katakomben rief und empfing ihn. Die Kreaturen der Schwärze hatten ihn beobachtet, seit er es gewagt hatte ihr Heiligtum zu betreten. Doch erst als er weit ab des Eingangs war und jede Chance auf Flucht versiegt war, kamen sie näher. Das Schwert erhoben, bereit seinem Schicksal endgültig zu begegnen ereiferte er sich das Unbekannte herauszufordern, doch die Kreaturen hielten inne und lauerten bloß.
Eine tiefe, donnernde Stimme bohrte sich wie Nägel in seinen Geist und zwang ihn unter Schmerzen auf die Knie.
Die Stimme kannte ihn. Hatte ihn beobachtet. Wusste um sein Begehr.

In dieser Nacht beschloss er erneut zu knien. Weder für seine Freiheit, noch seine Lieben. In dieser Nacht kniete er für Macht. Für den Weg zu ihr und für die Antworten, die er gelobt hatte einzufordern. Als die schwarze Faust sich ihm annahm, begannen Jahrzehnte im Schwarz.
Und alles was sie gefordert hatte, war Treue und ein Auge – auf dass das Weiß für immer aus seinem Blick verschwinde.


...
04.06.2016 14:15:41
Aw: Den Göttern zum Trotz (#108877)
Mr.Hypello
Der Weg zur Freiheit II

In den folgenden Jahren sollte er Einblick in die Geschicke jener hohen Herren erhalten, die sich für Ränkespiele interessierten. Politische Auf- und Abstiege, Intrigen und zahlreiche Stimmen, die die alleinige Wahrheit für sich beanspruchten. Es spielte keine Rolle welchem Gott sie sich verschrieben nannten, sie alle nahmen die jeweiligen Schriften zur Legitimation ihrer Taten. Man aalte sich darin nicht so zu sein, wie die anderen. Man war dunkel, böse und im Recht. Dafür gab es schließlich genügend abstruse Regularien zur Hand. Das alles verdeckte nur den eigenen Geltungsdrang. Umso wichtiger oder gefährlicher man war, umso weniger hatte man zu befürchten. Respekt durch Furcht. In dieser Stadt hatte er erfahren, wie es ist an einem Ort ohne Gesetze zu leben. Bei einer Straftat wurde man nicht angeklagt, so man nicht erwischt wurde. Alles woran er einst geglaubt hatte, Ehrlichkeit, moralische Integrität und andere Fantastereien verloren hier zügig ihr Fundament. Ein Kontrast zu seinem vorherigen Leben, wie er stärker nicht sein konnte. Doch in einer Welt aus Halunken, Halsabschneidern, Meuchelmördern und einer Horde Priester, die alle Einheit heuchelten, konnte man nur auf eines mit Gewissheit vertrauen – Verrat.
Er brauchte nicht lange um sich den Gepflogenheiten anzupassen. Glaube war hier eine spröde doch nützliche Brücke. Die einzig ausdauernde Verbindung, die man hier noch erwarten konnte. Zumindest unter den Tyrannen hatte so etwas wie Loyalität noch Bestand. Zu dieser Zeit fand er in Glaubensfragen seinen Mentor in dem späteren dunklen Ritter der Insel. Über all die Jahre, so sollte es sich noch herausstellen, symbolisierte einzig dieser Mann die als vollkommen erachtete Personifizierung der Lehren des Tyrannos. Eine Konstante, die über lange Zeit sein Leben beeinflussen sollte.
Ihm hatte er es zu verdanken, dass sein Aufstieg so rasch geschah. Mit ihm unternahm er erste philosophische Unterhaltungen und auch er war der Ursprung, der Keim des Zweifels am Bestehenden, auch wenn der dunkle Ritter sich selbst nie dem Status quo entgegen stellte.
Seine Kontakte hatte er übersichtlich gehalten. Vertrauen war zu gefährlich um es an einen Pulk von fanatischen Intriganten zu verschwenden. Bücher hingegen waren weniger intrigant und offerierten Wissen. Wissen, welches die ach so ersehnte Macht nähren würde.

In den von Asche verhangenen und durchaus einsamen Jahren stolperte er zunächst über einen alten Bekannten, der seine Faszination weckte und ihn schon bald nie wieder loslassen sollte. Von dem er lernte - der ihn stärkte, ihn forderte und förderte, der ihn aussog und an ihm zehrte bis er sich aufzulösen drohte und dem er sich doch so verbunden fühlte, dass er ihn gänzlich willkommen hieß und ihn in sich aufnahm um jene dünne Linie zu überschreiten, die er in seinem Dasein noch wenige weitere Male überqueren würde. Ein alter Bekannter, der in der Regel unerbittlich und endgültig war. Ein alter Bekannter, der ihm Freund und Feind zugleich gewesen war. Der ihn in die ewige Knechtschaft geführt hätte, hätte er sich nicht seiner bemächtigt und ihn ein ums andere Mal betrogen. Das Spielen und Schachern mit dem Tod selbst war oftmals krude und makaber, doch wer gewann, dem lockte Macht. Wer den Tod nicht nur überwand, sondern ihn gar kontrollierte, wer sich ihm gegenüber zum Meister erheben konnte, der würde nie wieder Ohnmacht erfahren. Der würde sich dem Endgültigen entziehen und selbst zum Richter werden. Und das tat er.
Doch ein Sieg über den Tod hinterlässt Spuren. Wer sich der Endgültigkeit zu entziehen gedenkt und den Göttern und Teufeln ein Schnippchen schlägt, der kommt nicht einfach so davon.

...
13.06.2016 18:47:18
Aw: Den Göttern zum Trotz (#109097)
Mr.Hypello
Der Weg zur Freiheit III

Sein Trachten nach Macht und das ewige Hin und Her mit dem Tod forderten Tribut.
Der ohnehin schon alt und grau gewordene Mann stieß an die Grenzen der Belastbarkeit. Zusehens zehrten die Einflüsse negativer Energie und die permanente Nähe des Todes an seinem Körper. Entgegen all jener, die ihn zum Lehrmeister hatten und haben würden, hatte er nie einen solchen Luxus. Das Wissen, welches er sich über die Jahre aneignete, unterstand keiner zweiten Kontrollinstanz. Seine Experimente und Forschungen standen nie vor jemanden auf dem Prüfstand, der Fehler hätte entdecken können.
Als die Zeit ihn drängte, war er noch längst nicht soweit die Transformation vollends zu durchlaufen, doch die einzige Option war der Versuch.
An jenem goldenen Zweihänder, der ihm einst von einer mächtigen Orkin überreicht wurde, hatte er die nötigen Zauber unlängst erprobt. Zu quälend waren ihm all die Erinnerungen und Bilder seines früheren Lebens gewesen. Um sich vor seinem eigenen Wankelmut zu schützen, hatte er all die guten Gedanken, die Erinnerungen an seine Familie und all die Liebe, die ihm dieser Tage nur noch lästig und hinderlich erschien in eben jene Klinge gebannt. Ein Teil seiner selbst, den er längst für Tod erklärt und dann endlich in ein güldenes, geflügeltes Grab eingebettet hatte.
Der Erfolg dieser seelischen Abspaltung, ließ in ihm Hoffnung keimen das bevorstehende Experiment zu überleben.
Doch für diesen Schritt benötigte er ein Gefäß, welches wesentlich sicherer und härter sein musste als Gold. Schließlich war er im Begriff sein Leben zu retten, doch das bedeutete im Umkehrschluss eine Waffe gegen sich selbst zu erschaffen.
Zusammen mit einem langjährigen Gefährten entriss er das kostbare Metall der tiefsten Schwärze der Erde auf dass eben jener Gefährte es zu schmieden vermochte.
Und das tat er. Der meisterliche Barde und Gemmenschmied, der ihm durch seine Künste das Leben rettete, forderte nicht mehr als ein Leben nach dem Tod. Ein Leben, welches er nicht als hirntoter Kadaver schlurfend auf den Schlachtfeldern verbringen wollte. Er wollte eine Rückversicherung auf eine zweite Chance. Ein Versprechen wurde gegeben.

In der Nacht nachdem der Ring geschmiedet wurde, kniete er lange Zeit im Tempel. Er wusste, dass sein Ziel auch über die Gunst des Tyrannen zu erreichen gewesen wäre. Er kannte die Legenden und war lang genug mit der Materie vertraut um ihnen Glauben zu schenken. Würde er den kommenden Tag erleben, so würde er ein Werkzeug sein und all jenen den Weg bereiten, die den Pfad der schwarzen Faust beschritten. Sein Ziel sollte es sein mit aller Macht den Willen des schwarzen Fürsten zu erfüllen – dafür wollte er nur nicht sterben.

Das Ritual hatte bis in die späten Morgenstunden angedauert und ihn in einen langen Schlaf entlassen.
Es musste ein Mond ins Land gezogen sein, ehe er das Auge wieder öffnete und sich lebendig vorfand.
Doch ganz wie geplant, hatte es nicht funktioniert. Zwar hatte er überlebt, doch die Transformation, wie er sie erwartet hatte, schien nicht stattgefunden zu haben.
Er brauchte nicht lange um zu verstehen, was mit ihm geschehen war.
Was an Leben und Emotionen in ihm war, war nun nicht länger Teil seines Körpers.
Sein Körper war fortan erfüllt von negativer Energie, die das zum Sterben verdammte Fleisch auf seinen Knochen durchdrang und ihm die Existenz sicherte, während der klobige Ring aus dem bläulichen Metall an seiner skelettierten linken Hand grün vor sich hin glimmte.

Die Transformation war unvollständig. Er hatte sich lediglich konserviert und so den Zahn der Zeit, der an ihm nagte, gezogen. Es war gewiss nicht das Resultat, welches er sich erhofft hatte, doch zumindest war nun sicher, dass er keines natürlichen Todes mehr sterben würde. Das war zwar bei weitem nicht das Ziel, doch zumindest ein Anfang. Sein Verfall war gestoppt, nun galt es Versprechen zu halten.
14.06.2016 18:36:04
Aw: Den Göttern zum Trotz (#109137)
Mr.Hypello
Der Weg zur Freiheit IV

In den darauffolgenden Jahren hatte er über die Irrwege, die er entlang gegangen war nahezu verdrängt, weshalb er sich überhaupt auf die Reise begeben hatte. Die einstmaligen Versuche aufzubegehren fanden wenig Anklang. In all den bitterbösen Predigten und den Weltherrschaftsplänen, die da an seine Ohren drangen, verbarg sich nichts als leere Phrasen. Die Insel auf der er weilte, war von Uneinigkeit gebeutelt. Eher war man entschlossen seine Rivalen als den so breit propagierten Feind auszumerzen. Ein jeder redete so, wie es ihm die eigene Position am ehesten sicherte. Man sprach von Einheit während man die gewetzten Dolche bereits im Anschlag führte. Hier ging es nicht um hehre Ziele. Hier ging es um persönlichen Wohlstand und andere Eitelkeiten. Doch dies sollte keine Abnormalität darstellen, schließlich waren doch die Strukturen selbst so gestrickt, dass eine derartige Dynamik bedingten. „Die Dunklen mit Euch!“ Wie hatte er diesen Gruß gehasst und verflucht. So etwas albernes. Wer, der je in einem Tempel war, würde glauben, dass sich allein Tyrannos unter ein Banner mit dem Lügenprinzen stellen würde? Wer würde glauben, so er auch nur eine der Geschichten um die Götter kannte, dass diese mit Wohlwollen auf einen Ort blickten an dem man sie alle über einen Kamm scherte? Ihre Macht bezogen sie aus ihren Anhängern und diese waren sie gewiss nicht bereit zu teilen. Zumindest fand sich in allen ihm bekannten Büchern kein Hinweis auf die Gutmütigkeit und den Drang nach Gleichberechtigung in den Schriften der schwarzen Faust.
Doch hier war das an der Tagesordnung. Hier war es gar die gängige Religion. Männer und Frauen mit Überzeugung kamen auf die Insel und nur die aller wenigsten waren in der Lage sich diese zu erhalten. Die meisten fügten sich und gaben sich damit zufrieden von dem Märchen zu profitieren. Lieber solidarisierte man sich mit den Heuchlern als aufzubegehren. Doch auch das war nicht verwunderlich. Die härtesten Strafen wurden schließlich unter den eigenen Leuten verhangen, da zog man die Heuchelei vor, auch wenn sie keinen Sinn ergab. Sie war bequemer. Sicherer.
Er für seinen Teil hatte sich ebenfalls arrangieren müssen. Als er einstmals das Heft in die Hand nahm und den Schrecken über die Aschewolken hinaus auf die Inseln brachte, war der Rückhalt lächerlich. Zuletzt konnte er sich glücklich schätzen nicht von den eigenen Leuten für diesen Affront wider der ach so geschätzten Neutralität verbrannt worden zu sein.
Da hatte er begriffen, dass er nicht in der Lage war die Massen zu bewegen. Für ein solches Unterfangen bedurfte es wesentlich charismatischerer Leute. Mit Logik allein kam man hier ohnehin nicht weit, wie er verbittert festgestellt hatte.

In der Zeit griesgrämiger Verbitterung gab es nur Wenige, die seinen Weg kreuzten und ihn hoffen ließen. Wenige, die das Gewirr aus Lügen durchschaut hatten und sich nicht damit zufrieden geben wollten – die etwas bewegen wollten.
Da war diese eine Frau. Eine gefallene Ritterin. Einstmals von Rang und Namen und doch nun korrumpiert und ziellos. Sein alter Mentor hatte ganze Arbeit geleistet, diese arme Seele zu bekehren. Doch noch bevor er ihre Ausbildung beenden konnte, war er verschwunden und dies schien die Gelegenheit ein Versprechen einzulösen. Diese Frau war wie ein unkontrolliertes Feuer, dass nur darauf wartete in eine Bahn gedrängt zu werden. Allerdings war er nicht der Einzige, der ihr Potential erahnt hatte. Es schien als riss die ganze Insel sich um sie. Eine solche Person voller Tatendrang wüssten wohl viele lieber für statt gegen sich.
Doch sein Vorteil lag im Wahn der Fanatikerin selbst. Ohne großes Zutun betrachtete sie ihn als den Gesandten der schwarzen Faust. Sie erkor sich ihn zum Vertrauten. Eine glückliche Fügung, wenngleich sich das Vertrauen gut untermauern ließ, mit all den Intrigen und Folgen, die er ihr Voraussagte. Wenn man sich hier auf etwas verlassen konnte, dann war es Verrat und dieses mal, spielte er ihr die Ritterin in die Hände. Von großen Visionen und Prophezeiungen getrieben entfachte sie sogar in ihm den Glauben an einen so lang ersehnten Aufbruch.
Nach all den kleineren und größeren Persönlichkeiten, denen er den Weg so emsig bereitete und die alle so kläglich scheiterten, war die schwarze Ritterin die vielversprechendste. Wenn es jemand schaffen sollte die Tyrannen zu einen und eine neue Ära zu begründen, dann sie.
Doch auch ihr haftete menschlicher Makel an. Sie war gebeutelt von Emotionen. Hin und hergerissen zwischen blindem Fanatismus und der kümmerlichen Begierde nach Zuneigung und Akzeptanz. Letzteres ließ sie unvorsichtig werden. So unvorsichtig, dass sie alles was sie errungen hatte aufs Spiel setzte und schließlich verlor. Als auch sie scheiterte, beschloss er dieses Kapitel zu beenden. Menschen waren voll von Schwäche. Für ihre so hoch gepredigten Ziele, waren sie nicht bereit die Opfer zu bringen, die von Nöten waren um sie zu erreichen.
Als sie alles verlor wofür sie, wofür er stritt, blickte er zurück auf all jene, die er ausbildete und an deren Seite er sich über die Jahre gestellt hatte. All jene, denen er „den Weg bereitete“, wie es so schön in den Schriften der schwarzen Faust hieß. Von einer zynischen roten Maga, über einen schnurrenden Tiefling, hin zum schwarzen Ritter und der Ritterin – niemand war noch da. Selbst dieses kleine unscheinbare Geschöpf mit den aschblonden Haaren, welches ihm damals so vertraut vorkam und ihn unweigerlich an seine längst verdrängte und verstorbene Tochter erinnerte, war verschwunden. Und alles worauf sich sein Blick noch richten konnte, war der Sumpf, der ein Groß von ihnen verschlungen hatte. Eben jener Sumpf in dem er all die Jahre zugebracht hatte.

All die Zeit, all der Weg vergebens. Keine Erfolge. Keine Antworten. Stattdessen fand er sich wie ein Hamster in einem Rad wieder, welches scheinbar nie aufhören würde sich zu drehen. Hatte er den Tod überlistet um nun ewiger Zeuge des status quo zu werden? War es sein Schicksal immer und immer wieder Rückschläge zu erleiden? War das der göttliche Plan? Ihn mit Prophezeiungen und Visionen locken um ihn dann aufs Neue scheitern zu sehen? War dies alles vielleicht nur eine Komödie und er der Gaukler über den sich die Götter das Maul zerrissen und herzlich feixten?
Hatten sie untereinander gewettet, wie viel er ertragen könne, bis er es selbst beendete?
Diese Genugtuung würde er ihnen nicht lassen. Er wusste was ihn erwartete, wenn er diese Welt verließ. Ein Leben auf Knien um im Tode in Ketten zu kriechen. Was für ein perfides, sadistisches Spiel in dem er nur eine von abertausenden Figuren auf dem Feld darstellte um der Selbstherrlichkeit der Götter dienlich zu sein.
Nein, so würde es nicht weitergehen. Dieses Spiel musste enden.
Und er wusste bereits wie.

[spoiler]OOC: Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei jenen, die ihre Charaktere hier nur sporadisch und unzureichend dargestellt wiederfinden. Das ganze dient als grobe Zusammenfassung. Man mag mir nachsehen, dass mir die Zeit fehlt 6 Jahre detailliert nachzuzeichnen.[/spoiler]
15.06.2016 19:11:52
Aw: Den Göttern zum Trotz (#109164)
Mr.Hypello
Der Weg zur Freiheit V

Ein uraltes Übel war erwacht und legte die messerscharfen pechschwarzen Klauen an die Kehle der Zivilisation. Ein Übel, welches so mächtig und gefürchtet war, dass die sonst so klar erhaltenen Linien, die zwischen Weiß und Schwarz, zwischen Hell und Dunkel, Gut und Böse für seltene, gar einmalige Bündnisse verschwommen. Bald hatten alle hohen Herren der Inseln begriffen, dass das was dieses mal auf sie zukam, keine Gnade kennen würde.
Die Geschichten vom schwarzen Drachen waren berüchtigt und jedem bekannt.
Vom Sumpf aus, unweit der grünen Mutter oder Calaneth, wie die Elfen sie nannten, breitete sich sein Einflussbereich aus. Giftige Dämpfe waberten über den Knochensteg bis weit über die Grenzen der Sumpflande hinaus. Kein Wesen vermochte es sich lang genug darin aufzuhalten um auch nur einen Blick auf das Innerste dieses Unlands werfen zu können.
Der Nebel drohte zum großen Gleichmacher zu werden. Er unterschied nicht zwischen Mensch oder Elf noch zwischen Reh oder Wolf. Was nicht schon tot war, würde es sehr bald sein und diese Gewissheit trieb die Lebenden zu eigenwilligen Methoden und Allianzen.

Zu dieser Zeit war er Teil eines Lagers, welches zur Untersuchung des Nebels entsandt worden war. Ein Lager, welches die schwarze Ritterin zu leitete und sich so jämmerlich hatte entreißen lassen.
Nach einem gescheiterten Vorstoß in den Sumpf bei dem er die Bekanntschaft mit einem der untoten Generäle des Drachen machte und von jenem vor allen Augen erniedrigt wurde um erneut Ohnmacht zu erfahren, brauchte er eine Weile um seine nächsten Schritte zu bedenken.
Sein Ziel hatte er nicht aus dem Auge verloren, allerdings war diese Begegnung nicht der Einstand den er sich erhofft hatte. Dennoch konnte er sich ein Bild von der Macht des schwarzen Tur machen, der in der Lage war einen solch unnützen, geistlosen Haufen Knochen, wie diesen General mit soviel Macht zu beseelen, dass er mühelos die Drakonier und Priester überwandt, die es wagten in das Territorium des Drachen vorzustoßen.
Das Lager hatte seinen Pakt mit dem Drachen geschlossen, doch das sollte nicht für ihn gelten.

Es war ein grünlicher Halbork, der nur so vor Eitelkeit und Selbstherrlichkeit strotzte, der ihm unfreiwillig den Weg wies. Das Orkblut war ein Späher des Lagers doch von den meisten schien er nur belächelt zu werden, weshalb man seinen Worten wohl wenig Bedeutung beimaß und eine doch brisante Information einfach ignorierte. Niemand kümmerte das Schicksal des Halborks, auch ihn nicht - aber seine Geschichte weckte sein Interesse.
Einem Orken bis zu einem gewissen Grad zu vertrauen, war ihm stets leichter gefallen. Lügen und Intrigen lagen ihnen einfach weniger im Blut. Bevor ein Ork versucht einem eine Lüge aufzutischen, spaltet er einem lieber den Schädel bevor er sich versucht verbal zu winden. Das hatte in gewisser Weise etwas aufrichtiges.
Das Orkblut berichtete von einer Begegnung fernab des Sumpfes in den Tiefen einer Krypta im silbernen Wald. Dort war er auf einen halbelfischen Magier, einen Nekromanten getroffen, der seiner Gefährtin ein krudes Spiel aufzwang. Die Einzelheiten interessierten ihn nicht und auch das Spiel hatte keine Bedeutung. Doch die Beschreibung des Mannes zeichnete das selbe Bild eines wahrhaft entscheidenden Gehilfen des Drachen und dazu noch von einem Kollegen, wenn man es genau betrachtete.

Als das Lager ruhte und die wenigen Wachen ihre Posten eingenommen hatte, verließ er die Truppe und kehrte zurück zur Ascheinsel.
Nun sah er den Weg glasklar vor sich. Während die Narren weiter ihren kleinen Plänen nacheiferten, so verfolgte er den seinen. In den nasskalten Gemäuern seines Labors traf er die letzten Vorbereitungen für ein verheißungsvolles Treffen.
Es würde enden! Koste es, was es wolle!
29.06.2016 22:46:27
Aw: Den Göttern zum Trotz (#109588)
Mr.Hypello
Der Weg zur Freiheit VI

Am darauf folgenden Morgen wehte eine steile Brise um die Küste Falathorns. Das Meer stieß griff im Intervall nach dem sandigen Strand und ließ ihn für Bruchteile eines Stundenglases spüren wie vergessen er sein würde, sollte die See sich je bequemen ihren angestammten Platz aufzugeben.
Junge Bären tollten durch die vom Raureif ergriffenen Moonblumen, die durch das chaotische Spiel in ihrem malerischen Stillleben gestört wurden.
In der morgendlichen von Menschenhand verschonten Idylle stieben aus den Ruinen eines längst verfallenen Brunnens kleine blaue Fünkchen, die sich zusammentaten um ein mannshohes Gebilde zu formen. Umso näher die Teilchen rückten, umso dichter sie drängten umso heller und gleißender wurde das Licht, das von ihnen ausging.
Als das Licht die Teilchen vollends verdrängt hatte, breitete sich Finsternis im Kern des Gebildes aus und schluckte alles was da hell war. Die Finsternis, die das Licht verschlang, formte ihn und gab ihm Gestalt.

Wie er über die feuchten Wiesen in der dießigen Morgensonne schritt, fand das Spiel der Bären abrupt ein Ende. Sie witterten ihn - oder viel mehr was er brachte. Eine Mutter drängte ihre Jungen schützend hinter sich und musterte den Eindringling dieser Idylle argwöhnisch und bereit zum Äußersten. Doch er hatte kein Interesse an ihnen.
Schritt für Schritt näherte er sich den Ausläufern des Silberwaldes am Rande der Klippen und Schritt um Schritt ächzte das Grün zu seinen Füßen bei seiner Berührung. Karg und welg blieb zurück, was sich seiner nicht entziehen konnte.

Auf seinem Weg durch den Wald blieben ihm die sonst so angriffslustigen Worge fern. Diese Wesen hatten von Natur aus ein Gespür was Beute war und was nicht. Er war es auf so viele Weisen mit Sicherheit nicht.
Wie er die Lichtung betrat auf der der steinerne Eingang in die Tiefen, die er suchte zu finden war, standen zwei schwer gerüstete Personen bereits dort. Schwarz und Rot waren ihre Farben, Ork und Dunkelelf ihre Ahnen - beides Bastarde, die ihr Leben einem höheren Zweck verschrieben hatten. Einem Zweck, der sie zwar nicht aus ihrer misslichen Lage befreite, aber doch darüber hinwegtünchte nur ein Halbblut zu sein.
Rekrutiert vom schwarzen Ritter, gedrillt vom blutdürstigen Kriegspriester und abgestellt von ihm zu seinem Geleit.
Es waren keine Worte nötig. Ein ehrfürchtiges Nicken und das Abwarten eines Signals, dann konnten sie ihrer Bestimmung folgen. Sie waren nicht hier um Fragen zu stellen. Ihr Recht auf eigene Gedanken hatten sie verspielt um sich zugehörig zu fühlen. Um einen Sinn zu haben. Um das Greifenbanner zu tragen. Sie waren da um zu töten oder um getötet zu werden.

Nach einem Nicken stemmte der Halbork die schwere Güttertüre in das Verließ auf und der Halbdrow huschte behände hindurch um das Gebiet zu sondieren.
Als der Alte durch die Pforte getreten war, krachte das Gatter scheppernd hinter dem hellhäutigen Orkblut hinab. Eine gewaltige Axt vom Rücken ziehend, die in ihrer Größe den alten Magier sogar überstieg, gesellte sich der bullige Streiter zu seinem Kameraden an die Front.
Nicht mehr als ein paar belebte Knochen begegneten ihnen auf den oberen Ebenen dieser schier unendlich reichenden Gänge in die Tiefe.
Die allermeisten klappernden Gebisse zerschellten bereits auf den steinernen Bodenplatten und verloren ihre letzten Zähne noch ehe sie überhaupt in Reichweite des Halborks waren.
Im Dunkeln wusste der Bastard mit dem Dunkelelfenblut zu glänzen.
Ein schmales, süffisantes Lächeln umspielte seine Züge, wenn er seinem trägeren Kameraden voraus sein konnte. Ein Einsatz wie dieser unter einem der hohen Gelehrten schien für ihn der beste Augenblick um mehr als nur einer von vielen zu sein. Ein Moment sich zu beweisen. Ein Moment nachdem man vielleicht ein anderes hübsches Bildchen auf die Brust gepinnt bekam. Vielleicht aus Bronze, oder Silber oder gar Gold? Die Fantastereien über Bedeutungslosigkeiten kannten keine Grenzen.

Es dauerte eine kleine Ewigkeit in der sie durch modrige Gänge mit kalter feuchter Luft staksten, über Ellenbreite Brücken schritten, die so tief waren, dass selbst das Echo eines hinabfallenden Steins vom Dunkel verschluckt wurde, ehe es von seiner Existenz künden konnte, ehe sie den Raum mit der massiven steinernen Pforte erreichten. Zahlreiche Runen waren in den ehrwürdigen Stein gemeißelt worden, die bereits so alt waren, dass manche von ihnen bereits wie Risse im Fels wirkten.
Er kannte diese alten Gemäuer und er wusste was sich hinter dieser scheinbar für die Ewigkeit geschaffenen Pforte befand. Hier hatte er bereits einmal ein Leben gelassen und an diesem Tage standen die Chancen gut, dass sich die Geschichte wiederholen sollte.

Die Gardisten hatten neben dem Portal Stellung bezogen und tauschten einen letzten bestärkenden Blick - teilten einen letzten entschiedenen Atemzug, ehe die knochige Hand sich auf den kalten Stein legte und ein ihnen fremdartig anmutender Laut aus der Kehle des Alten, gefolgt von dem Bröseln des sich aneinander knirschenden Gesteins, die Stille der alten Krypta durchbrachen.
Entschlossen schlüpften die halbblütigen Soldaten in die Kammer.
Der Raum war imposant weitläufig und erleuchtet von zahlreichen Feuerschalen, die den Blick auf ein steinernes Podium und die Skulptur eines Drachenschädels ermöglichten.
Der alte folgte den beiden bis ins Zentrum der Kammer, hin zum Podium.
Argwöhnisch spähten die Blicke der Gardisten umher und mühten sich, sich an die plötzlichen Lichtquellen zu gewöhnen, während der Alte auf dem steinernen Gipfel inmitten der Senke, die der Raum bot, Position bezog.

Dann geschah alles ganz schnell.
Ein Zischen und Fauchen kündete viel zu kurz das nahende Übel an. In den Schatten der Kammer hatten sie gelungert und gelauert bis das ungleiche Trio sich so tolldreist in ihre Mitte gewagt hatte. Von hier an, gab es kein entkommen.
Wie eine Horde stürzten die ausgehungerten Vampire über sie herein.
Der Halbdrow ließ seine beiden Klingen durch die Kehlen der Gierigen sausen, während der Halbork mit wilden Drehungen Gliedmaßen von allem riss was sich seiner mächtigen Axt zu nähern wagte.
Vom Podium sausten Feuerbälle in die Massen der Untoten und rieben sie auf.
Doch es schien als spie die Dunkelheit für jeden zerschlagenen und verbrannten Leib vier Neue aus.
Die Größe des Muskelbepackten Orkblutes wurde ihm schließlich zum Verhängnis als der Rausch in den er sich gestürzt hatte ihm langsam an die Substanz ging. Es hatte ihn nur ein kurzes Taumeln gekostet und die bissigen Widersacher stürzten sich auf das wankende Bein. Als sich die ersten in die wenigen offenen Stellen an den Kniekehlen verbissen hatten, knickte er ein und wurde von Todbringenden Bissen begraben.
Wie der alte Magier sich des Falls seiner Defensive bewusst wurde streckte er die Arme weit von sich, während der Halbdrow weiterhin flink zwischen allen zu sein schien und Hie und Da vernichtende Schnitte austeilte.
Aus dem grauschwarzen Gedränge stürzte plötzlich ein einzelner Vampir über seine Clangeschwister auf das Podium zu.
Der Kiefer war weit aufgerissen und offenbarte die vom Jahrzehnte des Mordens und Trinkens geröteten Zähne für die diese Abart so bekannt ist.
Das schneidig lange schwarze Haar, den blutdürstenen Blick und den aristokratischen Bart erkannte der Alte in dem Bruchteil, wie er den Untoten sah.
Diesen einen kannte er. Ihn hatte er einst in den Sumpf gejagt um Nachforschungen anzustellen und ihn hatte er, als dieser dort geschlagen wurde aus der Krypta in Halblingsdorf aufgesucht und befreit. Dort war es als dieser, sein Jahrzehnte langer Diener ihm den Tod versprach. Sklaverei war etwas, das selbst die Untoten anzuwidern schien.
Doch hier und jetzt, würde er nicht sterben und erst Recht nicht durch die Hand dieses niederen Wesens.
Wie der Magier die ausgestreckten Arme zusammenschlug, schossen die Flammen aus den Feuerschalen hervor und formierten sich in einer Feuersbrunst, die den ganzen Raum in den neunten Kreis der Hölle zu verwandeln drohte.
Geistesgegenwärtig hatte der Halbdrow sich an das Podium gedrängt um dem Sturm zu entgehen, der diesen Kampf ein für alle mal beenden sollte.
Das so vertraute Gesicht des untreu gewordenen Dieners war vom Schock zerfressen und zu erstarrt um auch nur einen verwunderten oder schmerzzerrissenen Laut von sich zu geben, ehe es von der tödlichen Hitze einfach weggewischt wurde.

Als das Feuer sich legte und zurück an seinen angestammten Ort züngelte, waren Wände und Decke bereits in Ruß gehüllt. Die letzten, sich ergebenden Ascheflocken gesellten sich auf den Boden.
Ungläubig und zögernd erhob sich der Halbdrow am Fuße des Podests und blickte auf den nahtlosen Teppich aus schwarzgrauen Flocken. Soviele Geschichten, Schicksale, Leben die alle auf die selbe Weise ihr Ende fanden. Als Fußbodenbelag.

Ein Moment der Stille folgte, der von dem schweren Geruch nach verbranntem Fleisch einen makaberen Beigeschmack erhielt und jäh von einem untypischen Geräusch zunichte gemacht wurde.
Ein langsames Klatschen.

"Ich hatte mich schon gefragt, wie ich sie loswerde. Sie hatten ohnehin ausgedient."

Eine schmierige doch wohlmodulierte Stimme schnitt sich durch den Raum.
Der Alte trat indes vom Podest hinab in die Asche. Der Halbdrow hingegen huschte ihm bereitwillig an die Seite, die Klingen kampfbereit.
Als sich die Gestalt des kleinen hageren Mannes mit den angespitzten Ohren und den ebenmäßigen Zügen ins Licht schob und eine Wolke aus Asche vor seiner Robe davontrieb, kehrte sogar das süffisante Lächeln des Gardisten zurück.
Nach einer ausweglosen Situation wie jener, die er gerade überstanden hatte, schien der Halbelf am anderen Ende der Kammer alles andere als angsteinflößend.
An der Seite eines Mannes, der gerade eine ganze Kammer Vampire einäscherte, musste er sich unbesiegbar fühlen.

"Nun, was wollt Ihr hier?"

Tönte der kleine Halbblütler am anderen Ende der Kammer.
In den blutroten Augen des Drow schimmerte Angriffslust. Seine spitzen Ohren pulsierten immer noch von dem Blutrausch der Schlacht und jetzt noch einem Mischling, der das verhasste Elfenblut in sich trug die Kehle aufzuschlitzen, das würde das Sahnehäubchen beeuten. Und ganz sicher ein hübsches güldenes Anstecknädelchen.
Als er die Hand des Alten auf seiner Schulter spürte und die entschiedene Antwort des Magiers hörte, zog das süffisante Lächeln einen noch selbstgerechteren Bogen nach oben.

"Rache!"

Bei diesem Wort wollte der Halbdrow lospreschen, dem anderen Mischblut den Garaus machen. Sich einen Namen machen. Einen Orden verdienen. Seinen Zweck erfüllen.
Schließlich ist der Zweck des Soldaten das Töten - oder getötet zu werden.
Als die Knochenhand von seiner Schulter glitt, sackte er erst auf die Knie und fiel dann vornüber um eins zu werden...mit dem Fußbodenbelag.
11.11.2016 12:45:19
Aw: Den Göttern zum Trotz (#112916)
Mr.Hypello
Freiheit I


Als der Alte zur Besinnung kam, herrschte Dunkelheit um ihn herum.
Er wusste nicht wo er sich befand, doch fühlte er keine innerliche Irritation, keine Sorge und keinen Zweifel.
Weder war er sich des steinernen Bodens unter seinem Leib gewahr, noch der fauligen Feuchtigkeit, die die Luft hier verdarb.
Seine trägen zerklüfteten Lungenflügel schienen sich nicht damit abzumühen den Sauerstoff aus diesem Mief zu extrahieren und das alte hart gewordene Herz schien seine lästige Akkordarbeit eingestellt zu haben.
Die leidlichen Fesseln seines zerfallenden Fleisches schienen endgültig überwunden, als er seinen nunmehr unbeseelten Leib unter sich auf dem Boden liegen sah.
Der Halbelf und der Schwarze schienen Wort gehalten zu haben.

Langsam wurde das Bild seiner leblosen Hülle unter ihm kleiner als er begann aufzusteigen.
Frei von seinem Körper und jedweder Materie glitt er durch die nasskalten Steine, die den Himmel der Katakomben bildeten.
Die unzähligen Kleinstteile, die alle Materie bildeten, ließen ihn hindurchwaten wie durch einen still liegenden See.
Und so trieb er weiter hinauf. Durch Stein, Fels und Erde; Gras, Strauch und Baum. Durch die hohen Kronen mit all ihren kräftig grünen Blättern. Vorbei am Brummen und Knurren der Wölfe. Vorbei am Gezwitscher der Vögel in ihren Nestern und dem Gekreisch der lauernden Adler, der nahen Küste.
Immer weiter bis die Baumwipfel kleiner wurden und zu einer dichten leuchtendgrünen Masse verschmolzen, die hie und da von steinernem Grau durchfurcht wurde.

Als er die Wolken erreichte, hielt er inne und besah sich das weitläufige Umland.
Er hätte diesen Ausblick als überwältigend beschrieben, wenn er sich denn so angefühlt hätte.
Doch so wie auch das Körperliche nicht länger seinen Geist marterte, blieb er auch frei von Emotionen.
Dies war eine Freiheit im Frieden. Fernab humanoider Zerissenheit.
Er war nicht länger gebeutelt von Empfindungen und nun endlich klar im Geiste.
Der Durst nach Rache schien im fern und sogar albern. Seine Geschichte bemittleidenswert und doch nur eine unter unzähligen.
So wie er nun war, spielte das alles keine Rolle mehr.

Er spähte in die Wolken, dort hin, wo er die Burg hoch oben im Gebirge wähnte.
Einen Gedanken später glitten die Wolken auseinander und gaben den Blick auf das ehrwürdige Gemäuer frei.
Beflügelt durch dieses Schauspiel sah er an sich hinab als wäre er visuell zu erfassen.
Einen weiteren Gedanken später blickte er auf fluffig weiße Hände und Beine. Er materialisierte sich auf Wunsch in Wolken.
"Faszinierend!" dachte er bei sich und ließ kleine Blitze durch seine grau werdenden Hände huschen.
Befreit von Euphorie, dauerte es nicht lang bis er begriffen hatte, was der Halbelf und die Magie des Schwarzen aus ihm gemacht hatten.
Sein Geist schien frei über alles verfügen zu können, was mit dem Gewebe in Verbindung stand. Ein übermächtiges Konstrukt aus Verstand und Magie.
Das, so war er sich sicher, musste gottgleiche Macht bedeuten.
Die Abmachung mit dem Drachen schlich sich langsam aus seinem Bewusstsein.
Zu klein und zu unwirklich erschienen ihm die Ränkespiele um das Schicksal der Insel in Anbetracht der sich nun auftuenden Möglichkeiten.
Zunächst galt es diese neue Existenz zu erproben.

Und so glitt er aus seinem aus Wolken geschaffenem Antlitz und trieb hinab zum Elfenwald.
17.11.2016 12:52:37
Aw: Den Göttern zum Trotz (#113126)
Mr.Hypello
Freiheit II

Er glitt hinab und hinein in einen der zahlreichen uralten Bäume, die in der Calaneth beheimatet waren. Die Geschichte, die dieser stille Zeitgenosse erlebt haben musste, hätte vermutlich ganze Bände füllen können. Bedauerlicherweise war es ihm nicht möglich diese Geschichte zu erfahren. Zu widernatürlich war seine Existenz als dass der Baum seine Anwesenheit in Einklang zu seinem Naturell bringen würde.
Im Gegenteil. Viel mehr schien Gevatter Grünblatt sich zur Wehr setzen zu wollen.
Der ungebetene Gast konnte bezeugen, wie die Säfte des Baumes zu regem Treiben angeregt wurden. Die Rinde verhärtete allmählich, als würde sie sich gegen äußere Einflüsse schützen wollen. Ganz so als befürchte der Baum seine Rodung.
Doch der Alte blieb unbeeindruckt. Für ihn wirkte dieser erhabene alte Zeitenbeobachter eher jämmerlich in seinem Versuch ihn abzuweisen.

Doch das waren längst nicht alle Signale, die da deutlich wurden.
Ein Eichhörnchen schien völlig verschreckt sein Astloch zu verlassen und flitzte wie ein roter Blitz über die Äste in die umliegenden Wipfel. Eine Vogelmutter ergriff unter schmerzhaftem Getöse das Nest ihrer frisch Geschlüpften. Diese wiederum fiepten panisch um ihr Leben.
Noch blind und ahnungslos stürzten zwei der drei Jungtiere aus dem Nest um ihre finale Bekanntschaft mit der Schwerkraft zu machen.
Das letzte würde ihnen folgen oder verhungern.
Ein Fuchs, der seinen Bau zwischen dem prächtigen Wurzelwerk des Baumes eingerichtet hatte, preschte aus den Wurzeln und dem umliegenden Dickicht hervor. Von Panik gepackt, willens dieser Widernatur so weit wie möglich zu entkommen, stürmte er blindlings in die hungrigen Fänge einer schwarze Pantherin, die sich in einiger Entfernung gerade am Flussufer befand und ihr spontanes Glück nicht hinterfragte, sondern es nur ergriff.
Zahllose andere Tiere, die in unmittelbarer Nähe waren taten es Eichhörnchen, Vogel und Fuchs gleich. Sie trieben hinaus aus den Rindenfurchen. Käfer, Würmer, Raupen.

Seine unheilige Präsenz hätte ihm nicht eindrucksvoller vorgeführt werden können. Doch ein gewisses Maß an Ablehnung hatte die lebende Welt ihm schon seit Jahren entgegen gebracht. Nun schien er für das eben erwachsene Leid allein durch sein Dasein verantwortlich zu sein. Doch das empfand er nicht so. Wäre er es nicht gewesen, dann hätte der nächstbeste Jäger eine ähnliche Kettenreaktion hervorrufen können.
Und auch wenn er sich in der Position erkannt hatte, die diese Folgen ausgelöst hatte, so nahm er mehr mit als diese Erkenntnis.
Dieser Baum hatte als Lebenswelt gedient, bis er ihn mit seiner Präsenz verseuchte.
Doch anderen Tieren kam dieses Unglück nur gelegen. So wie dem Panther oder dem Raubvogel, der die im Moos gelandeten Vogeljungen erspähte.

Die Natur kannte kein Mitleid. Das brauchte sie nicht. Sie funktionierte ohne weitere Überlegung und stellte sich selbst oder ihr Tun nicht in Frage. Die meisten Tiere agieren aufgrund einfacher Empfindungen. Sie fürchten sich - sie fliehen. Sie sind hungrig - sie fressen. Auch wenn letzteres bedeutete ein Leben zu nehmen, so kamen Tiere nicht auf die Idee es als einen Mord zu bezeichnen. Tiere töten Artübergreifend. Jedoch nur selten innerhalb der eigenen Art und wenn dann niemals ohne Zweck oder gar zur reinen Unterhaltung.
Diese für die zivilisierten Rassen so unterentwickelten Tiere schienen in ihrem Sein wesentlich ausgeglichener, ausbalancierter als es Zwerge, Elfen und Menschen waren.
Eben diese Balance schien durch humanoide Einwirkung eher beeinträchtigt.
Kriege, wie sie die Humanoiden erfunden hatten und jene wie der in dem er seine Familie verloren hatte, waren widernatürlich. Damals hatten sie zwar kein prunkvolles Leben geführt, doch sie konnten in Frieden und ohne Not leben.
Als die zahlreichen Schlachten zahllose Landstriche verwüsteten, kam die Not.
Hier war es nicht um Essentielles gegangen, wie fressen oder gefressen werden.
Es ging um die Interessen weniger für die die Schicksale vieler in einem makaberen Tausch bereitgestellt wurden.
Die Blutrünstigkeit, die in Kriegen zu Tage tritt, verbunden mit der irrsinnigen Selbstüberschätzung und der Anmaßung man sei der Nabel der Welt degradierte die Humanoiden für ihn.

Er hatte sich in diesem Baum eingenistet um zu beobachten, um zu erfahren. Dabei waren ihm die Folgen dieser Tat gänzlich gleichgültig, schließlich musste er die Folgen nicht ertragen. Aus eben dieser humantypischen Ignoranz heraus funktionierte das Naturell seiner ehemaligen Artgenossen.
Als er aus dem Baum hinausglitt, betrachtete er sein Werk. Es war nichts worauf es sich gelohnt hätte stolz zu sein, doch brachte es Erkenntnis.
So wie er diesen Baum, diese kleine Lebenswelt, unheilbar mit seiner Präsenz gezeichnet hatte, so stand er stellvertretend für die Art, der er entstammte.
Diese Welt hier war nicht gut oder böse. Sie funktionierte. Und mehr war nicht zu verlangen.
Doch einen Fehler, so glaubte er, schien er entdeckt zu haben.
Einen Fehler, den er beheben würde.

Und so glitt er wieder hinauf durch die Wipfel bis zu den Wolken und nahm Kurs auf Mirhaven.
19.08.2017 12:46:03
Aw: Den Göttern zum Trotz (#120770)
Mr.Hypello
Freiheit III

Wie er der Meeresluft weiter entgegentrieb, ließ er den Blick über das weite Land wandern.
Von hier oben wirkte das ganze friedlich. Zwischen dem Grün waren gelegentlich ein paar schwarzrote Sprenkel, die sich in der Nachmittagssonne aalten.

Und da krallte sich auch schon langsam die Hafenstadt aus dem Horizont.
Tatsächlich verfolgte er kein bestimmtes Ziel. Im Moment reagierte er eher auf jeden Reiz und folgte ihm. So glitt er vom Geruch des Meeres hin zum Feierabendgetöse des Hafens.
Als er auf Mirhaven zutrieb, dämmerte bereits der Abend. Noch immer erklangen herrische Anweisungen garniert mit unflätigen Bemerkungen und dem Lärm metallischer und hölzerner Gerätschaften, die an ihre Plätze für die Nacht verfrachtet wurden.
Ein paar Fischer befestigten ihre Koggen und auch der letzte Paternoster wurde gesichert und schließlich verlassen.
Die wenigsten Leute hier hatten jemals eine Schule besucht. Das brauchten sie auch nicht, da die meisten ihr Handwerk traditionell von ihren Vätern erlernt hatten. Manch einer verdingte sich als Tagelöhner, packte an wo man Hände brauchte und schuf was zu schaffen war.
Jeder der hier Anwesenden tat was in seinen Kräften stand um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Harte Arbeit für wenig Gold. Die wenigsten hatten dabei Zeit noch Lust oder Mittel sich mit den übernatürlichen Gegebenheiten der Insel auseinander zu setzen.
Zumal die Insel dafür bekannt war von Ereignissen apokalyptischen Ausmaßes gebeutelt zu sein und diese Schrecken überstiegen den Horizont und die Fähigkeiten der einfachen Brotverdiener um Längen.
Doch für solcherlei Probleme gab es Helden und Götter.
Man hatte jene, die Halt spendeten oder jene denen man die Schuld zusprechen konnte. Dabei hinterfragten die wenigsten ihren meist anerzogenen Glauben und die die es taten waren meist Priester, die sich schulten ihre Version der Welt zu verkünden und zu vertreten. Doch von ihnen fand man hier am Hafen nur sehr wenige. Die schwarzweiße Welt gestaltete sich hier so grau, dass es schwer war einzelne farbintensive Pigmente auszumachen.

Doch für ihn spielte es keine Rolle zu welcher Seite sie sich zählten. Was für sie wahr und was recht war. Für ihn waren sie bereitwillige Spielbälle eines Geschlechts, welches längst in Vergessenheit hätte geraten sollen. Wie weit war es schon mit der moralischen Integrität und den herab gebeteten Tugenden göttlicher Dogmen, wenn die Realität sie erst eingeholt hatte? Wenn das Brot ausblieb und der Nachbar es nicht missen würde? Wäre der Hunger stärker als die Tugend? Gier aus Not gewachsen mächtiger als devote Entsagung? Für ihn war klar, dass sie sich etwas vor machten. Dass sie den leichten Weg gewählt hatten. Auf alle Fragen standen Antworten aus dem Gebetsbuch parat und glücklicherweise gab es so viele davon, dass sich jede Tat rechtfertigen ließ. Freilich wäre Tyr über Diebstahl empört doch Maske hätte seine helle Freude daran. Mit all ihren Regeln hatten diese armen Gläubigen sich selbst der Freiheit des Denkens – des Seins – beraubt und degradierten sich zu Figuren auf einem Spielfeld, dass sie nicht ein mal sahen.

Wie er so über dem Hafen trieb und seinen Gedanken bei den Beobachtungen, die er machte, nachhing hätte er milde lächeln können, so er einen Ausdruck an Emotion in dieser Art für sinnvoll erachtet hätte. Ao, der Allvater, der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega selbst hatte sich von der Schöpfung abgewendet und wer hätte es ihm verdenken können? Er überließ das Feld seinen närrischen Kindern, die in selbstgerechten Fehden ganze Landstriche von Menschen mobilisierten um ihre eigenen Kämpfe auf fremden Rücken austragen zu lassen. Der erste Gott hatte offenbar begriffen, dass das Projekt des intelligenten Lebens gescheitert war.
Jeder von diesen Leuten dort unten hatte seine eigenen Kämpfe auszutragen und doch erkoren sie sich göttliche Ikonen aus um ein Stück Eigenverantwortlichkeit auszulagern und das an gerade jene, die unzivilisierter nicht sein könnten.

Langsam, still und vor allen Augen verborgen trieb er hinab in die Gassen um einzelne Schicksale zu erfahren. Als er hinab glitt, so fiel seine Präsenz an diesem Ort weniger ins Gewicht als es noch in der Calaneth der Fall war. Ratten stieben aus den Ecken und verschwanden in den Kanälen. Katzen überwanden ihren Jagdtrieb und flüchteten sich in Gassen und Gebüsch. Die wenigen Menschen, die er passierte spuckten und rotzten auf die Pflastersteine, wie sie es wohl ohnehin getan hätten oder erschauerten kurz, sahen sich um und gingen zügig weiter. An einem Ort wie diesem Hafen, an dem an jeder Ecke ein Beutel- oder Halsabschneider lauern konnte, waren das keine unüblichen Reaktionen. Unheil war man an diesem Ort gewohnt.
Ein schwaches Licht drang aus einem schief gesetzten Fenster irgendwo in einem der unwirtlicheren Gegenden des Hafens.
Von diesem Impuls gereizt, schwebte er darauf zu und glitt durch das modrige Mauerwerk aus dem die Lichtquelle stammte.

Der Raum maß um die sieben Ellen im Quadrat.
Im Zentrum stand ein dreibeiniger Tisch, der behelfsmäßig durch gesammeltes Treibgut stabilisiert wurde. Drum herum befanden sich zwei ungleiche Stühle und ein dreibeiniger Schemel, der ebenfalls provisorisch zusammengezimmert worden war.
An einer Stirnseite saß ein breitschultriger Mann mit ausgefranstem Schnauzbart, der unbefriedigt dreinblickend eine dünne Brühe mit wenig Hühnerfleisch, ein paar Rübenscheibchen und zu viel Wasser löffelte. Zu seiner Rechten saß offenbar seine Frau sowie seine Tochter. Nur das kleine Mädchen mit den kornblumenblonden Haaren hatte eine Schüssel vor sich und genoss den Halt ihrer Mutter, die darauf achtete, dass die Kleine beim Essen nicht vom Schemel kippte.
Im Ofen züngelten kleine Flammen hungrig nach mehr Holz. Das Feuer reichte um der Szene ein diesig warmes Licht zu verleihen, allerdings nicht um die Kammer zu erwärmen, noch um die nassen Kleider zu trocknen von denen es in der Stadt dank des Regens genügend gab.
Welcher Gott auch immer sich den Regen zur Domäne machte, musste bei diesem Anblick doch gellend lachen – dachte sich der schweigsame Beobachter.

Das kleine Mädchen löffelte missmutig die Suppe und knatschte auf jeder Rübe länger als nötig herum, da sich in ihrer Schale kein Fleisch fand. „Mama, ich habe Hunger.“ Quengelte sie kleinlaut.
„Dann geh doch was jagen.“ Brummte der Vater missmutig in seine Schüssel.
„Ich weiß, mein Schatz.“ Antwortete die Mutter und tätschelte das Haar der Kleinen aufbauend.
„Bald haben wir was Däftiges auf dem Tisch. Übermorgen gibt es Rehrücken und Stampf.“ Erklärte sie aufmunternd. Das Kind lächelte ein eigenartig freudloses Lächeln. Untypisch für eine Sechsjährige – so schätzte sie der Alte zumindest ein. Sie lächelte als danke sie der Mutter für den Versuch, doch schien ihr allein der Glaube daran zu fehlen.

„Rehrücken, hah?“ Schnaubte der Vater verächtlich. „Wo soll'n der her komm'?“
„Vom Waidmann.“ Antwortete die Mutter knapp und widmete sich wieder der Tochter.
„Welcher Waidmann?“ Fragte ihr Gatte mit zunehmender Schärfe in der Stimme.
„Das spielt doch keine Rolle.“ Wich die Frau aus.
Gerumpel und Geklirr war zu hören und der wackelige Tisch bangte um seinen Halt als der Vater mit dem Löffel in der Faust auf die Tischplatte schlug.
„Welcher Waidmann!? Treibst dich wieder mit diesem Gunther rum, hä?“
„Nicht vor der Kleinen!“ Fauchte die Mutter und schob sich in die Blicklinie zwischen Vater und Tochter.
„Also doch, hm? Hälst ihm wieder den Arsch hin, hm? Du....“
„Nichts davon tue ich! Aber irgendwo her müssen wir etwas zu Essen bekommen und der Gunther hat gesagt, wenn er was schießt, dann bringt er mir was davon. Es gibt nämlich noch Leute, die an andere denken!“
„Weil der dich vögelt, deswegen denkt er an dich!“ Brüllte der Mann wutentbrannt, warf beim plötzlichen Aufstehen den Stuhl zurück und ließ den Tisch in solch Schieflage geraten, dass die Suppenschalen stürzten und das Wasser mit Bröckchen langsam seinen Weg Richtung Boden suchte.
Verschreckt schrie das kleine Mädchen auf und verbarg sich in den Armen der Mutter.
„Den ganzen Scheißtag buckel ich mir den Wanst hohl, damit wir'n Dach über dem Kopf haben und du pimperst in der Weltgeschichte herum!“ Brüllte der Mann mit dem fransigen Schnauzbart und geballter Faust.
„Geh ins Bett Liebes, ja? Und leg dir den Schal von der Nana um den Kopf und die Ohren. Die Nacht wird kalt.“ Wandte sich die Mutter besänftigend zu der Tochter und verwies auf einen Vorhang, der eine Niesche am anderen Ende des Raumes verbarg. Das Mädchen überlegte nicht zwei mal ehe es davon flitzte.
„Die kann ruhig hören, dass ihre Mutter ne Hure is! Heuer doch im Lotus an, dann lohnt sich's wenigstens!“
„Dann sehe ich vielleicht sogar was von dem Lohn, den du dort jedes mal hin schaffst!“
Blaffte die Frau nun zurück worauf der Mann mit erhobener Faust einen Satz auf sie zumachte.
„Das ist mein Gold und für das geh ich buckeln!“
„Sune hilf!“ Entfuhr es der armen Frau als sie sich der Gewaltbereitschaft gewahr wurde.

Schweigend betrachtete der Alte die Szene und wog ab. Sune würde ihr bestimmt nicht helfen, dachte er und blickte zum Ofen und der darin nach Holz ächzenden Glut.
Kurz darauf entflammte die Kochstelle so plötzlich, dass der Mann erschrocken von seiner Frau zurück wich und kurz ungläubig von den Flammen zu seiner Frau und zurück schaute.
Das Interesse des Alten wandte sich nach dieser Intervention wieder dem Mann zu.
„Hexe!“ Fauchte er schließlich und begab sich eiligen Schrittes zur Haustür. „Ich mach dich fertig, wart's nur ab!“ Mit dieser Drohung war er aus der Türe heraus und die Frau ging schluchzend in die Knie, worauf sich die Tochter, die sich hinter dem Vorhang verborgen hatte und das Ganze als Schattenspiel wahrnehmen musste, wieder zu erkennen gab und nun ihrerseits ihre Mutter nachahmte und ihr das Haupt tätschelte.

Der Alte hingegen zog sich zurück. Für ihn hatte sich dieser Eingriff als Experiment dargestellt, welches dazu dienlich war Reaktionen auszutesten.
Durch seine Intervention mochte zwar der Glaube der Frau und somit Sune selbst gestärkt worden sein, doch würde sie höchstwahrscheinlich einen hohen Preis dafür bezahlen müssen.
Wenn sie ihrem freien Willen folgen würde, so wäre sie in der Lage ihre Tochter und sich noch heute in Sicherheit zu bringen. Doch wahrscheinlicher war es, dass sie sich nun im Schutze einer Göttin wähnte, die sie an diesem Abend nicht gerettet hätte und sie wohl auch nicht vor den Folgen dieses Abends bewahren würde.
Das Schicksal dieser Familie war eines von abertausenden und er empfand kein Bedauern. Mit seinem Blick auf die Endlichkeit, würde diese Frau ohnehin nur das Unvermeidbare erwarten.

Hie und da fand er in den Gassen unterschiedliche und doch ähnliche Schicksale.
Da opferte ein kleiner Gauner einen Zehnt für seinen Raubzug an den Diebesgott, da es ihm gelang eine freischaffende Dirne um ihr Gold zu bringen.
Dort versprach eine Blinde gegen Gold die Zukunft deuten und Beshabas Blick abwenden zu können.
Doch auch in den höheren Gesellschaftsschichten fand er Dinge, die ihn grübeln ließen.
Durch ein Fenster beobachtete er ein junges Elternpaar mit zwei kleinen Töchtern. Sie aßen und spielten gemeinsam. Die Frau mit dem magisch wallendem Haar kam ihm bekannt vor und sie schien eine gute Mutter zu sein. Auch der Mann mit dem militärisch kurzem, strohblondem Haar schien in seiner Rolle liebevoll aufzugehen. Doch dann sah er die Insignien des Mannes. Ein Priester des Krieges. Ein Mann des Tempus. Weshalb sollte jemand willentlich aufs Spiel setzen, was unersetzbar ist? Weil ein göttliches Dogma es vorschrieb? Wie blind mussten diese Leute denn sein um so wenig schätzen zu können, was ihnen gegeben ist? Als sei dieses Leben und das was es zu bieten hat nur schmückendes Beiwerk auf dem Weg ins Reich der ewigen Tyrannei, der man sich freiwillig hingibt um die Ewigkeit auf Knien vor verzogenen Gören – und als nichts anderes sah er die Götter mittlerweile an – zu verbringen.
Die Schöpfung war weit von ihrem Weg abgekommen. Zu leicht war das Leben für wenige und zu schwer für viele. Da wo die einen um Brot und Wasser kämpften, kämpften nebenan andere um Rang und Namen, Schall und Rauch.
Dieser blonde Mann, den er dort sah, würde eines Tages zwei Mädchen und eine Frau hinterlassen, weil er sich selbstsüchtig und geblendet in eine Schlacht stürzen wird von der er sich ein glorreiches Dasein in der Nachwelt verspricht. Vielleicht würde er sich auch gerade wegen ihnen in Gefahr begeben um sie zu schützen.
Doch unter dem Strich blieb das Resultat das Gleiche. Ein Mann der feierlich dem Krieg huldigte, war für ihn nur das Sinnbild der Verkommenheit, der Gipfel des schöpferischen Willens der Götter. Ein Mann, der bereit war, die perfide vorgenommenen Unterscheidungen zwischen allem Leben zur Rechtfertigung seines eigenen Blutdurstes heran zu ziehen.

Der Verstand, der größte Unterschied zu den Tieren der Calaneth, blieb erneut auf der Strecke.
Simple Triebe, wie der Drang zu essen oder sich fortzupflanzen wurde übertüncht durch festgefahrene, überholte Ideale um der ebenfalls simplen Existenz Bedeutung beizumessen und das Ganze nur zum Wohlgefallen derer, die vom Zwist profitierten.
Solange die Menschen, Zwerge, Elfen und wie sie alle heißen nur glaubten und nicht wussten, so lange würden sie jene am Leben erhalten, die sie unterdrückten. So lange würden sie sich freiwillig in Ketten legen.
Doch wo lag der Ursprung dieser bereitwilligen Eigenversklavung?
Der Alte kam nur zu einer Antwort. Die Motivation für dieses intelligenzfremde Handeln lag in Furcht. Furcht vor dem Tod und dem was danach kommen würde.

Als er sich von der Stadt abwandte und weit über den Zinnen der Akademie in die nächtlichen Gewitterwolken hinein trieb, hatte er eine Entscheidung getroffen.
Das Grollen des Donners umgab seine Präsenz und Blitze jagten an ihm vorbei, wie er immer weiter hinauf trieb, bis die Insel zu seinen Füßen nur noch Handtellergroß wahrzunehmen war.
Sein Blick wanderte ins Nichts und um sich herum als wähnte er hier den Sitz der ewigen Widersacher.
„Genießt die verbleibende Zeit! Denn bald schon wird Euer Spiel enden und Ihr werdet der Endlichkeit gegenüber treten!“

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen bündelte er die freigesetzten Energien von Blitz, Wind und Regen um sich herum, verband sie mit seinem arkanen Selbst, der Energie aus der er nunmehr bestand um seine Worte einer kakophonischen Explosion gleich durch alle nahen und fernen Ebenen zu jagen.
Ein ohrenbetäubender Knall im hohen Himmel erfolgte und plötzlich wurde es unerwartet dunkel um ihn.